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Zug: Erst gab es Risse, dann stürzte die Stadt

Der Tag, an dem Zug im See versank: Wie eine Zahnlücke zeugt die Katastrophenbucht in Zug von einer schlechten Entscheidung. Mehr dazu gab es am Mittwoch in der Studienbibliothek Zug.
Lionel Hausheer
Ein Bild der Zerstörung: Die Zuger Vorstadtkatastrophe am 5. Juli 1887. (Bild: PD)

Ein Bild der Zerstörung: Die Zuger Vorstadtkatastrophe am 5. Juli 1887. (Bild: PD)

Es hatte sich angekündigt. Aber niemand hat so richtig daran geglaubt. Dienstag, 5. Juli 1887, 15.20 Uhr: Das Gerüst der Seepromenade, die gerade erst noch im Bau war, stürzte ins Wasser. Zehn Minuten später versank das neu gebaute Rondell am Zuger Seeufer ebenfalls im Wasser. Fünf Minuten später sanken ein Fischerhaus und ein Wohnhaus ins Wasser. Um vier bildeten sich Risse durch die Häuser der Altstadt. Es knackte und krachte in allen Balken. Um fünf vor sieben knallte es und die Zuger Vorstadt versank im See: Häuser die vorher vier Meter über Seeniveau standen, waren nun sechs Meter drunter. Elf Menschen starben, darunter drei Kinder. Dabei hätte man die Katastrophe voraussehen können.

Aber heute, 131 Jahre und 28 Tage später ist es einfach, schlauer zu sein. Besonders wenn man sich die Sammlung an historischen Quellen in der Studienbibliothek Zug anschaut, anlässlich des Nationalfeiertages. Jana Leu, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek Zug hat sich im Archiv durch Berichte, Dokumente und Zeugnisse der Zeit gewühlt. Das Resultat liegt auf den weissen Tischen der Studienbibliothek Zug aus.

Eine Seepromenade wie in Luzern oder Zürich

«Die Zuger hatten vielleicht ein bisschen Grössenwahn zu dieser Zeit», überlegt Jana Leu laut. Hauptgrund, dass die Zuger unbedingt eine schöne Promenade wollten, war vermutlich klassischer Nachbarschaftsneid. «Die Zürcher und Luzerner hatten zu dieser Zeit eine wunderschöne Uferpromenade», erzählt Leu. Und so etwas wollten die Zuger auch. Natürlich muss man bei so einem Projekt erst den Baugrund untersuchen. Also engagierte die Stadt die Geologen Heim und Moser für ein Gutachten. Deren Urteil war klar: Der Untergrund ist Sand und Schlamm, wer da baut, riskiert einen Absturz. Aber die Zuger bauten munter drauflos. Die Rechnung kam noch im selben Jahrzehnt.

Die Besucher in der Studienbibliothek sind still über die Kopien der Quelle gebeugt. Viele lesen konzentriert Zeitungsberichte in Frakturschrift oder betrachten unscharfe Fotos aus der Zeit. «Ich bin einfach geschichtsinteressiert», erklärt eine Besucherin ihre Motivation. «Man geht ja jeden Tag an der Katastrophenbucht vorbei, da muss man doch wissen, was da passierte.»

Auch Neugierde kann gestillt werden

Andere Besucher sind aus etwas anderen Motiven in die Studienbibliothek gekommen. «Ich habe hier diesen Schornstein entdeckt», erklärt einer und zeigt den Flyer der Ausstellung her. Darauf ist ein altes Foto der Stadt Zug. «Und ich habe mich gefragt, was das war.» Also suchte er erst alte Landkarten ab, untersuchte das Stadtmodell von Zug aus dem Jahr 1877 und wurde schliesslich auf einem anderen Foto fündig: eine Seifenfabrik, längst verschwunden. «Die Zufallsneugier trieb mich heute hierhin», resümiert er schmunzeln. Und Neugier ist hier sehr willkommen. So findet auch Jana Leu:

«Die Bibliothek hat so viel mehr zu bieten als nur gerade die aktuellsten Thriller.» Darin würden wohl viele Besucher ihr recht geben, denn auch in historischen Quellen kann man sich hervorragend verlieren.

Übrigens: Die Herren Geologen Heim und Moser hätten gar nicht erst bemüht werden müssen. Bereits 1435 verschwand ein Teil der Zuger Altstadt im See. So solide kann der Grund da also nicht gewesen sein. Hätten sich die Zuger dazumal ein bisschen mehr zu Fakten und Wissen hingezogen gefühlt, statt zu neuen Promenaden, hätte wohl vieles verhindert werden können.

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