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ENERGIE: Die Wasserwerke haben Lust auf mehr

Die Wasserwerke Zug stehen am Wendepunkt. Mit einem neuen Firmennamen und einer gefüllten Kasse will der Versorger durchstarten. Direktor Andreas Widmer erklärt die Expansionspläne.
Interview Bernard Marks
Der Direktor der Wasserwerke Zug, Andreas Widmer, inmitten von Satellitenschüsseln auf dem Dach des Hauptsitzes in Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Der Direktor der Wasserwerke Zug, Andreas Widmer, inmitten von Satellitenschüsseln auf dem Dach des Hauptsitzes in Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Interview Bernard Marks

Andreas Widmer, die Wasserwerke Zug (WWZ) haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erzielt. Der Überschuss liegt bei 42,9 Millionen Franken. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Andreas Widmer*: (lacht) Angesichts der wirtschaftlichen Lage in der Strombranche haben wir im letzten Jahr ein gutes Ergebnis erzielt. Ich denke, wir können sehr zufrieden sein.

Andere Schweizer Energieversorger sind wegen der tiefen Strompreise in Schieflage geraten. Die meisten ihrer Wasserkraftwerke sind kaum noch rentabel. Warum ist das anders bei den Wasserwerken Zug?

Widmer: Die WWZ besitzen nur wenige eigene Wasserkraftwerke. Die Wasserkraftwerke, die uns gehören, machen lediglich rund 4 Prozent vom Strombedarf im Kanton Zug aus. Den überwiegenden Anteil des Stroms, den wir verkaufen, kaufen wir vorher ein.

Welche Vorteile hat das?

Widmer: Wir sind durch unser Beschaffungsportfolio sehr flexibel. Und haben nur wenig langfristige Verpflichtungen, das ist in der jetzigen Marktsituation ein Pluspunkt im Wettbewerb von Stromanbietern. Das heisst, wir können zu tiefen Preisen am Strommarkt beschaffen und unseren Kunden gute Preise anbieten.

Das zeigt sich bereits an der Kundenzahl. Diese ist im Strombereich im vergangenen Jahr auf rund 67 000 angestiegen. Wo führt die Reise für die WWZ noch hin?

Widmer: Wir gewinnen Kunden ausserhalb unseres Versorgungsgebietes vor allem im KMU-Bereich. Wir haben hier keine aggressive Expansionsstrategie. Trotzdem wird 50 Prozent des Stroms von Grosskunden bezogen, die ihren Stromanbieter frei wählen können. Für den zweiten Schritt der Strommarktliberalisierung, den wir für 2021 erwarten und bei dem auch private Kunden ihren Anbieter frei wählen können, sind wir gut aufgestellt.

Sie wollen an der kommenden Generalversammlung den Namen in WWZ AG ändern. Warum?

Widmer: Das ist ein konsequenter Schritt. Wir machen mit Wasser nur noch 4 Prozent unseres Umsatzes. Ausserdem sind die Wasserwerke Zug schon seit Jahren als WWZ bekannt. Von daher macht dieser Schritt einen Sinn.

Das ist auch ein Wendepunkt in der Firmengeschichte. Der Umsatzanteil an Telekommunikation nimmt immer mehr zu.

Widmer: Der Quickline-Verbund expandiert stark und hat bereits 420 000 Kunden. Er ist der zweitgrösste Kabelanbieter in der Schweiz nach Cablecom. Wir sind sehr erfolgreich in diesem Geschäft unterwegs. Das ist nicht nur lukrativ für uns, sondern erlaubt uns, ein gutes Produkt für die Kunden anzubieten. Insbesondere in den ländlichen Gebieten können wir heute dank unseres leistungsstarken Glasfaser-Kabelnetzes flächendeckend schnelleres und besseres Internet anbieten als unsere Konkurrenz. Langfristig sehen wir Synergien zwischen dem Telekommunikationsgeschäft und dem Stromgeschäft, etwa die Möglichkeit, mit der vollständigen Marktöffnung Bündelprodukte anzubieten. Auch im Hinblick auf die gesamte Thematik mit intelligenten Stromzählern gibt es Potenzial. Das setzt voraus, dass man eine gute Telekomanbindung hat.

Sie haben eine volle Kriegskasse mit rund 790 Millionen Franken. Das ist bemerkenswert. Das gibt Ihnen in Zukunft viel Handlungsspielraum?

Widmer: Wir erachten uns als Infrastrukturbetrieb. Infrastruktur zu erhalten, ist allerdings in der Regel sehr kapitalintensiv. Wachstumspotenzial orten wir vor allem im Wärmemarkt. Hier haben wir kürzlich das Netz der Zuger Altstadt übernehmen können und arbeiten im Moment an der Realisierung eines Energieverbunds, der dereinst ganze Zuger Stadtquartiere mit Wärme- und Kälteenergie versorgen wird. Auch in der Telekommunikation sind wir auf einem Expansionskurs. Wir kaufen aber nicht nur Kabelnetze auf und gewinnen so Versorgungsgebiete hinzu. Wir investieren auch laufend in den Ausbau unseres eigenen Telekomnetzes. Zum Beispiel haben wir kürzlich die Geschwindigkeit für das Internet von 200 Megabit pro Sekunde auf 400 Megabit pro Sekunde erhöht. Das ist eine Verdopplung.

Und im Strombereich?

Widmer: Hier prüfen wir Opportunitäten, uns an dem einen oder anderen Schweizer Wasserkraftwerk zu beteiligen.

In der Region oder ausserhalb der Region?

Widmer: (schmunzelt) Da sind wir offen.

Der Zeitpunkt dafür wäre ja gut, denn viele Versorger wollen ihre Kraftwerke abstossen.

Widmer: Das ist richtig. Wir sind überzeugt, dass die erneuerbare Wasserkraft auch in Zukunft eine grosse Bedeutung für die Versorgungssicherheit haben wird. Die Frage ist nur zu welchem Preis man Kraftwerke erwerben kann. Apropos Zukunft – die Elektromobilität ist ein Zukunftsfeld, indem wir uns strategisch positionieren wollen. Ich bin überzeugt, in den städtischen Gebieten und Ballungsräumen wird das Elektroauto eine grosse Zukunft haben. Aber das setzt auch voraus, dass der Gesetzgeber die Elektromobilität fördert – zum Beispiel mit Steuervergünstigungen oder Vorteilen im Verkehr wie die Nutzung von Busspuren oder speziellen Parkmöglichkeiten.

Quelle: Wasserwerke Zug (Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ)

Quelle: Wasserwerke Zug (Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ)

Ersatzwahl in den Vorstand

An der Generalversammlung der Wasserwerke Zug, die am 28. April um 16 Uhr im Theater Casino Zug stattfindet, wird über die Namensänderung der Wasserwerke Zug AG in WWZ AG abgestimmt. Zudem sind die Wiederwahl von Andreas Umbach und eine Ersatzwahl für die aus dem Vorstand ausscheidende Barbara Hofstetter traktandiert. Zur Wahl in den Vorstand stellt sich Peter Hausherr, Gemeindepräsident von Risch-Rotkreuz. Das Gastreferat hält Dr. Annette Luther, General Manager von Roche Diagnostics in Rotkreuz.

Hinweis

Andreas Widmer (55) ist in Luzern aufgewachsen und nach Stationen in der Telekomindustrie, bei der CKW, Watt AG und Atel (heute Alpiq) seit 2009 CEO der Wasserwerke Zug AG (WWZ).

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