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EM: «Ronaldo ist ein netter Mensch»

Portugal spielt morgen im Final gegen Frankreich. Das freut auch die 2072 Portugiesen, die in Zug leben. Viele von ihnen sind schon lange hier und bestens integriert.
Wolfgang Holz
Sie freut sich schon auf den Final am Sonntag: Venia Machado. (Bild Maria Schmid)

Sie freut sich schon auf den Final am Sonntag: Venia Machado. (Bild Maria Schmid)

Wolfgang Holz

Alle Nicht-Portugiesen im Kanton Zug kennen eine Portugiesin oder einen Portugiesen. Bewusst oder unbewusst. Denn viele dieser Menschen aus Südeuropa arbeiten in Jobs, mit denen man täglich in Kontakt kommt: als Verkäuferinnen im Detailhandel beispielsweise. Oder als Servicekraft in der Gastronomie. Oder auf dem Bau und in der Industrie. 2072 Portugiesen leben derzeit hier – viele von ihnen schon seit Jahren.

Portugiesischer Verein seit 1983

Die Eltern von Venia Machado etwa kamen vor 37 Jahren nach Zug. «Mein Vater arbeitet als Kranführer, meine Mutter als Verkäuferin bei Coop», erzählt die 21-Jährige. Sie selbst ist Bankangestellte bei der Zuger Kantonalbank. «Viele meiner Landsleute sind in den 1980er- und 1990er-Jahren nach Zug gekommen», sagt Machado. Seit 1983 gibt es auch den portugiesischen Verein, der in Baar gegründet wurde. Die «Associação Cultural e Recreativa Portuguesa» sollte die Einwanderer unterstützen und ihre Kultur am Leben erhalten. 2003 rief man sogar die Trachtengruppe Rancho Folclórico Aldeias de Portugal ins Leben. Zu den 52 Mitgliedern zählt auch Venia Machado. «Wir tourten schon durch die ganze Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Frankreich, Monaco und natürlich auch schon durch Portugal», sagt die Zuger Bankangestellte, die hier geboren wurde. Es gefällt ihr sehr gut in der Schweiz. «Tipptopp», sagt sie, Sie habe sich auch schon überlegt, sich einbürgern zu lassen, hat die Entscheidung aber wieder vertagt. Nur wenige Portugiesen lassen sich übrigens einbürgern – nicht zuletzt, weil die meisten nach ihrer Pensionierung wieder in ihre lusitanische Heimat zurückkehren. «Das hängt vor allem damit zusammen, dass man mit der AHV in Portugal bestens leben kann», so Machado. Einige vermissen auch das Wellenrauschen des Meers und gönnen sich im Ruhestand lieber das wärmere Klima auf der Iberischen Halbinsel. Viele der Portugiesen, die in die Schweiz und nach Europa eingewandert sind, stammen übrigens aus der Gegend um Porto.

«Mit der steigenden Konjunktur Ende der 1970er-Jahre kamen die Portugiesen wieder zunehmend in die Schweiz, oft als Saisonniers – dieser Status wurde aber mit dem Inkrafttreten der Bilateralen abgeschafft», erklärt Bernhard Neidhart, Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit. «In den 2000er-Jahren prosperierte Portugal dank der EU, und folglich kamen viel weniger Personen in die Schweiz.» Die Krise 2008 und der Folgejahre seien dann sehr schwierig gewesen für Portugal, so Neidhart, weshalb der Zustrom von portugiesischen Arbeitnehmern wieder angestiegen sei, und zwar vorwiegend in den gleichen Branchen wie vor der Krise. «Entsprechend ist der mittlere Ausbildungsstand unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen ­Migrantengruppen aus Nord- und Westeuropa.» Sehr viele Portugiesinnen arbeiten in Zug deshalb auch als Reinigungskräfte. Neidhart: «Es gibt keine erhärteten Indizien, dass die portugiesischen Arbeitskräfte einheimische verdrängen. Dies gründet auch darin, dass sie Arbeiten ausführen, in welchen wie im Bau und Baunebengewerbe eher eine Arbeitskräfteknappheit herrscht.»

Doch Geld, Status und Arbeit sind nicht alles – Portugal ist seit Jahren eine stolze Fussballnation, hat einen Megastar wie Ronaldo, viele leidenschaftliche Fans und spielt am Sonntag zum zweiten Mal in einem EM-Final. Diesen schauen sich auch die Kicker des FC Viriato an – ein portugiesischer Fussballklub in Zug, den es seit 2001 gibt und der sich jüngst als offizieller Verein eintragen liess. Und zwar beim Public Viewing des «Casa Lourenço», eines portugiesischen Lebensmittelgeschäfts in Baar. «Viriato» ist übrigens abgeleitet von Viriathus – einem bedeutenden Anführer des Stammes der Lusitaner im Kampf gegen die Römer.

Lusitanische Mentalität

Der Manager der Mannschaft, Beat Kröpfli, ist mit einer Portugiesin verheiratet. «Portugiesen sind zumeist sehr aufgeschlossene und freundliche Menschen», skizziert er die lusitanische Mentalität. «Wir sind natürlich alle happy, dass wir im Final stehen – allerdings müssen wir noch einen Zacken zulegen, wenn wir eine Chance gegen die Franzosen haben wollen», so Kröpfli. Ronaldo findet er übrigens sehr sympathisch: «Er ist ein hervorragender Spieler, der seinen eigenen Stil hat. Allerdings wird meistens nur über ihn geschrieben – dabei ist die portugiesische Mannschaft viel mehr als nur Ronaldo.» Dem kann auch Venia Machado zustimmen. «Auf dem Platz betreibt Ronaldo leider oft sein Ego-Spiel, das vielen nicht gefällt. Privat ist Ronaldo aber ein netter Mensch.»

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