ENNETSEE: Die Poststellen-Garantie hat eine kurze Laufzeit

Eine Liste mit möglichen Schliessungen der meisten Poststellen sorgt für Irritation in den Gemeinden. Für den ganzen Kanton gilt ohnehin: Angeblich sichere Standorte wären schon bald wieder gefährdet.

Raphael Biermayr
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2012 öffnete in der Creabeck im Hünenberger Seeteil die erste Postagentur im Ennetsee. (Bild: Stefan Kaiser (27. Januar 2017))

2012 öffnete in der Creabeck im Hünenberger Seeteil die erste Postagentur im Ennetsee. (Bild: Stefan Kaiser (27. Januar 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Es ist ungewohnt, zwischen Guetzlischachteln und Le-Parfait-Tuben Briefe zu frankieren. So präsentiert sich die Situation in Hagendorn seit kurzem, wenn man Postgeschäfte erledigen will. Seit dem 10. Dezember befindet sich im Volg eine Postagentur, die zweite in der Region nach derjenigen im Hünenberger Seeteil. Die Postagenturen ersetzen seit mehr als zehn Jahren vielerorts im Land die bedienten Poststellen.

Situationen wie die eingangs beschriebene könnten in naher Zukunft die Regel sein, gerade im Ennetsee. Unsere Zeitung hat kürzlich eine Liste der Pöstler-Gewerkschaft Syndicom mit gesicherten und gefährdeten Standorten in der Zentralschweiz veröffentlicht, die sich auf Kriterien der Post stützen würde. Auf dieser Liste, die von einem Mediensprecher der Post zurückgewiesen wird, gelten die Poststellen in drei der vier Ennetseegemeinden als gefährdet: Nur diejenige im Chamer Neudorf-Center wird als «gesichert» bezeichnet.

Dieser Begriff ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Das lässt sich aus einem Interview mit Thomas Baur, dem Leiter Poststellen und Verkauf, schliessen. Jenes ist in der Personalzeitung der Post im vergangenen November erschienen. Baur sagt darin, dass schweizweit «voraussichtlich bis Ende des ersten Semesters 2017 eine Liste mit den garantierten Standorten» von Poststellen vorliegen werde. «Garantiert» bedeutet lediglich «bis Ende 2020», wie er darlegt. Die erwähnte Liste entstehe nach Gesprächen mit den Kantonen. Anschliessend werde die Post «mit einem Grossteil der Gemeinden» Lösungen für die nicht garantierten Standorte diskutieren. Baur sagt auch: «Die Mitarbeitenden und die lokale Bevölkerung werden früh informiert.»

Die Gemeinden wollen sich wehren

Die mögliche Reduktion des Angebots sorgt für Irritation in den Gemeinden Risch, Hünenberg und Steinhausen. Die Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann hat sich beim Poststellenleiter erkundigt. «Er weiss nicht mehr, als dass die Post bis ins Jahr 2020 verschiedene Poststellen schliessen will. Ob Hünenberg dazugehört, ist uns nicht bekannt. Wir werden aber bei den zuständigen Stellen der Post noch nach­fragen. Sollte die Stelle dereinst tatsächlich geschlossen werden, gehen wir davon aus, dass im Dorf zumindest eine Postagentur eröffnet wird. Dass es in Hünenberg in Zukunft überhaupt kein Postangebot mehr gibt, können wir uns nicht vorstellen», sagt Hürlimann. Ihr Rischer Amtskollege Peter Hausherr sagt: «Es wäre für mich in keiner Weise nachvollziehbar, wenn es an einem so stark wachsenden Ort wie Rotkreuz keine Poststelle mehr geben sollte – massiver Widerstand wäre angesagt.» An der nächsten Gemeindepräsidentenkonferenz vom 15. März wird dem Vernehmen nach ein Vertreter der Post zugegen sein, dem die Ennetseer auf den Zahn fühlen dürften.

Auch Barbara Hofstetter, die Gemeindepräsidentin Steinhausens, wird bei dieser Gelegenheit wohl ihren Standort für eine Poststelle verteidigen. «Das Angebot ist sehr gefragt. Ich bin froh, haben wir noch eine eigene Poststelle!», schreibt sie auf Anfrage. Einige Steinhauser müssten schon heute einen längeren Weg auf sich nehmen, um «avisierte Postsendungen» abzuholen: 103 Haushalte auf eigenem Gemeindegebiet hätten eine Chamer Postleitzahl und seien damit der Poststelle im Industriegebiet zwischen den beiden Gemeinden zugeteilt gewesen. Diese ist vor wenigen Tagen geschlossen worden. Nun müssten die betroffenen Personen ins Chamer Neudorf-Center fahren. «Die chronische Überlastung der Zugerstrasse in Cham wird für diese Kunden sicher mehr Zeitaufwand bedeuten», zeigt Hofstetter auf. Geschäftskunden haben im Industriegebiet neuerdings immerhin einen Zugang zu einem unbedienten Container. Dort können sie ihre Post zur Aufgabe hinterlegen sowie deponierte Sendungen entgegennehmen.

Dem Chamer Gemeindepräsidenten Georges Helfenstein sind keine bevorstehenden Schliessungen von Poststellen in den Nachbargemeinden bekannt. Auf die Situation in der eigenen Gemeinde angesprochen, zeigt er sich erfreut, dass «dank des Einsatzes des Gemeinderats» die Postagentur in Hagendorn eröffnet wurde, nachdem die dortige Poststelle geschlossen worden war. Die Agentur sowie erwähnter Container im Industriegebiet würden sich durch «attraktive Öffnungszeiten» und das Angebot «der am meisten nachgefragten Dienstleistungen» auszeichnen.