ENERGIE: Er bringt Windkraft nach Madagaskar

Der Steinhauser Lukas Huber baut eine Windturbine für Entwicklungsländer. Aus dem ETH-Abschlussprojekt ist inzwischen ein echtes Abenteuer geworden.

Fabian Gubser
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Lukas Huber (grosses Bild links) ist Ende September nach Madagaskar gereist und instruiert Einheimische Handwerker beim Bau der Turbine. (Bild: PD)

Lukas Huber (grosses Bild links) ist Ende September nach Madagaskar gereist und instruiert Einheimische Handwerker beim Bau der Turbine. (Bild: PD)

Fabian Gubser

Es ist heiss. Das Thermometer zeigt 31 Grad. In der Werkstatt Tsiky im Dorf Ambatomirahavavy in Madagaskar wird fleissig gehämmert. Die Mechaniker, Schreiner und Schweisser sprechen Madagassisch. Sie alle arbeiten am zweiten Prototyp einer Windturbine. Entwickelt vom Steinhauser Lukas Huber. Drei Meter misst der Propeller im Durchmesser, der Sockel hat die Grösse von drei übereinandergestapelten Bussen der Zugerland Verkehrsbetriebe. Konstruiert wird die Turbine mit lokalen Ressourcen wie Holz. Einheimische Handwerker bauen die verschiedenen Teile zusammen. «Das ermöglicht den tiefen Preis von 1500 Franken und schafft Arbeitsplätze», sagt Lukas Huber am Telefon.

Alte Idee – neuer Ansatz

Mit seiner sogenannten Low-Cost-Windturbine will der 23-jährige Student mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Lukas Huber hat an der ETH Zürich Maschinenbau studiert. Die Idee einer Holz-Windturbine entstand Anfang dieses Jahres während eines Abschlussprojekts. Dabei nahmen er und sein Team mit dem Centre Ecologique Albert Schweitzer (CEAS) Kontakt auf. Die Nichtregierungsorganisation ist spezialisiert auf Innnovationen in der Entwicklungshilfe. Während der Gespräche legte man das Zielland Madagaskar fest. Dort herrschen günstige Windverhältnisse, gleichzeitig hat die Mehrheit der Bevölkerung keinen Zugang zu Strom. Das Projekt von Lukas Huber und seinem Team ist nicht ganz neu. Es gibt bereits ähnliche Windturbinen. Allerdings sind sie grösser und teurer.

Im Sommer dieses Jahres war die Abschlussarbeit des Steinhausers dann fertig. Das CEAS hat daraufhin beschlossen, das Projekt weiterzuverfolgen und hat Lukas Huber einen Zivildienstjob angeboten. «Ich habe die Gelegenheit sofort gepackt. Mir genügte es nicht, nur einen Prototyp in der Schweiz zu entwickeln», erzählt der ETH-Student. Sein Team sicherte ihm Unterstützung via Skype zu. Ende September packte der Steinhauser seine Koffer und landete nach 15 Stunden Flug in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar.

Anpassungen nötig

Wie jeder Fahrraddynamo braucht auch die Windturbine von Lukas Huber Magnete. Diese findet er auf dem örtlichen Schrottmarkt allerdings nur in schlechter Qualität. Für den Prototyp brachte Huber deshalb genügend Magnete im Gepäck mit. Derzeit ist er auf der Suche nach einer Alternative. Ansonsten laufe das Projekt aber wie geplant. Gemeinsam mit einheimischen Experten schult der junge Schweizer Student die Handwerker. Sie sollen in Zukunft die Windturbine selbstständig bauen und warten können. Das oberste Ziel heisst Nachhaltigkeit. Ob das gelingt? Die Voraussetzungen scheinen bisher dank der Unterstützung von CEAS und ihrer Partnerwerkstatt Tsiky gut.

Anschluss an die moderne Welt

Weit weniger gut sind hingegen die Lebensumstände, in denen die meisten Madagassen leben. Die meisten Familien sitzen laut Lukas Huber im Dunkeln. Mit Kerzen und Petroleumlampen beleuchten sie ihre eigenen vier Wände abends nur spärlich. Mit einem elektrischen Licht könnten Schulkinder ihre Hausaufgaben auch nach Einbruch der Dunkelheit erledigen. Der leichtere Zugang zu Radio und Telefon könnte Bauern zudem helfen, sich über das Wetter zu informieren. So würden sie einen höheren Ertrag auf ihren Feldern erzielen.

Lukas Hubers Windturbine hat eine Leistung von einem Kilowatt: Das ist genug, um einen ganzen Haushalt mit Elektrizität zu versorgen. Wie aber können die armen Familien 1500 Franken für eine Windturbine aufbringen? «Mit einem Mikrokredit», erklärt der ETH-Student. «Überschüssige Energie kann man dann verkaufen, um den Kredit abzubezahlen. Bei ärmeren Dorfgemeinschaften muss ein Exemplar subventioniert werden.»

Auch auf dem Zugerberg?

Auch der Erfinder selbst musste sich für die Finanzierung seines Prototyps auf die Suche nach Mitteln machen. Das hat er online getan. Mittels eines Videos wird die Holz-Windturbine auf der Crowdfunding-Plattform «Kisskissbankbank» vorgestellt. Insgesamt benötigen Lukas Huber und sein Team 20 000 Franken, um die erste Etappe finanzieren zu können. Bis jetzt ist bereits die Hälfte im Topf. Die Spendenaktion dauert noch bis zum 21. Oktober. Und was, wenn nicht das ganze Geld zusammenkommt? «Einen konkreten Plan B gibt es zurzeit nicht. Wir werden aber alles geben, um das Projekt durchzuführen», betont Lukas ­Huber.

Der Steinhauser Student will sein Projekt aber nicht allein auf Entwicklungsländer beschränken. Er könnte sich die Windturbine durchaus auch an geeigneten Orten in der Schweiz vorstellen. Wer weiss also, vielleicht sieht man eines Tages auch auf dem Zugerberg eine Windturbine von Lukas Huber.