ENTWICKLUNGSHILFE: Die Baarer Hilfe im Kongo trägt viele Früchte

2009 hat Katharina Küng den Verein «Moyo Partnerschaft Baar- Kongo» gegründet. Sechs Jahre später ist sie vor Ort – und begeistert über die Erfolge.

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Nach den Farben Afrikas die Herbstfärbung in der Schweiz: Katharina Küng machte sich im Kongo ein Bild von den OP-Sälen, die die Moyo-Stiftung eingerichtet hat. (Bilder Maria Schmid und Katharina Küng)

Nach den Farben Afrikas die Herbstfärbung in der Schweiz: Katharina Küng machte sich im Kongo ein Bild von den OP-Sälen, die die Moyo-Stiftung eingerichtet hat. (Bilder Maria Schmid und Katharina Küng)

«Oh, mein Gott, ich habe hier ja fliessend Wasser und Strom! Wie leicht alles plötzlich wieder geht!» Das dachte sich die Baarer Katechetin Katharina Küng Mitte Oktober, als sie von ihrer dreiwöchigen Reise in die Demokratische Republik Kongo zurückkehrte. Dort hatte sie unter anderem Joseph Kalamba besucht, der zwölf Jahre lang Pfarrer in Baar war und die Menschen hier für sein Land und seine Kooperative Bidiep-Bidiep (Schritt für Schritt) begeisterte. So sehr, dass die Baarer zuerst eine In­teressengemeinschaft bildeten und dann ein dreijähriges Pfarreiprojekt verwirklichten, mit dem sie Kalambas Kooperative unterstützten. Und zu guter Letzt einen Verein gründeten, den Katharina Küng im Herbst 2009 innert dreier Monate auf die Beine stellte: den Verein «Moyo Partnerschaft Baar-Kongo».

Fünf Gesundheitsstationen gebaut

Während 20 Jahren hat Joseph Kalamba mit seiner Kooperative Bidiep-Bidiep 140 Schulen in seiner Heimatregion Kasai Occidental – rund 1000 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kinshasa gelegen – aufgebaut. Der Verein Moyo wiederum widmet sich in der gleichen Region speziell dem Aufbau einer funktionierenden Gesundheitsversorgung – in einem Gebiet nota bene ohne «Wasserhahn und Steckdose», wie Katharina Küng anschaulich erklärt.

Fünf Gesundheitsstationen gibt es inzwischen im Umkreis von 250 Kilometern um Joseph Kalambas Wohnort Kamutanga. Sie dienen als wichtige Geburtsstationen für die Frauen, aber auch der Gesundheitsversorgung aller: Es wird geimpft, ambulant behandelt – und in zwei Stationen sogar operiert. Die Eingriffe führt ein einheimischer Arzt durch, Doktor Samuel, so nennt man ihn. «Er hat in Kinshasa studiert und sich für einen sehr geringen Lohn bereit erklärt, in die Dörfer zu gehen und im Busch zu operieren», erzählt Katharina Küng. Die 52-Jährige, die ihren Geburtstag gerade im Kongo gefeiert hat, umgeben von Herzlichkeit, Musik und Tanz, betont: «Die Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert – ohne dass ein Weisser vor Ort ist.» Die Baarerin kehrte begeistert von ihrer Reise zurück, bei der sie Spitäler, Schulen, Wasserstellen und die Menschen in den Dörfern besuchte: «Alle haben einen Riesensprung gemacht, und die Gelder von uns fliessen zu 100 Prozent in die Projekte.»

Katharina Küng zählt auf, was sich in den letzten sechs Jahren alles getan hat: «Es wurden zwei Brunnen in Kamutanga gebaut, ein Wasserturm zudem. Die Frauen haben gelernt, ihre Gärten einzuzäunen, damit die frei laufenden Geissen, Schweine und Kühe nicht mehr die Ernte wegfressen. Die Studenten der Uni für Landwirtschaft, die Joseph Kalamba aufgebaut hat, bewirtschaften Pflanzplätze für alle. Auch haben wir auf zwei Gesundheitsstationen Fotovoltaikanlagen installiert – weitere werden folgen.» Und darüber ist die 52-Jährige glücklich: «Unser Verein hat erreicht, die Mutter-/Kind-Sterblichkeit zu verringern. Die Uni Kamutanga, die Lehrer und Landwirte ausbildet, hat inzwischen einen überregional guten Ruf – Studenten kommen von weither.»

Die Baarerin hat selbst im Bereich der Emanzipation etwas erreicht: «Jetzt spielen auch die Frauen Fussball», sagt sie und lacht. Auf Küngs Initiative hin baut man ausserdem «Moringa» an – eine besonders nährstoffreiche Pflanze.

Noch viele Pläne für die Zukunft

Und die Zukunft? «Es ist noch viel zu tun», erklärt Katharina Küng. «Ein neuer OP-Saal ist zu bauen, es fehlen Sterilisatoren – das OP-Besteck beispielsweise wird mühsam ausgekocht. Fliessendes Wasser fehlt und auch eine Antenne für die Uni, um ins Internet zu kommen. Joseph Kalamba plant eine Strasse mit Mangobäumen.» Die Baarerin hat viel Herzblut übrig: «Kennt man die Menschen, dann möchte man helfen. Man kann nicht wegschauen.»

Susanne Holz

Hinweis

Katharina Küng wird zu ihrem Aufenthalt in der Demokratischen Republik Kongo eine Präsentation in Baar veranstalten (Datum im Pfarreiblatt). Ausserdem wird im August 2016 die dritte «Aktion Zug für Afrika» im Schloss St. Andreas in Cham stattfinden. Für die «Moyo Partnerschaft Baar-Kongo» kann man auf folgendes Konto bei der ZKB spenden: PK 80-192-9, IBAN CH94 0078 7007 7130 5060 0.