ERÖFFNUNG: Die Zuger Messe startet mit Schwung

Zum Auftakt der 44. Zuger Messe tanzt sogar der Messeleiter. Der Verwaltungsratspräsident ist zuversichtlich für die nahe und ferne Zukunft, und der ­Landammann erklärt die Vergangenheit.

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Geschäftsführer Peter Binggeli hat mittrainiert: Als Messeleiter wie als Wushu-Tänzer braucht es Biss und Bewegungsfreude. (Bild Werner Schelbert)

Geschäftsführer Peter Binggeli hat mittrainiert: Als Messeleiter wie als Wushu-Tänzer braucht es Biss und Bewegungsfreude. (Bild Werner Schelbert)

Entfesselter Kampfgeist. So könnte das Motto der diesjährigen Zuger Messe lauten, geht man von der überaus dynamischen Tanzvorführung einiger junger Damen und Herren in schwarzen Hosen und weissen Hemden aus. Diese Tänzer – Profis aus der ganzen Schweiz – dominierten die Bühne mit Kraft, Anmut und Schnelligkeit. Und liessen gestern Vormittag die Gäste der feierlichen Messeeröffnung jede vielleicht noch vorhandene Müdigkeit vergessen. Mit Wushu, einem Mix traditioneller chinesischer Tanzkünste, begeistern die Athleten das Publikum mit der sportlichen Eleganz des fernen Ostens – was ja auch irgendwie zur positiven Präsenz des diesjährigen Gastkantons aus dem ganz nahen Schweizer Osten passt: St. Gallen lockt die Messebesucher mit Spitzenstoffen oder einer Käsekonditorei.

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
26 Bilder
Guilherme Bacelar präsentiert den Entsafter für Zitrusfrüchte. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Kinderzirkus Funtistic aus der Ennetseegemeinde zieht die Zuschauer in seinen Bann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Fast wie eine Massage: Richard Barisic erklärt zwei Messebesucherinnen den Shiatsu Body Belt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
All das hat unsere Autorin bei ihrem Rundgang durch die Zuger Messe erbeutet. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsleiter der Firma Etter, bringt unserem Autor die Fruchtbrände näher. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Besucherinnen bestaunen typisch Sanktgallerisches an der Zuger Messe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Josef Raggam verkauft den Mixer «Choppy». Laut Herstellerangaben handelt es sich um einen Mixer, der alles mixt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Auf dem Arenaplatz kommen Töfflibuebe auf ihre Kosten. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Valeria Huwiler aus Rotkreuz ist die charmanteste Zugerin. (Bild: PD)
Zwei Hostesssen am Stand des Gastkantons St. Gallen.
Ferkel tummeln sich an der Zugermesse in einem separaten Gehege. (Bild: PD)
Blumenverkäufer vor der Zuger Messe (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (mitte) im Gespräch mit Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller (links) und Thomas Regli, CEO der Seewarte, am 8. Zuger Wirtschaftszmittag (26.10.2015). (Bild: PD)
Das Restaurant «Aegerital go West» ist bis auf den letzten Platz gefüllt (26.10.2015). (Bild: PD)
Köstliches Fondue aus dem Entlebuch (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stand der Zuger Bäuerinnen melken Daria (links) und Shirin Keel eine Kuh. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Verwaltungsratspräsid nt Paul Langenegger (links) und Geschäftsführer Hans Ulrich Schwarzenbach haben am Stand des Zweckverbandes der Zuger Einwohnergemeinden zur Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) den Durchblick. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Die Sonderschau der Zeba informiert, wie Abfall richtig entsorgt werden kann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stedy-Gewürzstand gibt es etwas zu gewinnen. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Gastkanton St. Gallen präsentiert sich auf einer überdimensionalen Zeitung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Darfs einen neuen Parkettboden sein? (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Ein Prosit auf die Eröffnung der Zuger Messe (24.10.2015). (Bild: PD)
Gäste warten an der offiziellen Eröffnung auf das Essen. (24.10.2015). (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (links) im Gespräch mit Regierungsrat Heinz Tännler während der Eröffnung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Messeleiter Peter Binggeli bei der Eröffnungsfeier. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Beharrlichkeit und Bewegung

«Bei der Zuger Messe gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken», meint Moderatorin Fabienne Bamert. Richtig. In diesem Jahr hat Messeleiter Peter Binggeli sein Tanztalent entdeckt. Der Geschäftsführer der neuntägigen und mittlerweile grössten Herbstmesse der Zentralschweiz reiht sich mit Schwung und Humor in die Tanzgruppe ein. Und beweist damit selber, was er sich für die ganze Messe erhofft: gute Stimmung.

