LEserbrief
Es droht ein Teufelskreis

«Eine Lehre fürs Leben», Ausgabe vom 22. Januar

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Für eine Schlägerei braucht es immer zwei. So ein Konflikt entsteht in der Regel nicht von einem Tag auf den andern, und wenn man schliesslich die verschiedenen Stufen einer Eskalation näher betrachtet, gibt es meist am Schluss nur Verlierer. Am Anfang ist es vielleicht nur ein gelegentliches Aufeinanderprallen von Meinungen. Aber Meinungs­verschiedenheiten können natürlich schon ein Auslöser für Streit sein. Man will den anderen unter Druck setzen. Es findet keine verbale Kommunikation mehr statt und der Konflikt verstärkt sich. Man sucht sich Sympathisanten für seine Sache. Da man sich im Recht glaubt, kann man den Gegner denunzieren. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern darum, zu gewinnen.

Der Gegner soll in seiner Identität vernichtet werden durch alle möglichen Unterstellungen oder Ähnliches. Gesichtsverlust bedeutet in diesem Sinne Verlust der moralischen Glaubwürdigkeit. Mit Drohungen versuchen die Konfliktparteien, die Situation absolut zu kontrollieren. Sie soll die eigene Macht veranschaulichen. Ab jetzt wird ein begrenzter eigener Schaden schon als Gewinn angesehen, sollte der des Gegners grösser sein. Man kalkuliert die eigene Vernichtung mit ein, um den Gegner zu besiegen.

Menschen tragen Spannungen in sich, weil sie unterschiedlich stark dazu neigen, eigene Schwächen nur schwer annehmen zu können. Damit verbundene Verhaltensweisen werden in der Folge anderen zugeschrieben oder sogar als von diesen verursacht erlebt, was allerdings mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen einhergeht.

Es droht dadurch ein Teufelskreis von zunehmender Anspannung, neuen Projektionen und gegebenenfalls Überreaktionen gegenüber Anderen, die weitere Spannungen und Frustrationen erzeugen. Es mag viele Gründe geben, wieso der Mensch so handelt und reagiert. Meiner Ansicht nach entsteht viel Gutes, aber auch Negatives im familiären Umfeld. Und so denke ich, dass gewisse Eltern ihren Kindern besser eine solide Erziehung zukommen lassen sollten, denn so musste nicht nur der eine Beteiligte eine Lehre fürs Leben einstecken, sondern der andere genauso.

Peter Stutzer, Hünenberg