Erster Vortrag nach dem Lockdown in der Bibliothek Zug: Wenn Angst und Wut Chancen sind

Am Donnerstagabend, 18. Juni, öffnete die Stadtbibliothek Zug das erste Mal nach dem Lockdown wieder seine Türen.

Lena Dysli
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Christiane Dubuis spricht über die menschlichen Grundgefühle Wut und Angst.

Christiane Dubuis spricht über die menschlichen Grundgefühle Wut und Angst.

Bild: Maria Schmid (Zug, 18. Juni 2020)

Ob man will oder nicht. Angst und Wut begleiten den Menschen ein Leben lang und besonders dann, wenn die Welt Kopf steht. Seit mehreren Monaten nun, sorgt der Ausnahmezustand für grosse Ungewissheit, wobei existenzielle Fragen auftauchen und weltweit Angst und Wut im Volk auslösen. Dabei werden diese zwei menschlichen Grundgefühle und besonders deren Chancen, nur selten angesprochen.

Anders jedoch, war dies am vergangenen Donnerstagabend. Im strömenden Regen wurden die Türen der Zuger Stadtbibliothek das erste Mal nach dem Lockdown wieder geöffnet, wobei «Angst und Wut», im Rahmen der Palliativ Zug, aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet wurden. 40 Personen trafen sich unter Befolgung von Sicherheitsmassnahmen, um gemeinsam den menschlichen Grundgefühlen auf die Spur zu gehen und sich der Risiken und Chancen intensiver Gefühle bewusst zu werden. Christiane Dubuis, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP sowie Leiterin der psychologischen Fachführung der SBB Care, erläuterte während ihres Referats, dass es gerade in ungewohnten Situationen und Zeiten der Unruhe wichtig sei, sich für das eigene Wohlbefinden Zeit zu nehmen und sich selbst zu reflektieren.

Wut macht sich nach aussen bemerkbar

Angst und Wut sind beides Grundgefühle, hängen somit stark zusammen und liegen auf derselben Achse. Der grosse Unterschied ist jedoch, dass sich Wut grundsätzlich nach aussen bemerkbar macht und Angst eine innere Spannung ist, die sich nicht gegen aussen entlädt. Neben vielen Risiken dieser beiden Gefühle entstehen auch Chancen. Angst nämlich, hat die biologische Funktion, auf Gefahren aufmerksam zu machen, den Menschen zu schützen und die Reaktionsbereitschaft des Körpers zu erhöhen. Beispielsweise, ermöglichte die Angst einer Ansteckungsgefahr an Corona, dass das Volk mehrheitlich zu Hause blieb.

Nicht durch Angst oder Wut dominieren lassen

Wut bewirkt aktuell, dass Menschen sich für einheitliche Rechte einsetzen, wobei Hautfarbe oder Herkunft nicht länger Grund der Einschränkung sein dürfen. Solche Bewegungen stehen in engem Zusammenhang mit Angst und Wut. Dabei sollte jedoch stets differenziert werden, ob die Angst oder Wut real ist oder ob allenfalls ein Defizit zwischen Anforderung und persönlicher Kompetenzeinschätzung herrscht. Denn sobald Ängste einen Menschen zu stark beeinträchtigen und es sogar zum Bewältigungsversuch mithilfe Alkohol- oder sonstigem Drogenkonsum kommt, ist die Belastung zu stark und es sollte schnellstmöglich professionelle Hilfe eingeschaltet werden. «Man soll Risiken und Chancen jeder Emotion bestmöglich erkennen, die ganze Palette der menschlichen Gefühle zulassen, um schliesslich das Leben in voller Intensität geniessen zu können», erklärte Christiane Dubuis am Ende ihres Referats.

Auch Rita Fasler, die zuständig ist für die Leitung der Informations- und Beratungsstelle der Palliativ Zug, betonte zum Schluss: «Ich wünsche mir von der Zuger Bevölkerung das vermehrte Bewusstsein, dass Palliativ Care jeden betreffen kann. Das Leben ist endlich und genau dies sollte den Menschen dazu bringen, das Beste aus dem Tag zu schöpfen.» So wurde am vergangenen Donnerstagabend die ganze Palette der Emotionen zelebriert, die unterschiedlichsten Gefühle von ihrer guten sowie schwierigen Seite betrachtet. Jeder Besucher verliess mit optimistischen Gedanken, die Bibliothek wieder und trug das dringende Verlangen in sich, in Zukunft das Beste aus jedem noch so schweren Moment zu machen.

Hinweis: Das Referat wird anschliessend als PDF im Newsletter Ende Juni 2020 erscheinen und auf der Website www.palliativ-zug.ch zugänglich sein.