Zuger Gemeinden spannen bei Kinderbetreuung zusammen

Es gibt eine neue Lösung für die Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Dank einer Leistungsvereinbarung ist im Kanton Zug auch die Finanzierung langfristig gesichert.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
In der Kita Kinderhaus Imago in Baar – hier kurz vor der Eröffnung im Jahr 2015 – werden Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen betreut. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 30. November 2015)

In der Kita Kinderhaus Imago in Baar – hier kurz vor der Eröffnung im Jahr 2015 – werden Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen betreut. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 30. November 2015)

Die Zuger Gemeinden gehen bei der Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen neu gemeinsame Wege. Wie die Konferenz der Sozialvorsteherinnen und Sozialvorsteher (Sovoko) mitteilt, wird das Angebot ab 2020 neu organisiert. Eine entsprechende Leistungsvereinbarung ermöglicht es, betroffene Familien finanziell zu entlasten und ihnen zusätzliche Leistungen im Bereich der vorschulischen Betreuungsangebote (Kindertagesstätten und Spielgruppen) anzubieten.

Thomas Bonati von der Sovoko-Geschäftsstelle kennt die Details. Bereits im Jahr 2010 wurde das Projekt «KiBeBe» (Kinder mit besonderen Bedürfnissen) ins Leben gerufen. Jetzt wird es in einen Regelbetrieb überführt. «Neu wird das Angebot im Auftrag der elf Zuger Gemeinden umgesetzt», erklärt Bonati. Das bedeutet, dass das Projekt auf eine sichere finanzielle Basis gestellt werden kann. «Bisher finanzierte sich das Projekt durch verschiedene Beiträge, beispielsweise aus dem Lotteriefonds, doch der Rahmen war sehr eng», sagt der Fachmann. So mussten beispielsweise Eltern die Mehrkosten einer spezialisierten Kindertagesstätte (Kita) bis anhin selber tragen. Das soll sich ändern.

Jährliche Kosten von 212000 Franken

Neu kommt die Wohnsitzgemeinde des betroffenen Kindes für die Zusatzkosten des speziellen Betreuungssettings auf, wodurch beispielsweise die Kosten für zusätzliches Betreuungspersonal finanziert werden.

«Die intensive Zusammenarbeit hat sich gelohnt», wird Christine Blättler-Müller, Sozialvorsteherin von Cham und Leiterin der Arbeitsgruppe, in der Mitteilung zitiert. «Es freut mich ausserordentlich, dass wir alle Zuger Gemeinden für die gemeinsame Lösung gewinnen konnten.» Die Arbeitsgruppe hat eine Budgetempfehlung an die Gemeinden herausgegeben. Gesamthaft rechnet man mit jährlichen Kosten von 212 000 Franken. «Dieser Betrag ist aber nicht in Stein gemeisselt», sagt Bonati. «Es muss sich erst zeigen, welche Angebote wie stark nachgefragt werden. Viele Bedürfnisse wurden im bisherigen System vielleicht nicht erkannt.»

Ziel der Neuausrichtung ist unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern von Kindern mit einer Behinderung. «Dies auch vor dem Hintergrund des Diskriminierungsverbotes», so Bonati. Zur Erklärung: Wird ein Kind zum Beispiel mit einer Behinderung in einer regulären Kita oder Spielgruppe integriert, kann die Betreuung mit einer zusätzlichen Assistenzperson unterstützt werden. «Im bisherigen System war dies aus Kostengründen nur begrenzt möglich.»

Mit der neuen Lösung könne man die Leistungen zudem auf die jeweilige Situation abstimmen. Je nach Bedürfnis sei dies nun eine Behinderung oder eine Verhaltensauffälligkeit, ist der Betreuungsbedarf unterschiedlich. «Wir können nun individuelle Lösungen bieten», sagt der Sovoko-Geschäftsleiter.

Heilpädagogischer Dienst ist Dreh- und Angelpunkt

Am Vorgehen für Erziehungsberechtigte ändert sich nichts. Ansprechperson für Betroffene ist wie bisher der Heilpädagogische Dienst Zug (HPD), der die Leistungsvereinbarungen mit den elf Gemeinden eingeht. «Der HPD dient als Dreh- und Angelpunkt, tätigt die nötigen Abklärungen und koordiniert das weitere Vorgehen», informiert Bonati.

Bei der Erarbeitung mitgewirkt haben neben den Gemeinden auch Vertretungen der Zuger Kindertagesstätten und Spielgruppen sowie Insieme Cerebral und Pro Infirmis. Thomas Bonati sagt: «Sie alle begrüssen die Neuausrichtung. Die Bereitschaft für eine bessere Integration und Förderung für betroffene Kinder ist auf jeden Fall vorhanden.»