«Dynamik, Fantasie, Tradition und Innovation – das seien die Werte der traditionellen chinesischen Kampfkunst, aber auch die der Zuger Messe», erklärt Fabienne Bamert. Und vergleicht die Arbeit eines Messeleiters mit der eines Athleten. Der Baarer Athlet und Tänzer Sami Ben Mahmoud gibt ihr Recht: «Es braucht Beharrlichkeit, aber auch Talent zur Bewegung.»

Ein ganz anderes Talent hat der Zuger Landammann bei sich entdeckt: ein historisches nämlich. Sehr unterhaltsam und informativ geht Heinz Tännler dem Begriff der Messe auf den Grund: «Dieser geht auf den engen Zusammenhang von Jahrmarkt und Kirche zurück. In ihren Anfängen wurden die Jahrmärkte nämlich bewusst mit kirchlichen Festen verknüpft.» Weil kirchliche Feste populär waren, sorgten sie für die gewünschte Nachfrage bei den Märkten, die nun Messen hiessen. Der Landammann blickt zurück: «Auch in Zug hat man die clevere Marketingidee schon früh genutzt.» Bereits 1488 habe die Stadt das Recht erhalten, zwei mehrtägige Messen durchzuführen. Heinz Tännler weiter: «Und die hat man nicht irgendwann angesetzt, sondern im unmittelbaren Anschluss an zwei kirchliche Feiern: Die Frühjahrsmesse liess man dem Pfingstfest folgen und die Herbstmesse dem Gallustag vom 16. Oktober.»

Der Politiker wagt auch einen Blick in die Zukunft: In Zeiten des Onlineshoppings etwa – hat die Messe als traditionelle Form des Marketings da noch Bestand? Der Festredner ist der Ansicht, ja: «In einer Zeit, in der das Angebot immer grösser wird, wünschen sich die meisten von uns mehr Übersicht und die Möglichkeit, Waren mit allen Sinnen zu vergleichen. Genau dies kann uns die Messe bieten.»

Auch der Verwaltungsratspräsident der Messe Zug bezeichnet diese «so breite und vielfältige Messe mit rund 450 Ausstellern» als optimales Gefäss für den «Vergleich von Produkten und Dienstleistungen». Paul Twerenbold bekundet in seiner Begrüssung: «Wir sind zuversichtlich, dass die Zahl der Besucherinnen und Besucher auch dieses Jahr die 80 000-Grenze erreicht.»

«Herzhafter Gastauftritt»

Ein Besuchermagnet während der kommenden Tage wird sicher die Ausstellung des Gastkantons St. Gallen sein. Schmunzelnd überbringt bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Vorsteher des St. Galler Volkswirtschaftsdepartements, Regierungspräsident Benedikt Würth, den Zugern seine «Grüsse aus dem fernen Osten». Benedikt Würth verspricht einen «herzhaften Gastauftritt». Diesen Auftritt überprüft man im Anschluss gleich selbst. Beim Stand des Gastkantons ist es zunächst einmal sehr warm. Was sicher auch der Herzlichkeit der St. Galler zuzuschreiben ist – aber zudem wohl der Sonne, die draussen scheint. Ralph Knobelspiess, Leiter Szenografie der St. Galler Ausstellung, nimmt es mit Humor: «Wir würden besser die Tropen vertreten, so heiss ist es hier.» Aber nein, St. Gallen bleibt St. Gallen – mit Spitze, Frisco-Glace, dem Toggenburg und Minor-Schokolade.

Und sonst? Ein Rundgang durch die Messe zeigt: Das Bummeln entlang an Seidenschals und Sitzecken, Handtaschen und Haarscheren, Skischuhen und Speck macht einfach gute Laune – die meisten der Besucher tragen ein Lächeln auf ihrem Gesicht.

Susanne Holz