Erst im Zugersee hat er schwimmen gelernt

Seit fünf Jahren wohnt Balu Mahendra Challagundla in Baar. Er ist ein typischer Expat, der auch offen für Neues ist.

Carmen Rogenmoser
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Balu Mahendra Challagundla am Zugersee.

Balu Mahendra Challagundla am Zugersee.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. Januar 2020)

Balu ist ein Expat, wie man ihn sich vorstellt: Er wohnt in Baar, ist dort aber selten anzutreffen. Dank seiner Arbeit als Sales Manager bei einer internationalen Firma ist er fast nie zu Hause. Seit gut fünf Jahren ist er in der Schweiz, Deutsch spricht er aber nicht. Schuld sei die Reiserei, sagt er entschuldigend. Die Sprache zu lernen, sei einer seiner Vorsätze in diesem Jahr. Der zweite ist es, nicht mehr so oft zu fliegen – und folglich auch mehr Zeit hier zu verbringen. Das sagt er überzeugt und überzeugend, begleitet von einem charmanten Lächeln.

Der 32-jährige Inder, der mit vollem Namen Balu Mahendra Challagundla heisst, erzählt offen und aufgeschlossen von seinem ereignisreichen Leben. So kommt er gleich zu Beginn auf seinen aussergewöhnlichen Namen zu sprechen. Er sei tatsächlich nach dem Bären Balu aus «Das Dschungelbuch» benannt. «Mein Vater ist ein grosser Fan», sagt er – und schon ist das Eis gebrochen. Sein Vater sei es auch gewesen, der ihn dazu motivierte, die Welt zu entdecken.

Sprachen zu lernen, liegt ihm... eigentlich

Aufgewachsen ist er in der Indischen Hauptstadt Delhi. Er habe einen multikulturellen Hintergrund. Seine Mutter kommt aus einem anderen indischen Bundesstaat als sein Vater. Die beiden haben nicht dieselbe Muttersprache. «Ich spreche drei indische Sprachen. Es ist mir also nicht fremd, eine Sprache zu lernen», sagt er. Ein Grund mehr, das Deutschlernen in Angriff zu nehmen.

Bisher ist er mit Englisch gut zurecht gekommen. Einige seiner engsten Freunde seien Schweizer, versichert er. Viele Anekdoten von lustigen Feiern und Abenteuern, die er hier erlebt hat, kommen ihm in den Sinn. Er finde Zug toll, sagt Balu. Es gefalle ihm, dass man schnell überall ist und vor allem liebe er die Natur. Drei Dinge habe er gelernt seit er in der Schweiz wohne: Paragliding, Downhill-Biken und Schwimmen. «Schwimmen kann ich erst seit letztem Sommer», erklärt Balu. In seiner Kindheit in Indien habe es die Infrastruktur dafür nicht gegeben. «Dafür schwimme ich jetzt in jeder Pfütze», so der unterhaltsame junge Mann.

Ein Schockerlebnis, durch Kohlensäure ausgelöst

Vom Zugerberg ist er mit dem Gleitschirm selbstverständlich auch schon gesprungen. Der Zuger Hausberg ist sein Lieblingsplatz. An einem freien Tag laufe er etwa von Baar über den Zugerberg nach Unterägeri, mache dort Mittagshalt und wandere dann zurück auf den Zugerberg. Dort bleibt er, bis es dunkel wird. Er schwärmt:

«Eine Flasche Wein und der Blick vom Zugerberg über die wunderbare Landschaft, es gibt nichts Schöneres».

Davon erzählt er auch seinen Freunden und der Familie zu Hause. «Die finden es besonders toll, dass ich in einer ‹Bar› wohne», witzelt er. Tatsächlich aber musste er sich an das eine oder andere in der Fremde zuerst gewöhnen. Dazu gehören die strikten Ladenöffnungszeiten. «In Indien kannst du mitten in der Nacht ein Auto kaufen, wenn du willst.» Er habe aber gelernt, dass es den Schweizern wichtig sei, viel Zeit für sich und die Familie zu haben.

Von einem regelrechten Kulturschock spricht er, wenn er von seiner ersten Erfahrung mit kohlensäurehaltigem Wasser erzählt. «Ich kaufte mir eine Flasche Wasser und nahm einen grossen Schluck.» Er habe sich total erschrocken. «In Indien gibt es nur stilles Wasser.» Mittlerweile sei Mineralwasser sein liebster Durstlöscher.

Es gefällt ihm hier, aber ob er noch lange bleibt, weiss Balu nicht. «Spontanität ist mein Lebensmotto», sagt er und meint weiter: «Vielleicht bleibe ich ja für immer hier, wahrscheinlich aber eher nicht.»

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.