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Leserbrief

Es braucht eine bessere Vernetzung

Zum Baarer Polit-Pavillon der FDP vom 28. bis 30. August

Mögen Sie Ironie? Bei Erwachsenen ist das in der Regel Geschmackssache. Aber bei den jüngeren Kindern gibt es eine Altersgrenze, ein Reifeübergang, vor welchem Ironie schlicht noch nicht möglich ist. Zu junge Kinder verstehen nicht, wenn jemand etwas sagt, aber eigentlich das Gegenteil meint. Wenn ein Hockeyspieler nach einer Niederlage zu seinem Teamkollegen sagt: «Das war ja ein Superspiel!», würde ein Vierjähriger womöglich fragen: «Warum? Ihr habt doch verloren.» Dieses Kind versteht Gesagtes noch wörtlich, weil ihm die neurologische Reife zur Ironie fehlt. Sein Gehirn hat die dazu nötigen Vernetzungen der beteiligten Hirnregionen noch nicht vollzogen, würden Mediziner sagen.

Der Baarer FDP-Polit-Pavillon stellte die Frage: «Wie steht es um unsere Schulen?» Zu dieser Fragestellung fand auch der Aspekt der Schulentwicklung Erwähnung. Der Dialog dazu war anregend. Die Voten blieben fair.

Dafür fehlten elementare Erkenntnisse, z. B. ob es tatsächlich Sinn macht, dass die Schule von ihren Schützlingen heute schon früh verlangt, ihr Lernen selbst zu steuern. Wenn das zu früh angefangen wird, funktioniert das genauso wenig wie die Geschichte mit der Ironie. Schulpsychologen raten davon ab, die Selbststeuerung bereits in der Primarschule in den Fokus zu nehmen. Das bleibt aber wenig beachtet. Aus der Erfahrung vieler Lehrpersonen und aus wissenschaftlichen Erhebungen wird deutlich, dass junge Menschen durchschnittlich ab zwölf Jahren dazu fähig werden, nachhaltige Selbstverantwortung aufzubauen. Trotzdem hält sich dieses Ziel z. B. im Lehrplan 21 auch für die Jüngeren.

Das sprichwörtliche Gras wächst tatsächlich nicht schneller, wenn man daran zieht. Ironischerweise passiert das aber immer wieder in der Bildungspolitik. Es wird am Gras gezogen.

Der Schulentwicklung fehlt der entscheidende Faktor: Wenn nämlich ein Politiker mit guter Absicht findet, dass die Selbstorganisation an Arbeitsplätzen heute anspruchsvoller ist als früher, und deshalb denkt, dass Kinder möglichst früh lernen sollten, sich selbst zu organisieren, dann müsste er vernetzt sein z. B. mit Psychologen, Pädagogen oder Medizinern, die ihm dann sagen können: «Ja, stimmt. Aber das Kind lernt das erst rund ab dem zwölften Lebensjahr. Vorher sollte es sich auf andere Lerninhalte konzentrieren, in denen es sich nicht vergebens abmüht.»

Und die Ironie der Geschichte? Eine solche Vernetzung auf professioneller Ebene existiert nicht. Nicht einmal die Psychologen, Pädagogen und Mediziner reden offiziell untereinander, um interdisziplinäre Erkenntnisse zu gewinnen. Das ist Schulentwicklung im Hamsterrad.

Wir brauchen erfahrene Lehrpersonen und Fachleute, die zusammen mit Politikern weit über die nächste Legislaturperiode hinausdenken, um sich in den Dienst von Generationen zu stellen.

Erfreulich wäre, wenn Gremien wie das Baarer Polit-Pavillon der FDP Mitdenker für eine solche Plattform gewinnen und zusammenführen könnten. Wie es dann um unsere Schule steht, wäre mehr als interessant.

Stefan Dittli, Primarlehrer MS2, Schulen Baar, Erwachsenenbildner, Praxis Coach PH Zug, Aristau

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