Leserbrief

Es geht um Macht und Geld

«Wie Athletinnen gebrochen werden», Ausgabe vom 2. November

Drucken
Teilen

Ich habe den Artikel mit grosser Entrüstung gelesen. Es ist eine Schande, dass sich ein so grosser Verband wie der Schweizerische Turnverband (STV) vor den internen Geschehnissen mehr als nur verschliesst, sonst hätte man umgehend eine neue und nachhaltige Trainerlösung gesucht und nicht mit dem umstrittenen Kunstturnnationaltrainer Fabien Martin den Arbeitsvertrag bis ins Jahr 2024 verlängert. Den Aufschrei der Athletinnen im Kunstturnen und bei der rhythmischen Sportgymnastik hat man nie ernst genommen. Viele Talente in diesen beiden Sportarten haben aufgrund der mehr als nur fraglichen Trainingsmethoden ihre Lieblingssportart verlassen und viel Talent und Hoffnungen haben sich in Luft aufgelöst. Ich habe als ehemaliger und langjähriger Funktionär der Sport Union Schweiz lange miterleben müssen, wie sich der STV um Macht, um Macht und nochmals um Macht auf eine Art und Weise bemüht, die mehr als nur schlechte Vorzeichen für den Turnsport, aber auch für den Spitzensport und für den Breitensport bedeuten. Diese schon länger bekannten negativen Abläufe im Spitzensport beim Kunstturnen lassen wohl jetzt hoffentlich das Fass endlich überlaufen. Es gibt genügend Beispiele aus der Vergangenheit, die mit Sport als solches nichts mehr zu tun haben. Bevor zum Beispiel Volleyball und Handball eigenständige Verbände wurden und sich vom STV ablösen konnten, haben sich Diskussionen ergeben, die dem Sport als solches überhaupt nicht nützlich sind. Das neueste Beispiel ist der Korbballsport, wo Vereine aus der Sport Union Schweiz Mitglied im STV werden müssen (und somit eine Doppelmitgliedschaft besteht), wenn sie in den beiden höchsten Ligen mittun wollen. Zudem zeigen die noch nicht abgeschlossenen Diskussionen um den Faustballsport in der Schweiz, was die Grundlage für die Überlegungen des STV sind. Als ehemaliger Spitzenschiedsrichter im Korbball und als immer noch Finanzverantwortlicher des Internationalen Faustballsportverbandes habe ich grosse Erfahrungen mit dem STV gemacht. Der grösste Teil war nicht nur erfolgreich. Es geht beim STV schon seit vielen Jahren nur um Macht, um finanzielle Abhängigkeit, um viel Geld. Dass dieses Verhalten für den Spitzensport und den Breitensport mehr als hinderlich ist, zeigen die aktuellen Beispiele. Der STV ist nach wie vor der Meinung, dass nur er Spitzensport und Breitsport betreiben kann, was ja auch die Einverleibung des Schweizerischen Arbeiter- und Sportverbands (Satus) in den STV beweist. Viel zu sagen hat der Satus nicht mehr. Ob dies für die Zukunft das Mass aller Dinge sein soll?

Franz P. Iten, Unterägeri