«Es braucht jetzt eine neue Generation Parlamentarier im Nationalrat»

Stefan Thöni von der Piratenpartei kandidiert für den Nationalrat

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Der Steinhauser Stefan Thöni will nach Bern und kandidiert für den Nationalrat.

Stefan Thöni, weshalb haben Sie sich für eine Kandidatur als Nationalrat entschieden?

Stefan Thöni: Zug braucht Alternativen, da die etablierten Parteien keine ­Konzepte für den rasanten digitalen Wandel haben. Es fehlt im Parlament das Bewusstsein für die Möglichkeiten und Gefahren, welche die Allgegenwärtigkeit von kleinen Computern und grossen Netzwerken mit sich bringt. Deshalb kandidiere ich für den Nationalrat, um dieses Bewusstsein in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Was sind Ihre drei wichtigsten Themen, für die Sie sich im Nationalrat einsetzen würden?

Thöni: Erstes Thema ist für mich der bessere Schutz der Privatsphäre und der digitalen Persönlichkeit vor nimmersatten Konzernen und der masslosen staatlichen Überwachung. Der Staat muss die Menschen vor Spionage und Verlust der informationellen Selbstbestimmung schützen, statt in immer neue Überwachungsmöglichkeiten zu investieren. Für ebenso wichtig erachte ich einen transparenten Staat. Insbesondere die Politik, die Parteienfinanzierung und das Lobby­wesen müssen für den Bürger durchschaubarer werden. Auch Justiz und Verwaltung verstecken sich zu sehr hinter den Aktenbergen und geben wichtige Informationen oft nur sehr zögerlich frei. Das will ich ändern. Auch der ins Stocken geratene Ausbau des öffentlichen Verkehrs muss weiter vorangetrieben werden. An vollen Zügen und Bussen erkennt man, dass der Nachholbedarf noch riesig ist. Dabei muss die Schweiz auch auf neuste Technologien setzen, um trotz knappem Platz allen Menschen die gewünschte Mobilität ohne Staus zu bieten.

Der Kanton Zug stellt drei Nationalräte, und alle kandidieren wieder. Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchancen?

Thöni: Seien wir ehrlich, die Chancen stehen nicht gut. Die Konkurrenz hat finanziell längere Spiesse und die berüchtigteren Kandidaten. Aber eine demokratische Wahl braucht Auswahl. Diese möchte ich den Bürgern bieten. Ich hoffe aber, dass sich die Zugerinnen und Zuger diesmal für eine ausgeglichenere Vertretung in Bern entscheiden.

Weshalb sollen die Zuger ausgerechnet Sie wählen?

Thöni: Weil ich das Digitale im Blut habe und neue Technologien verstehe. Es braucht jetzt eine neue Generation von Parlamentariern im Nationalrat, die die digitale Zukunft gestalten, statt davor Angst zu haben und mit Verboten zu reagieren. Ich will die digitale Wirtschaft in der Schweiz ankurbeln und Start-ups und KMU eine Chance geben, statt das Feld internationalen Grosskonzernen zu überlassen. Und weil ich die persönlichen Freiheiten aller Menschen immer voranstelle. Ich werde vor Terror und Ungerechtigkeit nicht kapitulieren, indem ich die Freiheiten, die Fanatiker verabscheuen und Verbrecher ausnutzen, vorauseilend für alle abbaue.

Persönlich

Stefan Thöni ist 29 Jahre alt und wohnt in Steinhausen. Der Informatikingenieur ist ledig und hat keine Kinder. Thöni politisiert seit 2009 für die Piratenpartei und ist seit letztem Jahr deren Co-Präsident.

Alle bisher erschienenen Interviews mit den Nationalratskandidaten gibt es unter www.zugerzeitung.ch/wahlen