ENERGIESTADT: Ein Label scheidet die Geister

Das Zertifikat verpflichtet Gemeinden, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Über den Nutzen ist man sich uneinig.

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Die Holzschnitzelanlage bei der Sonnhalde mit dem rostroten Kamin beheizt fast alle gemeindlichen Liegenschaften in Menzingen. (Bild: Stefan Kaiser)

Die Holzschnitzelanlage bei der Sonnhalde mit dem rostroten Kamin beheizt fast alle gemeindlichen Liegenschaften in Menzingen. (Bild: Stefan Kaiser)

Rahel Hug

Bereits 361 Schweizer Gemeinden dürfen sich mit dem Label «Energiestadt» schmücken, regelmässig kommen neue hinzu. Mit der Zertifizierung verpflichten sich die Kommunen, Anstrengungen für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen zu unternehmen und ihre Energieeffizienz zu verbessern. 50 Prozent eines Massnahmenkatalogs gilt es zu erreichen, damit das bekannte blau-weisse Logo am Ortseingang platziert werden darf.

Die Zuger Gemeinden sind, was ihre Zertifizierung als «Energiestädte» betrifft, gut vertreten (siehe Tabelle). Acht Gemeinden besitzen das Label, Zug und Cham sind sogar stolze Besitzer der höchsten Auszeichnung «Energiestadt Gold». Die Bedingung für dieses Label ist, dass mehr als 75 Prozent der möglichen Massnahmen realisiert oder beschlossen sind.

Walchwil strebt kein Label an

Während Gemeinden wie Steinhausen oder Baar bereits vor über zehn Jahren erstmals zertifiziert wurden, sind Walchwil und Neuheim aktuell lediglich «Mitglieder im Trägerverein». Dies erlaubt ihnen unter anderem, Beratung in Anspruch zu nehmen. Als nächster Schritt können sie bei Bedarf «Partner auf dem Weg» werden, wenn sie die geforderten 50 Prozent der Massnahmen noch nicht erfüllen.

Diesen Weg will man in Walchwil die Gemeinde ist seit 2010 Mitglied – momentan nicht einschlagen. «Es werden mittelfristig keine Labelbemühungen unternommen», erklärt Stefan Jäggi, Leiter der Abteilung Infrastruktur/­Sicherheit. Solche Labels würden immer auch Geld kosten, das man lieber direkt in Energieprojekte investiere.

Sämtlicher Strom der öffentlichen Hand beispielsweise in den Schulen, bei der Strassenbeleuchtung oder im Gemeindehaus – ist laut Jäggi Naturstrom und stammt von den Wasserwerken Zug (WWZ). Zudem sei Walchwil Mitglied beim Energienetz Zug und nehme dort Beratungen in Anspruch.

Standortbestimmung in Neuheim

In Neuheim fiel der Beschluss, dem Trägerverein beizutreten, im Jahr 2008. «Die Analyse hat dem Gemeinderat aufgezeigt, dass bei den meisten Kriterien zur Erreichung des Labels noch ein grosser Nachholbedarf vorhanden ist», sagt Anton Rölli, Leiter der Abteilung Sicherheit, Wirtschaft und Verkehr.

In diesem Jahr wird der Trägerverein, so erklärt Rölli, eine Ist-Analyse erstellen. «Anhand der Ergebnisse werden die nächsten Schritte zur Erreichung des Labels aufgezeigt.» Die Gemeinde ­Neuheim verfüge über ein Energie­förderprogramm. «Dieses wird 2015 überarbeitet», führt Rölli aus. Ebenfalls würden Förderleistungen bei Sonnenkollektoren, Fotovoltaikanlagen und Holzfeuerungen ausgerichtet. In den gemeindlichen Liegenschaften werde die Energieeffizienz laufend optimiert.

«Im Energiebereich gut unterwegs»

Weder eine Mitgliedschaft noch eine «Energiestadt»-Zertifizierung hat die Berggemeinde Menzingen. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben: Im Klosterdorf hat man nicht vor, in den Prozess einzusteigen, wie Bauchef Martin Kempf bestätigt. «Der Gemeinderat hat das Thema in den letzten Jahren immer wieder diskutiert auch im Rahmen von Interpellationsantworten», erklärt der Bauchef. Dabei habe sich gezeigt, dass es keinen Bedarf gebe, sich für eine Zertifizierung anzumelden. «Wir sind der Überzeugung, dass ein Label allein nichts bringt», sagt Kempf und betont: «In Menzingen laufen viele Projekte, wir sind im Energiebereich sehr gut unterwegs.» Da sei ein Label wie jenes der «Energiestadt» eigentlich nur eine Pro-Forma-Angelegenheit. «Wenn man sich aus Überzeugung für Energieeffizienz einsetzt, ist ein spezielles Logo dafür gar nicht nötig.»

Alle gemeindlichen Liegenschaften im Bergdorf bis auf eine – werden laut dem Gemeinderat mit Holzschnitzeln und Pellets beheizt. Seit 2010 versorgen die WWZ den Dorfkern mit Fernwärme aus regionalem Holz. «Im Gemeindehaus sowie in der Schulanlage Ochsenmatt arbeiten wir seit langem mit Regenwasserspülungen», berichtet Kempf. Weiter sei die Gemeinde beim Energienetz Zug für Beratungen angemeldet. An Heizungssanierungen leiste man einen Beitrag, falls auf erneuerbare Energien umgestellt werde. Martin Kempf bemerkt, dass auch in Zukunft – beispielsweise mit der Fotovoltaik­anlage auf dem Neubau des Werkhofs – zahlreiche Projekte geplant seien. «Klar, man könnte immer noch mehr machen. Wir sind aber alles andere als untätig.»

Der Gemeinderat schätzt, dass Menzingen die für das Label geforderten 50 Prozent des Massnahmenkatalogs sogar bereits erreichen würde. «Wir würden wohl nicht schlecht abschneiden.» Eine Anmeldung ist in der Exekutive trotzdem kein Thema. Hier kommt für Kempf dasselbe Argument wie in Walchwil zum Zug: «Das Geld, das wir für das Label ausgeben würden, setzen wir lieber direkt in Energiemassnahmen um.»

«Echter Mehrwert» in Cham

Eine «Vorzeigegemeinde», was das Label «Energiestadt» betrifft, ist Cham. Der zuständige Gemeinderat Markus Baumann ist überzeugt, dass die Zertifizierung der Gemeinde viele Vorteile gebracht hat und nach wie vor bringt: «Das Label ist ein echter Mehrwert, auch wenn die Resultate nicht in Franken messbar sind.» Es sei ein Instrument, um das Bewusstsein zum Energiesparen sowohl in der Verwaltung als auch in der Bevölkerung zu festigen und mögliche Massnahmen auch im Alltag – immer wieder in Erinnerung zu rufen.