ENERGIE: Zug sucht nach Energie im Boden

Nach den Plänen des Bundes sollen in der Schweiz bis 2050 rund 100 geothermische Kraftwerke zur Energiegewinnung entstehen. Nun klärt auch der Kanton Zug, ob sich aus tiefem Untergrund Energie gewinnen lässt.

Pd/Rem
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In Karlsruhe besteht schon eine Geothermie, die bis 3000 Meter in die Tiefe reicht. (Bild: BMU/Rupert Oberhäuser)

In Karlsruhe besteht schon eine Geothermie, die bis 3000 Meter in die Tiefe reicht. (Bild: BMU/Rupert Oberhäuser)

Der Kanton Zug bekundet Interesse an der tiefen Geothermie. Geteilt wird dieses Anliegen vom Verein geothermischer Kraftwerke Schweiz, Sektion Zug, unter dem Präsidium von Nationalrat Gerhard Pfister. Im Fokus ist dabei die Stromproduktion, denn anders als bei der Wärmeproduktion sind lokale, erneuerbare Stromquellen im Kanton Zug rar. Eine von der Zuger Baudirektion in Auftrag gegebene Studie bescheinigt dem Kanton eine grundsätzliche Eignung für die tiefengeothermische Nutzung. Auf der Suche nach Erdöl-/Erdgasvorkommen wurde bereits vor Jahren südöstlich von Hünenberg eine Tiefbohrung durchgeführt. Mit einer Bohrtiefe von 3288 Metern ist dies die weitaus tiefste Bohrung im Kanton Zug und eine der tiefsten der Schweiz.

Die Zuger Regierung ist derzeit daran, ein kantonales Gesetz für Tiefenbohrung auszuarbeiten. Erste Ergebnisse sollen Mitte Juli vorliegen. Ziel ist es, Rechts- und Investitionssicherheit für die Erforschung und Nutzung zu schaffen.

Um die Kenntnisse über den tiefen Untergrund zu verbessern, will die Baudirektion seismische Profile mit neusten wissenschaftlichen Methoden auswerten lassen. Zudem will sie untersuchen lassen, ob es allfällige Hindernisse für eine geothermische Nutzung gibt, etwa Grundwasser oder aufsteigende Gase. Schliesslich gilt im Zusammenhang mit tiefer Geothermie auch dem Erdbebenrisiko ein besonderes Augenmerk. Dazu wird ein Gutachten erstellt. Laut dem Zuger Baudirektor Heinz Tännler soll mit den gezielten weiteren Untersuchungen möglichen Investoren eine gute Basis geboten werden.

Geothermie

Die tiefe Geothermie nutzt die Erdwärme in Tiefen von 400 bis zu 5000 m Tiefe zur Wärme- und Stromgewinnung. Die Technologie bietet grosse Vorteile: Sie ist emissionsarm, braucht wenig Platz und liefert unabhängig von äusseren Einflüssen immer verfügbare Energie. Im Rahmen seiner Energiestrategie setzt der Bund denn auch grosse Hoffnungen auf diese erneuerbare Energiequelle. Noch ist die Technologie mit einigen Unsicherheiten behaftet. Forschung und Entwicklung laufen jedoch auf Hochtouren. Ein vielversprechendes Projekt der Stadtwerke St. Gallen befindet sich im Bau, verschiedene weitere Projekte, beispielsweise in den Kantonen Thurgau und Waadt, sind in Planung. Nach den Plänen des Bundesn sollen in der Schweiz bis 2050 rund 100 geothermische Kraftwerke zur Wärme- und Stromgewinnung entstehen.