Er war während 38 Jahren Gemeindepräsident

Franz Basil Gretener stand als Erstes der eigenständigen Gemeinde Hünenberg vor.

Zoe Gwerder
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Greteners Wohnhaus im Hünenberger Weiler St.Wolfgang steht noch heute.

Greteners Wohnhaus im Hünenberger Weiler St.Wolfgang steht noch heute.

Bild: Stefan Kaiser (23. Juli 2018)

Er war ein Hünenberger der besonderen Art und hat die Gemeinde geprägt: Franz Basil Gretener. Der damals 35-Jährige war 1799 bei der Abspaltung von Cham als erster Präsident der sogenannten Munizipalität – der heutigen Gemeinde – gewählt worden, und wurde es insgesamt während 38 Jahren, Jahr für Jahr, wieder.

Bevor er aber in die Politik einstieg, war Gretener politisch nicht aktiv. Die Geschichtsschreiber gehen davon aus, dass er jedoch eine solide Schulbildung absolvierte. So schrieb er sich mit 20 Jahren an der Universität Strassburg ein – zum Medizinstudium. Er kehrte nach dem Studium nach Hünenberg zurück und praktizierte dort als Arzt und Chirurg. Offenbar war Gretener jedoch immer wieder abwesend, weshalb er nach seiner Rückkehr aus Strassburg noch nicht mit einem öffentlichen Amt betraut wurde. Mit 27 Jahren heiratete Gretener Maria Weibel – mit vollem Namen Maria Catherina Ursula Weibel – und zog mit ihr fünf Kinder gross.

Er wehrte sich gegen plündernde Franzosen

Ein Jahr vor seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten holte sich Gretener wohl einiges an Achtung. Es war jener Sonntag, als die Franzosen über die Sinserbrücke ins Zugerland einrückten. Gretener soll sich unerschrocken der Plünderung entgegengestellt haben. Trotzdem wurden später von rund 40000 Franken Verlusten durch die Plünderung geschrieben. Greteners Beliebtheit war anfangs noch verhalten. So wurde er einige Monate nach seiner Wahl als Gemeindepräsident erst im zweiten Wahlgang zu einem der drei Wahlmänner Hünenbergs gewählt. Und auch dies eher knapp. Sein Einsatz während seines ersten Amtsjahres, in dem er sich nicht davor scheute, für notleidende Hünenberger von Tür zu Tür zu gehen und Spenden zu sammeln oder einzelne Bürger nach Zug zu begleiten, und ihnen beim Einfordern ihres Rechts bei Seite zu stehen, liess seine Zweifler wohl verstummen.

Ruhig wurde es trotzdem nicht um seine Person. Vier Jahre nach seinem Début als Vorsteher der Gemeinde gipfelten Querelen im 800-Seelen-Dorf in einer Schussabgabe. Ein Dorfbewohner schoss nachts um zwei Uhr sieben Mal auf Greteners Zimmer. Der Täter gab bei seiner Einvernahme an, dass er überzeugt sei, dass die Streitereien im Dorf ein Ende finden würden, wenn Gretener «und noch einer auf der Seite wären». Der Gemeindepräsident und seine Familie blieben unverletzt. Gretener starb 1843 mit 78 Jahren, 4 Monaten und 6 Tagen, wie «Der freie Schweizer» meldete.

Die neunteilige Serie «Zeitreise» beleuchtet Persönlichkeiten, die in Zug oder daraus stammend Geschichte schrieben. Im 3. Teil lesen Sie über Franz Basil Gretener.
Quelle: 23 Lebensgeschichten, herausgegeben vom Regierungsrat des Kantons Zug, 1998.