ENNETSEE: Wie ein grosses Schwimmbecken

Das Bundesamt für Strassen will beim Chamer Autobahnanschluss eine Anlage für die Reinigung von Strassenabwasser bauen. Es ist nicht die erste dieser Art im Kanton.

Marco Morosoli
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Beim Autobahnanschluss in Cham soll das Filterbecken für die Wasserreinigung hinkommen. (Bild: Stefan Kaiser (6. März 2017))

Beim Autobahnanschluss in Cham soll das Filterbecken für die Wasserreinigung hinkommen. (Bild: Stefan Kaiser (6. März 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Die Autobahn A4 zwischen den Verzweigungen Blegi und Rütihof ist seit Mitte 2012 auf sechs Fahrspuren ausgebaut. Noch nicht gelöst ist hingegen bis anhin, wie das Regenwasser auf diesem Autobahnabschnitt gereinigt werden kann. Jetzt ist Bewegung in dieses für die Umwelt wichtige Projekt gekommen. Ein Gesuch zum Bau einer Strassenabwasserbehandlungsanlage (Saba) – wie die Kläranlage im Behördendeutsch heisst – liegt noch bis am 27. März in Zug und Cham öffentlich auf (Ausgabe vom 21. Februar). Kostenpunkt: 17,9 Millionen Franken.

Eine Zahl, die auf den ersten Blick erstaunt, aber mit diesem Geld werden das Filterbecken beim Autobahnanschluss in Cham und vier Pumpstationen entlang der zu entwässernden Route gebaut. Um beim Bau der Saba Kulturland zu schonen – was eine gerichtliche Vorgabe ist – soll das Klärbecken im Auge der Ein- und Ausfahrtsrampe des Autobahnanschlusses gebaut werden. Brachland wird so noch einem vernünftigen Zweck zugeführt. «Wir wollen Ende 2018 mit den Bauarbeiten beginnen. Sie werden rund anderthalb Jahre dauern», sagt Esther Widmer von der Zweigstelle des Bundesamts für Strassen (Astra) in Zofingen.

Dieser Zeitplan sei nur zu halten, wenn das ganze Bewilligungsverfahren ohne Verzögerungen durchgezogen werden könne. Unbestritten ist die Notwendigkeit einer solchen Anlage in Cham. Bereits heute sind zwischen der Verzweigung Blegi und dem Autobahnanschluss Cham täglich rund 85 000 Fahrzeuge unterwegs. Und es werden immer mehr. Aufgrund dieses hohen Verkehrsaufkommens muss das Strassenabwasser als «hoch belastet» eingestuft und deshalb gereinigt werden.

Die Planungen für die Klärung der Strassenabwasser dauern in diesem Gebiet mehrere Jahre. Das hat seinen Grund auch darin, dass verschiedene Vorprojekte erstellt worden sind, die solche Anlagen an zwei anderen Orten vorgesehen hatten. Geologische Untersuchungen hätten aber ergeben, dass der Baugrund dort nicht optimal gewesen wäre, was sich auf den Bau, den Betrieb wie auch den Unterhalt der vorgesehenen Anlage ausgewirkt hätte. Deshalb sind diese Varianten nicht mehr weiter verfolgt worden. In der Zwischenzeit sei auch, so ist dem öffentlich aufliegenden Baubeschrieb zu entnehmen, die Technik solcher Entwässerungsanlagen verfeinert worden. All diese Verbesserungen seien jetzt ins neue Projekt eingeflossen. Damit entsprechen sie den aktuellen gesetzlichen Vorschriften.

Dreistufige Reinigung

Die Saba Cham wurde dreistufig konzipiert. Es kommen dabei verschiedene Filtermethoden zum Einsatz, die dem neusten technischen Standard entsprechen. «Es werden bei Regenwetter die ungelösten Stoffe zurückgehalten. Hierzu gehören auch Schwermetalle wie Kupfer und Zink», erklärt Esther Widmer. Das herausgefilterte Material wird als Sondermüll entsorgt. Das geklärte Wasser wird dann in die Lorze eingeleitet. Ausserdem kann die jetzt vorgestellte Filteranlage ganzjährig betrieben und muss nicht auf Sommer- und Winterbetrieb umstellt werden.

Insgesamt läuft Regenwasser aus einer Strassenfläche von 27,1 Hektaren in die Saba Cham. Sie umfasst dabei rund 13,5 Kilometer Autobahn. Hinzu kommt noch eine Strecke von 7,1 Kilometern der Umfahrung Cham-Hünenberg (UCH), die bald gebaut wird. Deshalb beteiligt sich der Kanton Zug auch mit einem Beitrag von rund 2,1 Millionen Franken an den Gesamtkosten der Strassenabwasserreinigungsanlage Cham. Die geplante Kläranlage ist in ihrer vorgesehenen Art eine Pilotanlage. Dabei fliessen Erfahrungen von bereits bestehenden Anlagen in das Projekt ein.

Im Kanton Zug gibt es eine zweite Saba, welche Regenwasser eines Autobahnabschnittes säubert. Sie steht in Rotkreuz und ist seit 2012 in Betrieb. Ihre Baukosten haben 8,5 Millionen Franken betragen. Weitere solche Anlagen, allerdings in einer redimensionierten Form, gibt es unter anderem im Gebiet Talacher und bei der Chamer Alpenblickkreuzung.