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Eritreer soll des Landes verwiesen werden

Nach einem Disput auf einem Fest soll ein Eritreer einem anderen erst einen Schlag mit der Bierflasche verpasst und ihn dann noch mit einer Eisenstange geschlagen haben. Für die erste Tat ist er nun vom Zuger Strafgericht schuldig gesprochen worden.
Christopher Gilb

Gestern stand ein 20-jähriger Eritreer vor dem Zuger Strafgericht. Seit rund drei Jahren hält er sich in der Schweiz auf, in die er wegen des drohenden Militärdienstes in seiner Heimat geflüchtet war. Doch die letzten 14 Monate verbrachte er nicht mehr damit, Deutschkurse zu besuchen, sondern war im Gefängnis. Der Grund ist die Nacht auf den 2. Dezember 2017. Da soll er an einer Party für eritreische Staatsangehörige in Cham nach einem Disput auf der Tanzfläche einem anderen Eritreer auf die Toilette gefolgt und ihm erst einen wuchtigen Schlag mit der Bierflasche verpasst haben – dabei zog sich das Opfer eine rund vier Zentimeter lange Rissquetschwunde zu – und dann später vor der Liegenschaft mit Hilfe einer Eisenstange noch nachgelegt haben. Dabei habe das Opfer eine zweite Rissquetschwunde im Bereich der Schädeldecke/Hinterkopf erlitten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Strafe von vier Jahren mit anschliessender Landesverweisung von 12 Jahren für ihn.

Er behauptet, es sei Affekt gewesen

Zuerst wollte der Richter wissen, wie es um seinen Alkoholpegel bestellt war. «Haben Sie Alkohol oder Drogen genommen?» Ja, Alkohol getrunken habe er: «Bier und Wodka.» «Wie viel?» «Sechs Bier und zwei Becher mit gemischtem Wodka vor der Party, vier Bier während der Party.» Er sagte dann aber selbst, dass er zwar betrunken gewesen sei, «ich wusste aber, was ich mache». Was aber hat er überhaupt gemacht? So wie er es schilderte, war die Begegnung zufällig. Das Opfer, das er zuvor nicht gekannt habe, habe ihn provoziert, aus dem Affekt heraus habe er ihm dann auf dem WC die Bierflasche gegen die Stirn geschlagen. «War die Flasche leer?», fragte der Richter. «Nicht ganz», antwortete er. Und an die Konsequenzen habe er nicht gedacht? – Es sei einfach so passiert.

Ganz anders hätten es aber, gemäss Staatsanwalt, der Sicherheitsmann der Party, das Opfer und dessen Kollege dargestellt. Diesen zufolge habe der 20-Jährige das Opfer schon auf der Tanzfläche getreten, als dieser mit einer Frau getanzt habe. Auf der Toilette hätte er dann erst vom Opfer abgelassen, als andere dazwischengegangen seien. Und gerade der Sicherheitsmann habe gemäss Staatsanwalt eine hohe Glaubwürdigkeit, sei er doch der einzige Nichteritreer gewesen und so auch der Einzige, der keine Nachteile in der Community befürchten müsse.

Dann der Teil mit der Eisenstange: Gemäss dem Angeklagten hat es den gar nicht gegeben. Es sei vor dem Haus zu einem Tumult gekommen und er habe sich mit einem Holzstecken verteidigt, mehr nicht. Das überzeugte den Staatsanwalt nicht, habe der Sicherheitsmann doch die Tat gesehen. Nach Auffassung des Staatsanwalts hat sich der Mann klar der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht. Schwer wegen all der Verletzungen, die durch die Stange oder die Flasche hätten entstehen können. Der Verteidiger, der einen Freispruch forderte, versuchte zu relativieren. Der Sicherheitsmann habe das erste Mal einen solchen Einsatz gehabt, weshalb seine Aussagen mit Zurückhaltung zu geniessen seien. Zudem habe es die Staatsanwaltschaft verpasst, etwaige Spuren auf der Stange oder Flasche zu sichten, sodass derartige Beweise fehlen würden. Und dass der Schlag mit der Flasche wuchtig gewesen sei, stehe auch nicht fest. «Wenn man sich die Verletzungen anschaut, kann der Schlag ja nicht so hart gewesen sein.»

Beweise für die zweite Tat zu dünn

Das Gericht sprach eine mildere Strafe als beantragt aus. Der 20-Jährige wird zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt. Davon müssen nur zwölf vollzogen werden, weshalb er auf freien Fuss kommt – die Untersuchungshaft wird ihm angerechnet. Es veranlasst aber eine Landesverweisung von sieben Jahren. Ob diese vollzogen werden könne, müssten dann die zuständigen Bundesbehörden entscheiden. Denn bereits der Asylantrag des 20-Jährigen war abgelehnt worden, seine Abschiebung aber wegen der Situation in seiner Heimat aufgeschoben. Grund für die mildere Strafe ist auch, dass das Gericht den Angriff mit der Stange nicht als genügend bewiesen erachtet und das Verhalten des Angeklagten vor dem Haus nur als Raufhandel, also Beteiligung an einer Schlägerei, wertet. Dass er eine Stange verwendet habe, habe nicht einmal das Opfer bestätigt, sondern nur der Sicherheitsmann, der nur bedingt glaubwürdig sei, habe er doch vieles extremer als andere Zeugen dargestellt und sei von den Ereignissen an seinem ersten Tag mitgenommen gewesen. Zudem würde das Verletzungsbild gegen solch eine Stange sprechen. Das müsse er nun erst einmal sacken lassen, kommentierte der Staatsanwalt leicht verdutzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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