Kolumne
Entdeckung unerwarteter Interessen

Tijana Nikolic beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.

Tijana Nikolic
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Tijana Nikolic.

Tijana Nikolic.

Meist erkennt man, wie sehr einem etwas bedeutet, wenn es weg ist. So oder so ähnlich heisst es im Volksmund. Oder in meinem Fall: Wenn ich etwas momentan nicht mehr machen kann. Wer mich kennt, weiss, wie unsportlich ich bin. Man könnte annehmen, dass die momentane Empfehlung, zu Hause zu bleiben, ganz meinen Vorstellungen eines süssen Lebens entspricht. Weit gefehlt! Noch nie sehnte ich mich mehr nach Bewegung und sportlichen Aktivitäten, als in den letzten Tagen.

Dass ich eigentlich überhaupt keine Ahnung habe, was ich genau machen würde, wenn ich könnte, sei hierbei nebensächlich. Also benutze ich momentan öfters die Treppe, biete meinem Freund an, liegen zu bleiben und mich seinen Kaffee am Morgen machen zu lassen, damit ich irgendwas zu tun habe und mich bewege. Ich versuche sogar, die verstaubte Erinnerung, wo denn der nächste Vitaparcours ist, hervorzurufen. Ist das die Strafe einer höheren Macht für meine jahrelange exzessive Bequemlichkeit?

Was mache ich also in meiner Notlage? Natürlich, ich muss grösser denken. Ich überlege mir also, was mir unter normalen Umständen an körperlicher Aktivität nie in den Sinn gekommen wäre. Die Auswahl ist wahrlich gross. Der ÖV soll ja momentan eher gemieden werden. Also nehme ich mir vor, für einmal zu Fuss von meiner Wohnung in Holzhäusern aus nach Zug zur Arbeit zu laufen.

Ich gehe also morgens um 6.30 Uhr aus dem Haus, weil ich meine Geschwindigkeit nicht einschätzen kann. Es geht vorbei am Golfplatz, der Badi Hünenberg und weiter Richtung Zythus. Mit Musik in den Ohren laufe ich einsam durch die Morgendämmerung. Je weiter ich gehe, desto motivierter werde ich. Es geht durch den Villette-Park, vorbei an der Badi Cham bis zur Chollermüli und ohne Halt bis Zug. Mit leicht schmerzender Lunge, einer persönlichen Rekordzeit von einer Stunde und 52 Minuten und innerer Zufriedenheit komme ich bei der Arbeit an. Vielleicht ergibt sich künftig sogar was Gutes aus dieser aussergewöhnlichen Lage für meine Gesundheit.