Auf dem Zuger Jagdlehrgang: Erfüllender Krampf im Dornenfeld

Kürzlich gingen die Jäger im Kanton in diesem Jahr zum ersten Mal auf die Jagd nach Niederwild. Warum das kräfteraubende Treiben durch das Dickicht mächtig Spass macht.

Charly Keiser
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Deutlich ist das Rehlager mit dem niedergedrückten Gras zu erkennen. Am oberen Bildrand ist frische Reh-Losung (Kot) zu sehen, die die heutige Präsenz beweist. (Bild: Charly Keiser (Nollen, Unterägeri, 1. Oktober 2018))

Deutlich ist das Rehlager mit dem niedergedrückten Gras zu erkennen. Am oberen Bildrand ist frische Reh-Losung (Kot) zu sehen, die die heutige Präsenz beweist. (Bild: Charly Keiser (Nollen, Unterägeri, 1. Oktober 2018))

Trotz misslicher Wettervorhersagen haben kürzlich zahlreiche Zuger Jäger ihre Flinten und Aserkörbe gepackt, um sich frühmorgens an einem der definierten Jagdparkplätze mit ihren Kameraden zu treffen. Der Grund: Am 1. Oktober beginnt jeweils offiziell die Zuger Niederwildjagd.

Es ist dunkel und regnet Bindfäden, als ich beim Parkplatz Oberzittenbuech in Unterägeri, am Fuss des Nollen und der Bärneren, eintreffe. Bereits ist der Jäger einer Dreiergruppe da, der mit seinen zwei Kollegen in den Bärneren sein Glück versuchen wird. Das alte Sprichwort für Mühlen: «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst», trifft auch auf die Jagd zu. Zum Glück hat sich die Jagdgruppe Wolpertinger, mit der ich den Tag als Treiber verbringen darf, für die Jagd im «Nollen» entschieden. Denn so tangieren sich die beiden Gruppen nicht.

Regnerischer Start

Jäger um Jäger trifft ein. Mittlerweile ist es hell, der Regen aber ist immer noch ergiebig. Der Jagdleiter holt die Karte und zeigt, wie die Triebe vonstatten gehen sollen. Es wird dabei definiert, welcher Jäger sich wo hinstellt und wo der Treiber mit dem Hund anfängt, den Wald zu durchkämmen und das Wild aufzuscheuchen.

Nach rund anderthalb Kilometer Weg und 150 Höhenmetern ist der Ausgangspunkt des ersten Triebs erreicht. Noch darf Bex nicht von der Leine, als wir versuchen, im östlichen Teil des Nollens das Wild zur Flucht zu bewegen. Erst beim zweiten Trieb im westlichen Teil des Waldes, wir der deutsche Wachtelhund von der Leine gelassen, um nach frischen Fährten zu suchen. Es regnet mittlerweile nur noch schwach. Schon bald beginnt Bex zu lauten (bellen). Der erste Rehbock flüchtet nach unten und in nördlicher Richtung, wo leider keiner unserer Gruppe zum Schuss bereitsteht. Bex findet zwei weitere Fährten, ein Schuss fällt aber nicht, weil es sich beide Male um Geissen handelt – einmal begleitet von einem Kitz. Auch der dritte Trieb beschert mir mehrere Anblicke (Sichtungen von Tieren), die ob unseres Tuns das Weite suchen.

Nach dem Aser (Mittagessen) folgten drei Triebe ohne Anblick. Doch trotz des Kampfs und Krampfs durchs dornige Dickicht war auch der Nachmittag eine einzige Erfüllung. Dank 18 Kilometern und mehren hundert Höhenmetern gab es einen einzigartigen Einblick in den Wald, wie man ihn nur beim Jagen erleben kann. Spuren, Fährten, Pflanzen und Pilze. Reissende Bäche, sumpfige Mulden. Ein «Date», das ich gerne baldmöglichst wieder wahrnehme.

Am Ende des Tages liegen im Kanton Zug 32 Tiere. Wir Jagdlehrgänger vertiefen am anschliessend mit Dozent Roland Gisiger bei der Theoriestunde zur Wildbiologie unseren ersten Einsatz als Treiber und beim zweiten Jagdtag genossen erneut viele Jäger ihr «Rendezvous» mit der Natur.