Erste Bilanz
Dank Spucktests an Zuger Schulen: Vier Corona-Infektionen ohne Symptome entdeckt

Fast alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufen- und Mittelschulen im Kanton Zug nehmen an den regelmässigen Covid-19-Tests teil. Der Zuger Regierungsrat zeigt sich zufrieden.

Zoe Gwerder
Merken
Drucken
Teilen
Das Spucken können die Schülerinnen und Schüler am Platz vornehmen.
8 Bilder
Beim Testen ist Sorgfalt angezeigt.
Die Kosten belaufen sich auf etwa 3 Millionen Franken, der Bund kommt dafür auf.
Die Proben werden eingesammelt.
Aus den Tests werden laut der Zuger Regierung keine DNA-Profile angelegt.
Laut dem Bildungsdirektor Stephan Schleiss (links, mit Timo Gültig, Prorektor Kanti Menzingen) soll die Quarantäne nur noch Einzelpersonen und nicht mehr ganze Klassen betreffen.
Die gesammelten Proben gehen ins Labor.
Bis zu den Frühlingsferien sollen sich alle Oberstufenschüler und -lehrer im Kanton Zug zweimal wöchentlich testen lassen.

Das Spucken können die Schülerinnen und Schüler am Platz vornehmen.

Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 25. Februar 2021)

Ganze 99 Prozent aller 7500 Schüler und Lehrpersonen der Oberstufen- und Mittelschulen im Kanton Zug lassen sich seit etwas mehr als einer Woche regelmässig auf das Coronavirus testen. Zwei- bis dreimal seit dem Start am vergangenen Donnerstag haben bisher die Klassen ihre Proben abgegeben. Vier asymptomatische Infektionen konnten hierbei entdeckt werden, wie die Zuger Regierung bekannt gibt. Drei der Schüler erhielten beim ersten Test am 26. Februar positive Befunde. Der vierte war bei einem Test am 1. März festgestellt worden.

«Es sind deutlich weniger, als wir erwartet haben. Insbesondere nach den Sportferien haben wir mit mehr Fällen gerechnet»,

erklärt der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister. Wie er sagt, sei es zu keiner Anhäufung der Fälle an einzelnen Schulen oder in Gemeinden gekommen.

Dass man hierbei fast alle Schüler und Lehrpersonen testen konnte, sei sehr erfreulich, sagt Bildungsdirektor Stephan Schleiss. «Das ist noch besser, als ich erwartet habe.» Er erwähnt zum Vergleich, dass andere Kantone, in welchen die Tests freiwillig seien, deutlich tiefere Quoten hätten. Dort liessen sich zwischen 60 und 80 Prozent der Schüler testen. «Wer bei uns eine Dispensation will, muss zwar keine Begründung abgeben, aber immerhin von sich aus aktiv werden. Das gibt der Schulleitung nochmals Gelegenheit, den Sachverhalt zu erklären», erklärt sich Schleiss die wenigen Dispensen. Insgesamt hätten 65 Schüler und 23 Lehrpersonen eine solche beantragt.

Mit Tests und Schutzkonzept ganz ohne Quarantäne

Und wer sich regelmässig testen lässt, geniesst Vorteile: «Auch wenn Mitschüler während der Mittagspause längeren Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten, beim Essen ohne Maske, müssen sie nicht in Quarantäne», erklärt Gesundheitsdirektor Pfister. Denn die Gesundheitsdirektion gehe davon aus, dass man eine neue Ansteckung dank der zweimal pro Woche durchgeführten Tests früh genug erkennen würde. Wer hingegen von den Tests dispensiert ist, muss in Quarantäne. Ohne die Reihentests hätten sich bei den vier positiven Fällen wohl Dutzende Schüler in Quarantäne begeben müssen.

Von den wöchentlich rund 15'000 Tests erhofft sich die Gesundheitsdirektion auch Erkenntnisse zur epidemiologischen Lage im Kanton. «Wenn wir die Schüler testen, testen wir indirekt auch ihre Familien. Denn die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung innerhalb der eigenen vier Wänden ist sehr gross.» Dass nun aber von den bisherigen schätzungsweise 18'000 Tests gerade einmal 0,02 Prozent positiv ausfielen – also pro 9000 Tests zwei – könnte auch darauf hindeuten, dass die Jugendlichen die Schutzkonzepte besonders gut einhalten oder im Moment bei den Ansteckungen weniger relevant sind. «Solche möglichen Schlüsse können wir jedoch erst in einigen Wochen ziehen.»

Verlässlichkeit der Test ist überprüft worden

Eine Fehlerquelle wäre allenfalls beim Testverfahren zu vermuten. Denn jeder Schüler gibt zum einen eine Einzelprobe, die an den Schleimhäuten abgestrichen wird, ab und zum andern werden mehrere Speichelproben – bei denen mit Salzwasser der Mund ausgespült wird – zu Pools zusammengefügt. Erst wenn ein solcher Pool positiv auf Covid-19 getestet wird, werden auch die Einzelproben der Schüler des betroffenen Pools ausgewertet. Würden solche Pools nichts angeben, würden auch keine weiteren Proben untersucht werden.

Man habe diese mögliche Fehlerquelle untersucht, sagt Pfister. Um zu verifizieren, dass auch beim Zusammenschütten der Proben die Viren noch erkennbar sind, habe man an den ersten Testtagen einen Grossteil der Einzelproben zusätzlich ausgewertet – ohne dass ein positives Ergebnis des Pools vorhanden war. Gemäss Pfister sind hierbei keine Abweichungen festgestellt worden.

Hingegen habe es bei der Logistik zu Beginn noch einige Feinjustierungen benötigt, erzählt Bildungsdirektor Schleiss:

«Insbesondere bei höheren Kantiklassen, welche sich oft auf verschiedene Kurse aufteilen, mussten wir die vorgedruckten Beschriftungsbogen anpassen.»

Zudem gibt es nun neu beim Contact-Tracing eine Frühschicht, welche positiv getestete Schüler noch vor Schulbeginn über ihre Corona-Infektion informiert.

Doch der Aufwand lohne sich, sagen die beiden Regierungsräte. Pfister: «Schüler und Lehrer können so wieder mit Gelassenheit Schule haben.» Auch Klassenlager und Berufswahlveranstaltungen seien wieder möglich. «Zudem erhalten Betriebe, welche Schnupperlehren anbieten, mehr Sicherheit.» Die Regierung fasse nun weitere Erleichterungen ins Auge. Solche könne man sich in Bezug auf die Maskentragepflicht vorstellen.

Eine vertiefte Zwischenbilanz und Entscheide zum weiteren Vorgehen sowie mögliche Lockerungen ziehen die Zuger Regierungsräte jedoch erst in rund drei Wochen in Betracht – vier Wochen nach dem Start der Reihentests.

Die Schülerinnen und Schüler in Menzingen folgen den Instruktionen, um den Test vorzunehmen.

Video: Sophie Müller/ Tele 1