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ERZÄHLUNGEN: Geschichtenabend: Als Zuger Hexen der Prozess gemacht wurde

Maria Greco nimmt die Menzinger mit auf eine Reise durch eine Zeit von Spuk und Hexen sowie Tod und Teufel. Mit den Zugern plant sie demnächst Ähnliches.
Maria Greco (stehend) fesselt die Zuschauer in der Menzinger Bibliothek mit ihren Schilderungen. (Bild: Maria Schmid (12. Januar 2018))

Maria Greco (stehend) fesselt die Zuschauer in der Menzinger Bibliothek mit ihren Schilderungen. (Bild: Maria Schmid (12. Januar 2018))

Samthandschuhe und Zuckerstangen muss man selber mitbringen. Maria Greco wendet sich lieber den unheimlichen und mitunter brutalen Teilen ihrer Geschichten zu. «Gerade die Horrorgeschichten brachten früher in langen Winternächten das nötige Feuer in die Spinnstube», erklärt sie. Diese alte Kunst des Geschichtenerzählens greift Greco auf und trägt sie in eine Zeit der medialen Reizüberflutung. Was früher Aufregung in lange Abende brachte, lädt heute zur Entschleunigung ein. Begleitet wurde sie kürzlich in der Menzinger Bibliothek von der Musikerin Christine Lauterburg, die mit schrägem Charme, Handörgeli und glockenhellem Sopran-Jodel die kuriose Atmosphäre des Abends verdichtete.

Viele der von Greco erzählten Sagen rühren an manchen Punkten ans Historische und streifen die Wirklichkeit. So erklärt die 53-jährige Baarerin, weshalb die Menzinger sich beim Teufel revanchierten, als sie all die Linden und Kreuze auf die Kuppen ihrer Hügel pflanzten. «Ich gestalte mein Programm gerne lokal, sammle und erzähle also Geschichten aus dem örtlichen Sagenkreis.»

Historiker dienen als Informationsquelle

So schildert sie auch Anekdoten, die man hier früher den ansässigen Hexen nachsagte – Menzinger und Zuger Hexen, denen später der Prozess gemacht wurde. Greco malt mit ihrer tiefen Stimme düstere Bilder. Die musikalischen Einwürfe von Christine Lauterburg tragen ihren Teil zum helvetischen Mystizismus des Abends bei. Für den Stoff ihrer Sagen dienen Greco ergiebige Quellen im Kanton Zug. Für die historischen Referenzen vertraut sie in Menzingen auf Alois Staub, der mit seinem Buch über «Die Gemeinde am Berg» ein breites Wissen über die Region zusammenstellte.

Auch in Philippe Bart vom Staatsarchiv des Kantons Zug und seiner Arbeit über Hexenverfolgungen in der Innerschweiz hat sie eine fundierte Informationsquelle. «Wenn man genau hinschaut, merkt man, dass viele unserer Sagen einen wahren Kern in sich tragen. Und wie sich die Trennschärfe zwischen Erzählung und tatsächlicher Geschichte langsam auflöst, fängt der Stoff der Sagen erst zu leben an.» Der nächste Geschichtenabend führt am 20. Januar auf den Zugersee. Auf dem «Yellow»-Schiff bei einem Drei-Gang-Menü will Greco ihre Zuhörer auf die dunklen Seiten des Sees aufmerksam machen.

Maria Greco hat sich in Zug über Jahre hinweg als vielfältige Künstlerin einen Namen gemacht: als Theaterschaffende, Geschichtenerzählerin, Leseperformerin, Autorin und auch als Kulturmanagerin und Veranstalterin. 2009 veröffentlichte sie ein Buch über Zuger Sagen, in dem sie die Früchte ihrer intensiven Recherche zu diesem Thema dokumentierte. Ausserdem veranstaltet sie den «Schrägen Mittwoch» im Theater Burgbachkeller – eine offene ­Bühne für Kleinkünstler jeglicher Couleur. Und sie arbeitet beim Liedermacherfestival Liederlich mit, das auch schon in der Galvanik gastierte.

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

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