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Er hatte das «Lächeln Gottes»

Er war Hoffnungsträger der Gläubigen, doch dauerte sein Pontifikat nur 33 Tage, und die Umstände seines Ablebens bleiben ungeklärt. Heute jährt sich der Todestag von Papst Johannes Paul I. zum 40. Mal.
Andreas Faessler
Sass nur 33 Tage auf dem Papstthron: Johannes Paul I. (1912–1978). (Bild: Keystone Rom, 1978)

Sass nur 33 Tage auf dem Papstthron: Johannes Paul I. (1912–1978). (Bild: Keystone Rom, 1978)

«È morto il Papa Giovanni Paolo primo.» Die Meldung des italienischen Staatsfernsehens an jenem Morgen des 29. Septembers 1978 erschütterte die Welt. Das katholische Kirchenoberhaupt war in der vergangenen Nacht zirka um 23 Uhr unerwartet verstorben, im Alter von ­gerade mal 65 Jahren. Eine Ordensschwester hatte am frühen Morgen den leblosen Pontifex in seinem Bett sitzend angetroffen, noch die Lektüre haltend. Viele trauten ihren Ohren nicht, war doch kaum ein Monat vergangen, seit das Ableben des Vorgängerpapstes Paul VI. vermeldet worden war. Gerade mal 33 Tage hatte das Pontifikat von Johannes Paul I. gedauert.

Kaum war die weltumspannende Schockwelle etwas abgeebbt, entstanden die ersten Spekulationen, dass der Heilige Vater ermordet worden war. Mehrere Aspekte spielten den immer zahlreicher werdenden Verschwörungstheoretikern zu, so dass sie ihre Vermutungen untermauert sahen. Allem voran war es der für viele Menschen zu Recht befremdliche Umstand, dass weder die Familie von Johannes Paul I. noch der in dieser Angelegenheit von Anfang an sehr verschwiegene Vatikan einer Obduktion der Leiche zustimmten. Auch war die Berichterstattung aus dem Herzen der katholischen Kirche widersprüchlich und von allerlei Ungereimtheiten durchzogen. An der Sache musste doch etwas faul sein. Ein «simples» Herzversagen als Todesursache war einfach zu unglaubwürdig – obschon seit langem bekannt gewesen war, dass der Kirchenmann ein Herzleiden hatte.

Wirksame Zeichen gesetzt

Weiter waren das Wesen des Papstes sowie die grossen Erwartungen der Gläubigen an ihn Gründe, dass viele an ein Mordkomplott glaubten – er war sehr liberal, vielleicht zu liberal und somit eine Gefahr für die Kirche? Albino Luciani, wie Johannes Paul I. mit bürgerlichem Namen hiess, galt als Hoffnungsträger für die Menschen, die von Anfang an viel Sympathie für den freundlich und nahbar wirkenden Mann empfanden. Ähnlich wie Franziskus setzte Johannes Paul I. kleine, aber wirksame Zeichen, indem er in manchen Punkten mit der als stur empfundenen Kirchentradition brach, Bescheidenheit vorlebte und so eine Nähe zum Volk vermittelte. Der neue Papst mit dem «sorriso di Dio», dem Lächeln Gottes, liess die Menschen von Anfang an auf positive Reformen und Veränderungen in der Kirche hoffen. Man möchte sagen, ­Johannes Paul I. lebte vor, was Franziskus heute weiterträgt.

Die Mafia, Freimaurer und Ausserirdische

Der britische Autor David Yallop publizierte in den 1980er-Jahren ein aufsehenerregendes Buch, in welchem er darlegen zu können glaubte, der Pontifex sei vergiftet worden, weil er angeblich kriminelle Verstrickungen in der Vatikanbank offen- und stilllegen sowie einflussreiche Kardinäle ihrer Ämter entheben wollte. In anderen Kreisen gediehen Theorien, welche die Freimaurer und die Mafia oder absurderweise gar Ausserirdische mit ins Spiel brachten.

Verschwörungsvermutungen und der Glaube an einen natürlichen Tod Johannes Pauls I. halten sich in etwa die Waage. 2017 wurden bislang geheim gehaltene Protokolle veröffentlicht, aus welchen hervorgeht, dass der Pontifex offenbar am Abend seines Todestages über Schmerzen im Brustbereich geklagt, es aber verweigert habe, einen Arzt herbeizuziehen. Dies stützt die bis heute offiziell geltende Version, dass Johannes Paul I. an einem Herzversagen und demzufolge eines natürlichen Todes gestorben ist. Dennoch bleiben die genauen Umstände nach wie vor nicht zuverlässig geklärt.

Auf dem Weg zur Beatifikation

Für den «Papst des Lächelns» läuft seit 2003 der Seligsprechungsprozess. Im November 2017 wurde ihm von Franziskus der Titel des «Ehrwürdigen Diener Gottes» zuerkannt, ein bedeutsamer Schritt für die künf­tige Seligsprechung.

Nachtwache für Papst Johannes Paul I.

Anlässlich des 20. Todestages von Papst Johannes Paul I. im Jahre 1998 rief der frühere Schweizer Romkorrespondent und Vatikanberichterstatter Victor Willi (Autor von «Im Namen des Teufels») zu einer Nachtwache für den verstorbenen Papst auf. Auch zum 40. Todestag möchte Victor Willi die Menschen ermutigen, in der Nacht vom 28. auf den 29. September zwischen 21 und 5 Uhr eine stille Wache zu halten.

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