Zug: «Er wäre ein fähiger Bundesrat»

Am Mittwochabend hat die CVP-Kantonalpartei Ständerat Peter Hegglin als ihren Kandidaten für den freien Bundesratssitz der CVP nominiert. In der Zuger Politik wird seine Kandidatur grossmehrheitlich begrüsst.

Florian Wicki, Christopher Gilb
Drucken
Teilen
Der Bundesratskandidat Peter Hegglin vor dem Zuger Regierungsgebäude. (Bild: Maria Schmid (Zug, 17. Oktober 2018))

Der Bundesratskandidat Peter Hegglin vor dem Zuger Regierungsgebäude.
(Bild: Maria Schmid (Zug, 17. Oktober 2018))

Die erste Hürde hat Peter Hegglin schon geschafft: Der Zuger CVP-Ständerat und langjährige Finanzdirektor aus Edlibach wurde gestern Abend von seiner Kantonalpartei einstimmig als Bundesratskandidat nominiert. Ob er es tatsächlich aufs offizielle Ticket der CVP-Fraktion in Bern schafft, und gegen wen er dann im Dezember um den Sitz der scheidenden Bundesrätin Doris Leuthard antritt, ist noch unklar. Entscheiden wird die CVP-Bundeshausfraktion dies am 16./17. November.

Im Kanton Zug freut man sich jedenfalls über Hegglins Kandidatur. Zug habe als starke Wirtschaftskraft und sogar grösster Pro-Kopf-Nettozahler des nationalen Finanzausgleichs einen Sitz im Bundesrat ganz klar verdient, findet der SVP-Nationalrat und Präsident der Zuger Kantonalpartei, Thomas Aeschi: «Es würde mich freuen, wenn wir diesen Anspruch mit Peter Hegglin wahrnehmen könnten.» Die Frage, ob er Aeschi, der vor drei Jahren selber als Bundesrat kandidiert hat (siehe Box unten), ihm ein paar Tipps auf den Weg geben will, lässt er vielsagend aus.

Ein sachorientierter Arbeiter

Gleicher Meinung ist der jahrzehntelange Weggefährte von Hegglin und CVP-Kantonsrat Heini Schmid (Baar): «Peter Hegglin wäre durch seine Exekutiv-Erfahrung aus der Kantonsregierung ein fähiger Bundesrat.» Schon dort habe er bewiesen, dass er Gesetzesvorlagen nicht nur ausarbeiten, sondern auch glaubwürdig vertreten und umsetzen könne. Für Schmid ist aber der grösste Vertrauensbeweis, dass die Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren Hegglin zum Präsidenten gewählt hat. Und das, obwohl der Kanton Zug zur Minderheit der Geberkantone des nationalen Finanzausgleichs gehöre: «Damit haben die Kantone bewiesen, dass sie ihm sachorientiertes Arbeiten zutrauen.»

Diplomatischer tönt es bei den Liberalen: «Als Präsident der FDP Kanton Zug würde ich es natürlich begrüssen, wenn die Zentralschweiz wieder einmal im Bundesrat vertreten wäre. Ob Peter Hegglin aber der geeignete Kandidat dafür sei, müsse die Vereinigte Bundesversammlung in Bern entscheiden, so FDP-Kantonalpräsident Andreas Hostettler.

Auch ausserhalb der Politik erhält Hegglin viel Lob. Guschti Schuler ist Präsident des Zuger Imkervereins, dem Hegglin angehört: «Mit seiner umgänglichen Art und seinem Talent, politische Brücken zu bauen, wäre Peter Hegglin bestimmt ein sehr fähiger Bundesrat. Er ist ein Macher, der seine Ideen auch umsetzen will und sie nicht einfach versanden lässt», so Schuler. Man ist sich im Kanton also recht einig, dass rein fachlich gesehen nichts gegen einen Bundesrat Hegglin spricht. Das sieht sogar Andreas Lustenberger, Präsident der Grünen Zug so: «Peter Hegglin bringt in seinem Erfahrungsrucksack sicher das nötige Know-how mit und kennt die Prozesse aus der Exekutive, was ihn als Bundesrat befähigt. «Politisch sei seiner Partei aber natürlich ein Bundesrat lieber, der für grüne Anliegen ein offeneres Ohr hat. «Und persönlich lege ich Wert auf ein charismatisches, gewinnendes Auftreten unserer Landesregierung, auch in dieser Hinsicht gäbe es wahrscheinlich passendere Kandidaten.»

