Nach Anzeige gegen seinen Arbeitgeber wurde der Zuger Heilmittelinspektor freigestellt: «Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen»

Neues Kapitel im Streit des Kontrolleurs mit der Kantonalen Gesundheitsdirektion: Nachdem der Heilmittelinspektor Strafanzeige gegen seinen eigenen Arbeitgeber eingereicht hatte, wurde er nun freigestellt.

Rahel Hug
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Plötzlich ging alles schnell: Nachdem der Zuger Heilmittelinspektor Ludek Cap in einer Arztpraxis diverse Mängel festgestellt hatte, wurde ihm der Zugang zum Diensthandy und seiner dienstlichen E-Mail-Adresse gesperrt. Jetzt ist Cap freigestellt worden. Er behauptet, sein eigener Arbeitgeber – die Gesundheitsdirektion – habe ihn an der Inspektion der besagten Praxis hindern wollen.

Der Zuger Heilmittelinspektor Ludek Cap.

Der Zuger Heilmittelinspektor Ludek Cap.

Bild: PD

Der langjährige Kontrolleur (Cap war seit 2007 im Amt) hat deshalb Strafanzeige gegen Kantonsarzt Rudolf Hauri, Gesundheitsdirektor Martin Pfister sowie den betroffenen Arzt eingereicht. Eine weitere Strafanzeige richtet sich gegen den Arzt allein, darin wirft Cap ihm Verstösse gegen das Heilmittel-, Betäubungsmittel- und Gesundheitsgesetz vor. Er beurteilt die Zustände in der Praxis als «kritisch und gesundheitsgefährdend», wie wir berichteten.

Wollen der Gesundheitsdirektor und der Kantonsarzt den fraglichen Arzt schützen?

Nun also die Freistellung. Diese wurde von der Direktion des Innern verfügt – weil Hauri als Caps direkter Vorgesetzter und Pfister in der Sache befangen sind. Wegen «seines Verhaltens im Zusammenhang mit der von ihm für den 30.7.2020 geplanten Inspektion» und wegen der Strafanzeige könne die «für die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses wesentliche Vertrauensgrundlage» als «zerrüttet» betrachtet werden, heisst es im Schreiben, das der «Zuger Zeitung» vorliegt.

Für Cap steht fest: «Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.» Er werde gegen seine Freistellung Massnahmen ergreifen, kündigt der ausgebildete Apotheker, der auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblickt, an. Er hatte gegenüber unserer Zeitung betont, dass es ihm stets um die Sache gegangen sei und er kein persönliches Problem mit dem betroffenen Arzt habe. «Ich möchte meine Aufgabe korrekt ausüben und sehe es als meine Pflicht an, genau hinzuschauen», so Cap. Er vermutet, dass Pfister und Hauri den Arzt schützen wollten, weil sie mit ihm befreundet seien.

Heilmittelinspektor kontrollierte nicht nur Zuger Ärzte

Die Freistellung von Ludek Cap ist noch aus einem anderen Grund brisant. Cap führte im Auftrag der Regionalen Fachstelle für die Ost- und Zentralschweiz der Zürcher Heilmittelkontrolle die Inspektionen der Grosshandelsbetriebe durch. Konkret bei Firmen wie zum Beispiel Novartis, Sandoz, Astra-Zeneca oder Biogen, von denen viele im Kanton Zug beheimatet sind. Zu diesem Auftrag besteht eine interkantonale Vereinbarung zwischen den Kantonen Zug und Zürich. «Für die Erteilung und die Aufrechterhaltung ihrer Swissmedic-Betriebsbewilligungen sind die Firmen auf die Durchführung meiner Inspektionen und Weiterleitung der Anträge an Swissmedic angewiesen», so Ludek Cap.

Wenn er die aktuell vereinbarten Inspektionen nicht durchführen könne, erhielten die Firmen ihre beantragten Bewilligungen nicht oder bestehende Bewilligungen seien gefährdet. «Das würde bedeuten, dass die Firmen Arzneimittel nicht importieren, nicht exportieren und nicht mit ihnen im Ausland handeln können.»

Cap kann nun schriftlich Stellung nehmen

Zum laufenden Verfahren äussert man sich bei der Zuger Gesundheitsdirektion nicht. Aurel Köpfli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für Kommunikation, erklärt, die Gesundheitsdirektion habe «umgehend dafür gesorgt, dass die angesprochenen Inspektionen in Grosshandelsfirmen korrekt und termingerecht durchgeführt werden». Die Kontrollen würden vorübergehend von der Heilmittelkontrolle des Kantons Zürich durchgeführt. «Damit ist sichergestellt, dass die Grosshandelsfirmen im Kanton Zug keinerlei Probleme mit den notwendigen Bewilligungen bekommen.»

Die Kantonsbehörden seien stets auf Ausfälle von Schlüsselpersonen vorbereitet. Wie geht es nun weiter? Ludek Cap kann schriftlich Stellung nehmen im personalrechtlichen Verfahren gegen ihn. Seine zwei Strafanzeigen liegen aktuell bei der Zuger Staatsanwaltschaft. Er kündigt an, «weiter für das Wohl der Zuger Bevölkerung, die Wahrheit und die Gerechtigkeit zu kämpfen».