Kolumne

Endstation Ent-Zug

«Zuger Zeitung»-Redaktor Raphael Biermayr  über einen uralten Witz.

Raphael Biermayr
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Wer kennt sie nicht, die unvermeidliche Situation, die man als Eisenbahnreisender mit Start oder Ziel Stadt Zug im (deutschsprachigen) Ausland erleiden muss: «Mit dem Zug nach Zug – wie lustig!» Ja, haha kann man da nur sagen. Nie zuvor gehört. Dieser Witz wird nie einen Bart haben. Nein, wirklich. Sehr geistreich.

So weit, so ermüdend. Richtig zum Gähnen wird’s aber erst, wenn man derzeit einen Seitenblick an den Strassenrand tätigt. In Zug ansässige Parteien fühlen sich bemüssigt, ihre Kampagne mit «Zug»-Wortspielen anzureichern. «Ein guter Zug» tut offenbar der, der die SP wählt. Und dass die GLP-Kandidaten gemäss Eigenwerbung «Zug haben» ist schön für sie.

Derlei Slogans sind in diesem Kanton vermutlich so alt wie die Wahlwerbung selbst. Die Vermutung liegt nah, dass sie – mal rechts, mal mittig, mal links – lediglich entstaubt und wiederverwandt werden. Das Wort «Zug-Kraft» dürfte wohl bald wieder an der Reihe sein.

Warum hat niemand den Mut, wirklich lustig zu sein? Die deutsche Sprache kennt nämlich so viele passende Begriffe mit «Zug». Warum wirbt der erste Kandidat auf der Kantonsratsliste nicht mit «Zug-Pferd»? Warum sagt niemand, dass die Bürger einen leichteren «Zug-Ang» zu den politischen Themen haben sollen? Warum wirbt ein Stadtratskandidat, der sich offensichtlich in die Pension retten will, nicht mit seiner Rolle als «Zug-Begleiter»?

Warum kämpft niemand gegen die NFA-Belastung mit einem Satz, der «Zug-Zwang» enthält. Ist es nur ein Gebot des Zeitgeists, dass kein männlicher Kandidat die griffige Botschaft gewählt hat, er sei «Zug-Er»? Und schliesslich: Warum lädt keine Partei ihre Anhänger im Falle eines Wahlerfolgs zu rauschenden Festen ein, mit der Ankündigung eines «Voll-Zugs»?

Wer sich in diesen Gedankenspielen verliert, dem bleibt nur die Fahrt bis zur Endstation: Ent-Zug.