Leserbrief
Es fehlt an Perspektiven

Zum Umgang des Bundesrats mit der Covid-19-Pandemie

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Die Diktaturvorwürfe der SVP Richtung Bundesrat mögen polemischer Natur sein. Dennoch sind auch bei uns totalitäre Tendenzen auszumachen. Der Begriff des Coronaleugners etwa findet für all jene seine Verwendung, die der Thematik skeptisch gegenüberstehen. Und wer heutzutage mit seiner Wortwahl nicht dem vorherrschenden Zeitgeist der politischen Korrektheit entspricht, die Gendergerechtigkeit oder den Klimawandel nicht als unumstössliche Fakten anerkennen will, gerät in Gefahr, gesellschaftlich ins Abseits gestellt zu werden.

Gleichwohl ist ein Versagen des Bundesrats bezüglich seines Coronamanagements allgegenwärtig feststellbar. So hätte zum Beispiel mit rechtzeitigen Grenzschliessungen auch im Landesinneren, im Frühling zum Tessin und dann im Herbst zur Romandie das Anrollen der ersten respektive zweiten Welle zumindest ausgebremst werden können. Ein Szenario, das sich nun zu wiederholen scheint. In Frankreich und Italien greift offenbar bereits die dritte Welle um sich. Fehlende Masken und Desinfektionsmittel zu Beginn der Pandemie oder die für den Pharmastandort Schweiz beschämenden Probleme bei der aktuellen Umsetzung der Impfkampagne lassen die bundesrätliche Strategie im Kampf gegen Covid-19 zusätzlich in keinem guten Licht erscheinen.

Dieses Zaudern der Landesregierung lässt sich auch mit den teilweise fragwürdigen Expertisen seines einseitig zusammengesetzten Beratergremiums der Taskforce erklären, in die eben auch überzeugte Marktwirtschafter gehörten. Darüber hinaus fehlt es an Perspektiven, gerade auch für die durch die Krise arg gebeutelten Wirtschaftszweige wie eine Gastrobranche.

Während der britische Premier Johnson den Briten je nach Verlauf der Pandemie ein Ende aller Einschränkungen bis im Juni in Aussicht stellt, schweigt sich der Bundesrat diesbezüglich aus und beharrt weiter auf seiner perspektivlosen Linie.

Otto Rölli junior, Menzingen