Heinz Tännler weiss, was es bedeutet, sich für eine Bundesratskandidatur zu bewerben, 2011 kam er in der innerparteilichen Vorentscheidung auf den zweiten Platz. «Meine Erfahrung ist, dass es besser ist, sich nicht zu früh aus dem Fenster zu lehnen, sondern eher aus dem Hintergrund anzugreifen», so der Zuger Finanzdirektor. Zudem sei eine professionelle Kampagne wichtig, als solche erlebe er diejenige von seinem Vorgänger im Amt Peter Hegglin bisher. «Natürlich wäre es, unabhängig, durch wen es dann ist, gut, wenn der Spirit von Zug als dynamischer Kanton im Bundesrat vertreten wäre», so Tännler.

Integer, aber nicht ganz fassbar

Auch der GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin (Zug), der Hegglin fünf Jahre lang im Rat erlebt hat, spricht ihm die nötige Kompetenz nicht ab. Aber: «Ob er dann auch der Richtige dafür ist, kann ich so nicht beurteilen.» Er habe aber recht gerne mit Hegglin zusammengearbeitet. Manchmal sei es zwar ein wenig schwierig gewesen zu wissen, woran man bei ihm ist: «Wie wenn er über dem Geschehen schweben würde oder nicht ganz fassbar wäre.» Nichtsdestotrotz habe er ihn immer als integren Menschen erlebt, der ihm auch politisch relativ nahestehe. Und für den Kanton Zug, der von der nationalen Politik häufig übergangen werde, sei ein Sitz im Bundesrat auf jeden Fall ein Gewinn.

Zwei Bundesräte, einige (erfolglose) Kandidaturen

Bereits 1999 kandidierte ein CVP-Politiker aus dem Kanton Zug für den Bundesrat. Dies jedoch als inoffizieller Kandidat. Im 6. Wahlgang unterlag Nationalrat Peter Hess aus Unterägeri jedoch knapp Joseph Deiss, dies gerade wegen einer Stimme.

Bei der Wahl 2011 ging dann der heutige Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler ins Rennen um die interne Vorentscheidung für die Kandidatur der SVP. Nominiert hatte ihn die Zuger Kantonalpartei. Er landete dann jedoch hinter Bruno Zuppiger äusserst knapp auf dem zweiten Platz. Als Westschweizer Kandidat stellte die SVP damals Jean-François Rime auf. Gewählt wurde erneut Eveline Widmer-Schlumpf.

Auch für die Bundesratswahl 2015 kursierte Tännlers Name als möglicher Kandidat. Er nahm sich dann jedoch selbst für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf aus dem Rennen. «Jeden Tag kursieren neue Namen und Listen von Kandidaten in den Medien. Ich möchte dieses Vabanque-Spiel um den Bundesratssitz nicht mehr mitmachen», sagte er damals gegenüber unserer Zeitung.

2015 stieg dann bekanntlich ein anderer Zuger ins Rennen, der Präsident der Zuger SVP-Kantonalpartei und heutige Fraktionspräsident im Nationalrat Thomas Aeschi. Gewählt wurde jedoch der Westschweizer Guy Parmelin.

Das letzte Mal einen Bundesrat hatte der Kanton Zug mit dem Walchwiler CVP-Politiker Hans Hürlimann von 1973 bis 1982. Ebenfalls für die CVP sass der Menzinger Philipp Etter von 1934 bis 1959 im Bundesrat. (cg)