Er führt die Zuger Sinfonietta in die Zukunft

«Musik spricht ganz andere Ebenen an als Politik», sagt Matthias Michel. Der frisch gebackene FDP-Ständerat ist auch neuer Präsident der Zuger Sinfonietta. In diesem Amt haben seine persönlichen Interessen und Vorlieben viel Platz.

Andreas Faessler
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Matthias Michel vor der Musikschule Zug, ein Ort der in seinem Leben immer wieder eine wichtige Rolle gespielt hat – und immer noch spielt.

Matthias Michel vor der Musikschule Zug, ein Ort der in seinem Leben immer wieder eine wichtige Rolle gespielt hat – und immer noch spielt.

Bild: Patrick Hürlimann (20. Dezember 2019)

Was ein gutes Orchester braucht, sind – selbstredend – talentierte Musiker und vor allem auch eine versierte musikalische Leitung, sprich einen Dirigenten oder eine Dirigentin. Dennoch reicht dies allein nicht aus, um auf einem Kulturplatz bestehen zu können: Es geht nicht ohne ein weitsichtiges, innovatives Management mit Visionen.

Die Zuger Sinfonietta hat all das. Und in letzterem Punkt hat das namhafte Orchester unlängst einen Wechsel erfahren: Per Beginn der Konzertsaison 2019/20 hat der Präsident des Vereins Zuger Sinfonietta, Hans Abicht, sein Amt nach sechs Jahren abgegeben an Matthias Michel. Für den frisch gebackenen Zuger FDP-Ständerat hat das aktuelle Jahr demnach nicht nur politisch bedeutende Änderungen gebracht, sondern auch kulturell.

Seit der Kindheit von Musik begleitet

Mit der Wahl von Michel erhofft sich die Sinfonietta weiterhin eine starke Verankerung sowohl in der Bevölkerung als auch in der Region. «Und wir erhoffen uns auch einen Ausbau unseres Netzwerkes in Wirtschaft und Gesellschaft», wie Intendant Simon Müller betont. Ein Blick in Matthias Michels Biografie verspricht denn auch, dass diese Erwartungen erfüllt werden dürften. Der 56-Jährige selbst hat seit seiner Kindheit eine ausgeprägte Affinität zu Kunst und Kultur, insbesondere zu Musik, stammt er doch aus einer Lehrerfamilie, wo das Spielen eines Instrumentes fast schon eine Selbstverständlichkeit bedeutete. Michel:

«Bereits früh war es aus innerer Motivation mein Ziel, irgendwann selber Musik zu machen, am liebsten in einem Ensemble.»

Deshalb nahm er als Jugendlicher neben Klavierstunden auch noch Querflötenunterricht, war von 1981 bis 1983 Vorstandsmitglied und Obmann der Kadettenmusik der Stadt Zug und gründete 1984 nach Abschluss der Musikschule mit Freunden die Camerata Zug, die noch bis in die 1990er-Jahre existierte. Matthias Michel lässt sich unter anderem gerne von gepflegtem Pianojazz hinreissen und hat als fleissiger Konzertgänger auch eine ausgeprägte Vorliebe für Klassik. Für ihn bedeutet die Musik auch einen Ausgleich zur Politik. «Ersteres spricht ganz andere Ebenen an», sagt Michel. «Es ist eine völlig andere Welt und ein anderes Zusammenspiel als in der Politik. Nur fehlt es halt oft an der Zeit für Musse», sagt der Vielbeschäftigte. «Doch diese braucht es.»

Schöpfen aus dem Erfahrungsschatz

Was die 1998 gegründete Zuger Sinfonietta angeht, so hat Matthias Michel Entstehen und Werden des Orchesters aufmerksam mitverfolgt und zeigte entsprechend grosse Bereitschaft, Hans Abichts Amt auf Anfrage des Orchesters zu übernehmen. In seiner neuen Funktion als Präsident des Vereins Zuger Sinfonietta kann Matthias Michel auf seine Erfahrungen und Fertigkeiten ausserhalb der kulturellen Sparte zurückgreifen, sprich auf seine Geschicklichkeit in Wirtschaft, Organisation, Planung und natürlich auch Vernetzung. «Diese Aspekte kann ich jetzt im neuen Amt mit persönlichen Interessen und Vorlieben verbinden.» Für Matthias Michel also auch eine Herzenssache.

Sein Anspruch an sich selbst und das Orchester klingt denn auch nicht weit hergeholt: Der hohe Standard der Sinfonietta soll natürlich erhalten, respektive weiterentwickelt werden. «Das ist substanziell, damit sich die Sinfonietta zwischen den Kulturmetropolen Zürich und Luzern als professioneller Klangkörper noch stärker profilieren kann», so Michel.

Kulturvermittlung als Gemeinschaftserlebnis

Beim Blick in die Zukunft des Orchesters kommt Matthias Michel auf den pädagogischen Aspekt zu sprechen, mit welchem er die Sinfonietta verbindet, vor allem was die Kulturvermittlung angeht. «Ich denke in erster Linie an eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen im Kanton, um den Nachwuchs für die Musik zu sensibilisieren, das Kulturgut zu pflegen und es weiterzugeben.» So ist im März 2020 bereits ein Projekt mit den Schulen Rotkreuz aufgegleist. Dieses werde dann im Mai mit einem Familienkonzert abgeschlossen, wie Matthias Michel verrät. «Man darf hier grundsätzlich auch von einem Ausgleich zur zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft reden. Mit dieser Zusammenarbeit möchten wir eine analoge Verbindlichkeit schaffen, ein Gemeinschaftserlebnis. So etwas hat vor allem in der heutigen Zeit einen grossen Wert.»

Auch bestehende Partnerschaften mit anderen Klangkörpern und Kultureinrichtungen zu pflegen und auszubauen, gehört zu den erklärten Zielen der Sinfonietta, die Matthias Michel in seinem neuen Amt wie schon sein Vorgänger anstrebt.

Steigende Besucherzahlen

Was der neue Präsident schnell festgestellt hat, ist die ausgeprägte Nähe des Managements zu den Musikern. «Da herrscht ein sehr gutes Verhältnis. Das ist essenziell», so Michel. Das rühre nicht zuletzt daher, dass im Vorstand auch aktive Musikerinnen und Musiker aus dem Orchester mitwirken.

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die Zuger Sinfonietta auf einem sehr guten Weg ist. Die Besucherzahlen der letzten Abokonzerte im Lorzensaal in Cham haben sich nach oben entwickelt. «Ich glaube, die Einführung des sogenannten ‹Chamer Klassikabos› vor knapp drei Jahren ist gerade zum richtigen Zeitpunkt erfolgt», so Matthias Michel. «Der Ennetsee ist generell im Wachsen begriffen, da kam ein zusätzliches, fixes Kulturangebot wie unseres an einem festen Standort nur zu recht.» Ausgehend von Cham als «Heimspielstätte» will das Orchester künftig seine Arme vermehrt in die Zuger Gemeinden ausstrecken. «Die Leute sollen nicht immer zu uns kommen müssen, sondern wir gehen auch zu ihnen hin», sagt Matthias Michel und unterstreicht damit nochmal die Idee eines volksnahen, in der Region fest verankerten Profiorchesters.