Er beherrscht das Rollenspiel

Der neue Steivater Don Pedro I. hat das Zepter übernommen. Das Tragen von speziellen Gewändern ist Peter Bisig ­gewohnt.

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Der neue Steinhauser Steivater Don Pedro I. (links) zeigt seinem Fasnachtsvolk freudig die Insignien der Macht. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Der neue Steinhauser Steivater Don Pedro I. (links) zeigt seinem Fasnachtsvolk freudig die Insignien der Macht. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

«Das chunt eus spanisch vor...» klang es fast ununterbrochen aus den Lautsprechern, als am vergangenen Samstagabend der Steivater der Fasnacht 2011, Bruno I., sein Amt niederlegte. Bruno Beck wird ersetzt durch Don Pedro I., der mit bürgerlichen Namen Peter Bisig heisst. Die Herkunft seines Fasnachtnamens ist bei ihm Programm. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass in der Aula Feldheim in Steinhausen häufig Klänge von der Iberischen Halbinsel gespielt wurden.

Farbenfrohe Verkleidungen und spanische Deko-Akzente überboten sich dabei gegenseitig; da sassen die Teufel neben einem Wikinger, am anderen Tischende stiess Napoleon mit einer menschlichen Discokugel an, und eine Spanierin im aufwendigen Gewand lachte mit einem Leopard.

Der Wechsel in die Ehrengarde

Kurz nach acht Uhr abends war es dann schliesslich so weit, der letztjährige Steivater Bruno I. musste seinen Titel abgeben. Zusammen mit einer Schar von Teufelinnen und Teufeln stürmte er in feuriger Aufruhr die Bühne und gab anschliessend unter feierlichen Gesten Umhang, Hut, Zepter, Kette und auch den goldenen Stein, das Wahrzeichen der Steiväter, ab. Bruno I. wurde ein neuer Mantel überreicht. Er wird von den Mitgliedern der Ehrengarde getragen, zu der nun Bruno Beck als gewesener Steivater auch gehört.

«Ich fühle mich, als würde man mir einen Award überreichen», scherzte Bruno I. und fügte an: «Es war eine tolle Zeit, ich wünsche meinem Nachfolger nur das Beste. Es ist nicht schwer, Steivater zu sein, man muss es einfach nur leben!» Der Saal jubelte, schrie und applaudierte, als Bruno I. schliesslich mit seinem Hofstaat die Bühne verliess. Andreas Trüssel, Vizepräsident der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen, lobte die allgemeine Stimmung: «Das war eine teuflisch gute Fasnacht mit Bruno.» Dem alten Steivater nachzutrauern, dafür blieb jedoch kaum Zeit, denn schon Minuten später tanzte eine Schar Spanierinnen und Spanier durch den Saal, Olé-Rufe ertönten an allen Enden, und sogar Spanische Nüsschen flogen durch die Luft.

Ein wilder Start der Regentschaft

In deren Mitte tanzte Don Pedro, welcher die Ehre hat, als Steivater die Fasnacht 2012 zur Fasnacht «española» zu erküren. Roland Lacher, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen, überreichte Don Pedro der Reihe nach alle Attribute eines Steivaters. Don Pedro, welcher in Steinhausen bereits durch seine jahrelange Rolle als Samichlaus viel Popularität gewonnen hat, bedankte sich vor allem bei seinem Hofstaat, aber auch bei der Kleinformation Guggalla, mit der zusammen er in diesem Jahr noch viele fasnächtliche Anlässe beehren wird. «Ich freue mich auf eine Super-Zeit, nicht nur mit meinen Leuten, sondern mit ganz Steinhausen», verkündete Don Pedro.

Ein unerwarteter Wunsch

Wie es sich gehört, waren nun die Zünfte mit ihren Huldigungen an Don Pedro an der Reihe. Dieser, ganz der Entertainer, geriet nur dann ein wenig in Verlegenheit, als der Präsident der Zunft Lebuz ihn aufforderte, doch bitte einen Samichlaus-Vers aufzusagen.

Ein Highlight des Abends war der Auftritt zweier Tänzerinnen, die für den neuen Steivater einen Tango und einen Flamenco zum Besten gaben. Die Menge tobte, und der Lärmpegel stieg nur noch einmal an, als Don Pedro persönlich in die Tänze mit einstieg und zu aller Überraschung wie ein richtiger Spanier die Hüften kreisen lies.

Die Guggenmusik Guggalla spielte, Polonaisen wurden gebildet, und Don Pedro tanze unermüdlich durch die ganze Nacht. Spanisch kam das grandiose Spektakel an diesem Abend wohl keinem vor.

Natalia Widla