Der Alt Nationalrat Bruno Pezzatti stand für gesunde Staatsfinanzen

Alt Nationalrat Bruno Pezzatti zog sich per Dezember 2019 aus der Politik zurück. Nun will er reisen und sich Familie und Hobbys widmen.

Cornelia Bisch
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Alt Nationalrat Bruno Pezzatti hat den Bau des Hochhauses für den Schweizer Obstverband in Zug (im Hintergrund) von Anfang bis Ende begleitet. Es sei das erste Minergie-Hochhaus in Zug gewesen, betont er.

Alt Nationalrat Bruno Pezzatti hat den Bau des Hochhauses für den Schweizer Obstverband in Zug (im Hintergrund) von Anfang bis Ende begleitet. Es sei das erste Minergie-Hochhaus in Zug gewesen, betont er.

Bild: Matthias Jurt (12.Dezember 2019)

Im Jahr 2011 wurde Bruno Pezzatti (FDP) aus Edlibach in den Nationalrat gewählt. Er amtete für zwei Legislaturen in Bern und trat danach nicht mehr zur Wahl an. Der 68-Jährige zieht eine positive Bilanz.

Herr Pezzatti, warum haben Sie nicht mehr kandidiert?

Bruno Pezzatti: Ich bin relativ spät politisch aktiv geworden. Als ich in den Nationalrat gewählt wurde, war ich bereits 59 Jahre alt. Damals habe ich mit meiner Familie abgemacht, dass ich maximal für zwei Legislaturperioden in Bern bleiben und mich danach von der Politik zurückziehen werde.

War es hart für Sie, dieses Versprechen einzuhalten?

Nein, es ist absolut stimmig für mich, denn es lief ja alles wie geplant. Ich hatte eine sehr intensive Zeit im Nationalrat. Nun freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt.

In welchen Bereichen haben Sie sich hauptsächlich engagiert?

Ich war Mitglied in der Finanzkommission und in der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Dort konnte ich mich bei Themen einbringen, die mich besonders interessieren wie die Sozialversicherungen mit der AHV/IV, der beruflichen Vorsorge, Arbeitslosenversicherung, Erwerbsersatzversicherung sowie der Krankenversicherung. Sie alle sind mir wichtig, vor allem die Altersvorsorge. Diese ist für Jung und Alt ein ganz bedeutender Lebensbereich. Auf diesem Gebiet habe ich schon durch meine Arbeitstätigkeit beim Schweizer Obstverband viel Erfahrung und Know-How sammeln können.

Wofür haben Sie sich in der Finanzkommission besonders eingesetzt?

Für gesunde Staatsfinanzen und einen möglichst ausgeglichenen Staatshaushalt. Es war mir immer wichtig, dass die Schuldenbremse konsequent eingehalten und nicht – wie von bestimmten Kreisen gefordert – gelockert wird. Heute ist die finanzielle Situation des Bundes gut. Wir konnten die Verschuldungsquote weiter reduzieren. Die Schweiz steht auch im europäischen Vergleich sehr gut da.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht die Kommissionsarbeit besonders aus?

Ich war ein sehr aktives Kommissionsmitglied. Wenn ein Politiker eine gefestigte eigene Meinung hat, kann er in der Kommissionsarbeit wirklich Einfluss nehmen und etwas bewirken. Das ist nicht unbedingt medienwirksam, aber effektiv. Im Ratsplenum sind die Meinungen zu 95 Prozent bereits gemacht. Mehrheitsanträge der vorberatenden Kommissionen gehen in der Regel durch. Die eigentliche Politik wird in den Kommissionen gemacht, nicht im Nationalratssaal.

Können Sie persönliche Erfolge nennen?

Indirekte Erfolge ja: Die erwähnte Reduktion der Schuldenquote ist für mich ein Erfolgserlebnis. Sie liegt heute unter 30 Prozent im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Auf dieses Ergebnis hatte die Finanzkommission grossen Einfluss. Bei der Altersvorsorge konnte das Schweizer Stimmvolk im Jahr 2017 die überladene Revisionsvorlage des Bundesrates zur AHV und beruflichen Vorsorge in der Referendumsabstimmung glücklicherweise verhindern. Ich habe mich im damaligen Nein-Komitee für eine bessere und gerechtere Lösung persönlich stark engagiert.

Und Misserfolge?

Die Energiestrategie von 2018. Ich lehnte sie im Rat ab. Sie enthält meiner Ansicht nach zu viele Verbote, unnötige Regulierungen und Bevormundungen. Die Freiheit, bestimmte Technologien, welche nicht dem Mainstream entsprechen, weiter zu entwickeln und zu verbessern, ist in Zukunft leider verboten.

Welches Fazit ziehen Sie nach Ihrer achtjährigen Tätigkeit als Nationalrat?

Ich kehre mit einem guten Gesamteindruck von Bundesbern nach Hause zurück. Der Betrieb im Bundeshaus funktioniert. Die Gewaltentrennung zwischen Parlament, Bundesrat und Gerichten wird respektiert und gelebt. Ich konnte mich in den acht Jahren davon überzeugen, dass sich das politische System der direkten Demokratie, in welchem das Stimmvolk zu jedem Gesetz das letzte Wort hat, auch auf nationaler Ebene bestens bewährt und dass es ein wichtiger Erfolgsfaktor unseres Landes ist.

In den letzten Jahren hat die FDP Wähleranteile verloren. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie könnte man das Ruder wieder herumreissen?

Natürlich habe ich eine Meinung dazu. Ich bin aber aus der Politik ausgetreten und halte mich an den Vorsatz, öffentlich nicht mehr zu politischen Fragen Stellung zu nehmen. Nur eines: Die FDP-Nationalratskandidatinnen und -kandidaten haben im Kanton Zug persönlich einen guten Wahlkampf gemacht.

Wie werden Sie nun Ihre freie Zeit nützen?

Die Familie ist mir wichtig. Nun habe ich wieder mehr Zeit für sie. Ich lese viel. Ausserdem bin ich Hobby-Fischer und leidenschaftlicher Pilzsammler. Ich jogge zweimal wöchentlich und wandere gerne mit meiner Frau.Unser nächstes grösseres Projekt wird eine längere Reise sein.

Alt Nationalrat Bruno Pezzatti (FDP) aus Edlibach arbeitete 35 Jahre lang beim Schweizer Obstverband, während 13 Jahren als deren Direktor. Im Kantonsrat sass er 12 Jahre lang, zwei davon als Ratspräsident. Der 68-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.