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Der Fahrlehrer Bruno Meier musste keine einzige Stunde absagen

40 Jahre lang war Bruno Meier als aktiver Fahrlehrer im Kanton Zug tätig. Jetzt tritt er kürzer. Damit er nicht auf die Idee kommt, doch noch weiterzumachen, hat er sein Auto und den Töff sofort verkauft.
Rahel Hug
Bruno Meier selber hat im Alter von 18 Jahren sofort die Autoprüfung absolviert. (Bild: Maria Schmid (Zug, 2. November 2018))

Bruno Meier selber hat im Alter von 18 Jahren sofort die Autoprüfung absolviert. (Bild: Maria Schmid (Zug, 2. November 2018))

Wer über 2000 Schülern das Autofahren und etwa 3500 das Töfffahren beigebracht hat, weiss viel zu erzählen. Immer wieder fallen Bruno Meier während des Gesprächs neue Anekdoten ein. Er erzählt etwa von einer tamilischen Frau, die ihm ein Mittagessen mitbrachte, nachdem sie erfahren hatte, dass man als Fahrlehrer nicht immer um 12 Uhr eine Pause machen kann. Oder von der Schülerin, die beim Vorwärtslenken nicht gewusst hat, ob sie nun nach rechts oder links drehen muss. «Das war ein schwieriger Fall. Sie hat die Prüfung nicht absolviert», erinnert sich Bruno Meier. Auch die Töfffahrten mit seinen Schülern hat er in lebhafter Erinnerung: «Da ist man draussen bei jedem Wetter. Ungefähr drei bis vier Mal pro Jahr bin ich mit einem Schüler jeweils am Boden gelandet.» Diese Unfälle seien aber nicht schlimm: «Wir tragen ja immer die nötige Ausrüstung. Das gehört dazu.»

Bruno Meier war 40 Jahre lang als aktiver Fahrlehrer im Kanton Zug tätig. Jetzt tritt der gebürtige Walchwiler kürzer: Mit den Auto-Fahrstunden hat der bald 65-Jährige bereits vor zwei Jahren aufgehört, seinen letzten Motorrad-Grundkurs hat er am 27. Oktober geleitet.

Schon in jungen Jahren habe ihn das Autofahren fasziniert, blickt Meier zurück. «Als Bub habe ich bei einem Bauer gearbeitet und durfte jeweils seinen Jeep und seinen Schilter-Transporter fahren. Das hat mir sehr gefallen.» Als junger Mann in Walchwil bedeutete das eigene Auto für ihn Freiheit und Unabhängigkeit. Um sich einen eigenen VW-Käfer zu kaufen, hat sich Meier als Tankwart seine Sporen abverdient. «Mit 18 Jahren habe ich sofort die Autoprüfung gemacht, nach nur zwei Monaten Unterricht. Wir wollten natürlich mit dem Auto in den Ausgang gehen», erzählt er und lacht.

1979 kostete eine Fahrstunde noch 40 Franken

Dass er selber einmal als Fahrlehrer anderen sein Wissen weitergeben würde, hätte sich Bruno Meier damals noch nicht vorstellen können. Er absolvierte zunächst eine Lehre beim Industrieunternehmen Landis & Gyr. Erst einige Jahre später kam ihm die Idee, die Ausbildung zum Fahrlehrer zu absolvieren. 1978 war es so weit: Er schloss die Prüfung erfolgreich ab und gab kurz darauf seine erste Lektion. «Ich war sehr nervös, weil ein Instruktor dabei war. Am Schluss haben meine Beine geschmerzt, da ich die ganze Zeit den Fuss angespannt auf der Bremse hatte.» Vor 35 Jahren liess sich Meier schliesslich zum Motorrad-Lehrer ausbilden. Später folgte die Ausbildung zum Instruktor des Schweizerischen Verkehrssicherheitsrates. In dieser Funktion kann er beispielsweise Fahrer des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) weiterbilden. «Das war eine spannende Herausforderung für mich, denn da geht es um mehr als nur Basics.»

In all den Jahren hat Meier viele Veränderungen miterlebt. Eine Auto-Fahrstunde kostete im Jahr 1979 noch 40 Franken. «Für damalige Verhältnisse war das bereits ziemlich teuer.» Heute liegt der Preis bei 102 Franken. Früher hätten die Fahrschüler die erste Lektion bereits mit grossen Vorkenntnissen angetreten. «Es kam oft vor, dass Schüler nur gerade mal fünf bis zehn Stunden absolvieren mussten, bis sie prüfungsreif waren.» Und natürlich der Verkehr. Dieser habe im Laufe der Jahre auf den Zuger Strassen «enorm» zugenommen. Auch die Entwicklungen in der Technik erwähnt Meier. Diese würden vieles einfacher machen – beispielsweise das Anfahren am Berg.

Bruno Meier blickt zufrieden auf seine Karriere zurück. «Ich hatte es stets gut mit meinen Schülern, und die Work-Life-Balance hat gestimmt.» Er habe nicht einmal wegen Krankheit eine Stunde absagen müssen. Auf die Frage, welche Eigenschaften denn ein guter Fahrlehrer mitbringen müsse, sagt Meier: «Man muss eine pädagogische Ader haben. Stets das Ziel vor Augen sehen und geduldig sein. Ausserdem muss man das Auto als Werkzeug sehen, das man auch brauchen soll.»

Spezialkurse wird er weiterhin leiten

Eigentlich wollte es Bruno Meier schon mit 60 Jahren etwas ruhiger angehen, ist aber bis jetzt «hängen geblieben». Auch im nächsten Jahr wird er das Team der Verkehrsschule Zug (zu dem übrigens auch sein Sohn Sven Meier gehört) noch unterstützen – als Leiter von Spezialkursen und Moderator von Wab-Kursen. Nach seiner letzten Autofahrstunde vor zwei Jahren habe er seinen geschalteten Audi sofort verkauft. Das Gleiche gilt für das Motorrad, mit dem er bis vor kurzem unterrichtet hat. «Damit ich nicht auf die Idee komme, doch noch weiterzumachen», sagt Meier und schmunzelt. Er gibt zu, dass es ihn im kommenden Frühling bestimmt etwas jucken werde, «wenn die Töff-Saison anbricht».

Trotzdem fühle sich der Entscheid, nun nicht mehr aktiv zu unterrichten, richtig an. Bruno Meier, der inzwischen mit seiner Frau im Luzernischen Ermensee wohnt, hat nun mehr Zeit für sein Enkelkind und seine Hobbys – Reisen, Jassen und Kochen. Und auch auf den Strassen wird Meier weiter anzutreffen sein. Doch wenn er privat mit jemand anderem im Auto mitfährt, sitzt er lieber in der hinteren Reihe, bekennt er. «Vorne bin ich automatisch wieder am Arbeiten.»

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