Energieversorgung
Wärmeverbund Ennetsee: Die Bauarbeiten für die Fernwärmeleitung haben begonnen

Erste Liegenschaften in Rotkreuz sollen im Winter 2022/23 versorgt werden. In Steinhausen plant die WWZ Energie AG gemeinsam mit der Gemeinde einen weiteren Wärmeverbund.

Rahel Hug
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Blick in das Maschinenhaus der Renergia in Perlen. Die Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage wird künftig nach Rotkreuz transportiert.

Blick in das Maschinenhaus der Renergia in Perlen. Die Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage wird künftig nach Rotkreuz transportiert.

Bild: Roger Grütter (28. Mai 2018)

Eine neun Kilometer lange Leitung soll die Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Renergia im Luzernischen Perlen nach Rotkreuz transportieren und dort Haushalte mit Fernwärme versorgen. Das Projekt «Wärmeverbund Ennetsee» der Wasserwerke Zug (WWZ) wird immer konkreter. Nachdem im Winter Pilotbohrungen durchgeführt wurden, haben vor kurzem die Vorbereitungsarbeiten für den Leitungsbau und die Aushubarbeiten begonnen, wie von Robert Watts, Leiter Kommunikation bei der WWZ Energie AG, zu erfahren ist.

«Der Baustart der Transportleitung mit dem Verlegen der Fernwärmerohre zwischen der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia und Rotkreuz startet je nach Witterung in den kommenden Wochen; es sind viele kleinere Etappen geplant.»

Vorgesehen ist, erste Liegenschaften in Rotkreuz im Winter 2022/23 zu versorgen. Mit mehr als 25 Eigentümern seien bereits Wärmelieferverträge abgeschlossen, informiert Watts. Insgesamt sollen mehr als 200 Liegenschaften im Gebiet Ennetsee mit CO2-freier Wärmeenergie versorgt werden. Denn in einer zweiten Etappe soll der Wärmeverbund Ennetsee auch die Gebiete Hünenberg und Cham sowie die äussere Lorzenallmend erschliessen.

Steinhausen: Ergebnisse werden im Herbst erwartet

Der Wärmeverbund Ennetsee ist nicht das einzige laufende Projekt der WWZ. Ein weiterer Verbund soll in Steinhausen entstehen. 2020 haben die Gemeinde und die Energieversorgerin eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ziel ist es, den CO2-Ausstoss der Heizungen in der Gemeinde auf ein Minimum zu reduzieren. Bereits seit Ende 2017 betreiben die WWZ den Wärmeverbund Steinhausen Zentrum, welcher die Überbauung Dreiklang sowie umliegende Liegenschaften mit erneuerbarer Wärme aus Holzschnitzeln versorgt. Produziert wird diese in der Energiezentrale an der Kirchmattstrasse.

Die nun laufende Machbarkeitsstudie für einen weiteren Verbund stimme zuversichtlich, teilten die WWZ kürzlich mit: «Sie belegt, dass sich ein Wärmeverbund auf Teilen des Gemeindegebiets von Steinhausen wirtschaftlich realisieren und betreiben lässt.» Potenzielle Ankerkunden hätten bereits Interesse an einem Anschluss geäussert. In den nächsten Monaten wollen die Gemeinde und die WWZ weitere Abklärungen tätigen, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden für den kommenden Herbst erwartet.

Im Fokus steht als Energieträger eine Kombination aus Holz und Tiefengrundwasser. Was bedeutet das genau? Robert Watts erklärt: Nebst der Wärmeversorgung mittels Wärmepumpen analog dem Stadtzuger Projekt Circulago könne das Tiefengrundwasser als Energiequelle auch zur direkten «Komfortkühlung» von Gebäuden genutzt werden. Die Details zum Zusammenspiel mit der Holzwärme müssten noch ausgearbeitet werden. Die Machbarkeitsstudie soll auch aufzeigen, ob der bestehende Steinhauser Wärmeverbund mit dem neuen verbunden werden könnte.

Ein möglicher Versorgungsperimeter soll im Herbst 2021 konkretisiert werden. Das Ziel ist es gemäss Watts, möglichst viele Gebäude mit Fernwärme und Fernkälte im Gemeindegebiet Steinhausen zu erschliessen – sofern wirtschaftlich und technisch sinnvoll. Wenn sich das Vorhaben als realisierbar erweist, werden die baulichen und terminlichen Aspekte genauer abgesteckt. Watts: «Theoretisch benötigen wir zirka drei Jahre für die Planungsphase nach der Machbarkeitsstudie, je nach laufenden Strassensanierungsprojekten der Gemeinde Steinhausen würden wir jedoch bereits vor dem offiziellen Baustart Leitungen mitverlegen.»

Die WWZ führen auch mit anderen Gemeinden Gespräche

Der Steinhauser Verbund wird nicht der letzte seiner Art sein. Die WWZ führten mit weiteren Gemeinden im Kanton Zug erste Gespräche über Wärmeverbunde und andere Wärmeversorgungslösungen, führt Robert Watts aus. «Konkret in Planung sind aber aktuell keine weiteren Projekte.» Der strategische Fokus liege im Moment auf den beiden Grossprojekten Circulago und Wärmeverbund Ennetsee.

«Diese allein werden im Endausbau rund 38'000 Tonnen CO2 jährlich einsparen und leisten so einen signifikanten Beitrag zur regionalen Klima- und Energiezukunft.»

Beim Projekt Circulago stammt die Energie aus dem Zugersee. Über eine unterirdische Leitung gelangt das Seewasser in einem geschlossenen Kreislauf zur Seewasserzentrale. Dort übergibt ein Wärmetauscher die erzeugte Energie an einen zweiten Kreislauf. Gleichzeitig zirkuliert das Seewasser wieder zurück in den Zugersee. Das Energiesystem hat 2020 offiziell den Betrieb aufgenommen, der Ausbau geschieht laufend.