Leserbrief

Es braucht eine Buslinie zwischen den Kantonen am rechten Zugerseeufer

«Auch in Schwyz chancenlos», Ausgabe vom 20.Mai

Urspeter Schelbert, Walchwil
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Engstirniger Kantönligeist und kleinkarierter Dörfligeist zum Zweiten: Die von Regierungsrat Othmar Reichmuth zu verantwortende, voraussichtliche Kappung der Buslinie zwischen den Kantonen Zug und Schwyz am rechten Ufer des Zugersees widerspiegelt ein eigenartiges Planungs-, Demokratie- und Vertrauensverständnis. Sie ist geprägt von einem vor allem technokratisch begründeten Entscheid, der kurzfristig vielleicht ein fahrplantechnisches Problemchen löst, aber mittel- bis langfristig nur negative gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen hat.

Erstens: Wo bleibt die Umsetzung der «Gesamtverkehrsstrategie des Kantons Schwyz 2040» des Regierungsrats, von der der Schwyzer Kantonsrat am 30.Mai 2017 zustimmend Kenntnis nahm? Darin wird die bestehende Buslinie 21 mit keinem Wort in Frage gestellt. Im Gegenteil wird festgehalten: «Die aktuelle Erschliessungsqualität (des ÖV) muss in allen Gemeinden mindestens erhalten bleiben.» Im Bericht beschreibt der Regierungsrat, wie die Verkehrsträger Bus und Bahn aufeinander abgestimmt werden sollen und sich in ihren Aufgaben zu ergänzen haben. Die bestehende Buslinie 21 erschliesst die neuen und stetig wachsenden Wohnquartiere am östlichen Ausgang von Arth, sie dient der Erschliessung des Gewerbebereichs bei der Kapelle St.Adrian (Haltestelle Rötlen) wie auch der im Bau befindlichen grösseren Überbauung Rufibach auf Arther Boden an der Zuger Kantonsgrenze. Ob dereinst die Schulkinder der Strasse entlang ins schwyzerische Arth pilgern müssen oder ins zugerische Walchwil dürfen? Der Erhalt der Verbindung wäre ein sichtbares Zeichen von den Behörden beider Kantone sowie der betroffenen Gemeinden der Anerkennung und Wertschätzung für die gemeinsamen kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der Bevölkerung von Arth und Walchwil sowie der Kantone Schwyz und Zug insgesamt. Er wäre auch eine Investition für die stetig alternde Bevölkerung, die mobil bleiben will und deshalb auf nahe gelegene Haltstellen angewiesen ist.

Zweitens: Der überraschende Entscheid des Schwyzer Regierungsrates beschädigt das Vertrauen eines grossen Teils der Bevölkerung in die Planungssicherheit. Die aufwendig erarbeitete und teure Gesamtverkehrsstrategie wird damit in Teilen zur billigen Makulatur. Der Regierungsrat missachtet damit auch den Willen seines Kantonsparlaments. Sollte solches politisches Verhalten Schule machen, dann werden – wie hüst und hott – wohl bald da und dort weitere ÖV-Linien gestrichen.

Der demokratisch gewählte Regierungs- und Ständerat Reichmuth hat seine demokratische Wertschätzung von 600 Bürgerinnen und Bürgern, die sich für ihre Sache in einer Petition wehren, mit seiner Aussage deutlich zum Ausdruck gebracht: «Wir (gemeint war ich) können uns nicht nach Einzelbedürfnissen richten.» Ist das ein sachliches, zukunftsgerichtetes Argument?

Drittens: Statt nur zu jammern, ein Vorschlag. Die Linie 21 könnte ja auch stündlich in die Linie 1 Muotathal-Schwyz-Lauerz-Arth-Goldau-Arth-Walchwil-Zug integriert werden. Damit würden einerseits in der Feinverteilung grössere Wohn- und Arbeitsregionen besser erschlossen und anderseits die Knotenpunkte mit Bahnanschluss (Schwyz, Arth-Goldau, Zug) aufgewertet werden. Die Aufgabenteilung Bahn-Zug wird in der Verkehrsstrategie ausdrücklich gefordert. Mittelfristig ist der Linie 1 bis nach Zug ein volkswirtschaftlicher Gewinn sicher. Ebenso ist das touristische Potenzial einer solchen Linie nicht zu unterschätzen: Erholungsraum Muotathal, Winter- und Sommersport auf dem Stoos, Wandergebiete Rothenfluh, Ibergeregg, Rigi und Zugerberg sowie Anschluss an Zugerseeschifffahrt, um nur einige Aspekte zu nennen. In diesem Zusammenhang ist an das heute vergessene, jahrelange Gezänk, um eine durchgehende Linienführung entlang des Vierwaldstättersee zu erinnern. Endlich, 2004 war es so weit. Heute ist die Riviera-Linie 2 Schwyz-Brunnen-Gersau-See-Gemeinden-Küssnacht Paradestrecke und eine Erfolgsgeschichte.

Warum nicht eine weitere Erfolgsgeschichte schreiben: Es böte sich mit einigem guten Willen und etwas Mut auch jetzt noch die einmalige Gelegenheit, mit einer Linie Muotathal-Schwyz-Arth-Walchwil-Zug etwas Zukunftsträchtiges zu schaffen. Ob diese Linie dereinst «Reichmuth-Linie» getauft werden könnte?