Leserbrief

Es gibt keinen Plan B, der verantwortbar wäre

«Naherholung beim Förderband», Ausgabe vom 12. Mai

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Max Gisler, der sich in einem Leserbrief über den geplanten Kiesabbau in Hatwil vernehmen liess, ist nicht irgendjemand. Er war jahrzehntelang der Generalsekretär der Baudirektion des Kantons Zug. In dieser Rolle hat er die Entwicklung des Kantons Zug aus nächster Nähe mitbekommen und auch mitgeprägt.

Es kommt nun völlig unglaubwürdig daher, wenn er jetzt, wider besserem Wissen, seine Argumente für einen Kiesabbau, plötzlich um 180 Grad dreht und dagegen ist. Gerne möchte ich nachweisen, dass sich seine Argumente bei näherer Prüfung in nichts auflösen. Klar ist, dass ein Kiesabbau dort stattfinden muss, wo der Kies liegt. Dass dabei Landschaften temporär beeinflusst werden, liegt in der Natur der Sache. Ebenso nachgewiesen und auch bei den Gegnern anerkannt ist aber die Tatsache, dass offene Kiesgruben äusserst interessante Ökoanlagen sind. Diese kompensieren die vorübergehende Nutzung der Fläche mehr als genug. Falsch ist auch, dass mit dem Vorhaben die Industrie ausgeweitet werden soll. Die Förder- und Transportanlagen werden unter Terrain gebaut und stören niemanden.

Die Produktionsanlagen in Cham/Niederwil bestehen seit Jahrzehnten und können auch für den Kies aus Hatwil benutzt werden. Das Baustoffzentrum in Cham hat sich zum führenden Standort für die Versorgung der Bauindustrie nicht zuletzt auch mit Recyclingprodukten entwickelt. Max Gisler probiert zu suggerieren, dass sich ein ausländischer Grosskonzern hier einnistet. Die Tatsache sieht so aus: Der Abbau wird von der Risi AG, einer Chamer Unternehmung, die soeben 90 Jahre alt geworden ist, die 30 Personen beschäftigt und ihre Steuern in Cham und dem Kanton Zug bezahlt, gemacht. Die Risi AG gehört der Jura Holding, einer schweizweit tätigen Baustoffunternehmung, die schweizerischer nicht sein könnte. Die Jura wiederum gehört, wie viele anderen Firmen auch, in eine irische Gruppe (CRH), die hinter der Lafarge Holcim, die Nummer 2 weltweit ist. Was daran schlecht sein soll, weiss vermutlich nur Max Gisler.

Eine Schlussfolgerung, nämlich die, dass der Kanton Zug nicht Selbstversorger sein muss, ist aber komplett falsch und dieser gilt es vehement dagegenzuhalten. Wenn er die Unterlagen der Baudirektion zur Vorlage gelesen und sich ein wenig mit der Materie befasst hätte, wüsste er, dass eine Versorgung ausserhalb des Kantons nur schwierig zu realisieren wäre und dies erst noch zu einem hohen Preis (ökonomisch, wie auch ökologisch).

Der Kanton Zürich ist selber am Anschlag und kann nicht mehr Kies produzieren beziehungsweise hat Abbaubeschränkungen, wie es der Kanton Zug auch kennt. Der Kanton Luzern importiert selber mehr als die Hälfte seines Bedarfs aus dem Kanton Nidwalden (Seeabbau). Der Kanton Schwyz hat keinen geeigneten Kies. So bliebe der Kanton Aargau, der eventuell exportieren könnte. Wir sprechen von einem Bedarf von zirka 600 000 Kubikmeter Kiesprodukte, die der Markt seit Jahren braucht. Wenn man die gesamte Menge aus dem Kanton Aargau importieren würde, immer vorausgesetzt, das ginge, bedeutet das zusätzlich 40 000 LKW-Fahrten mit dem entsprechenden CO2-Ausstoss. Diese LKW fahren total 4 Millionen Kilometer, im Vergleich zu null Kilometer für den Fall, dass der Kanton Zug ein Selbstversorger bleibt.

Zudem müsste man für zirka 500 000 Kubikmeter Aushubmaterial entweder Deponien im Kanton Zug finden oder dann auch exportieren, was die ökologische Rechnung quasi Faktor zwei verschlechtert. Nicht zu sprechen von Abhängigkeiten von Dritten, die enorme Nachteile bedeuten können. Für die Bauindustrie, die von Kies und Aushub lebt, wäre dieses Szenario schlimmer als die Coronakrise. Es mutet schon fast zynisch an, wenn Max Gisler «seine» Landschaft erhalten will, die verheerenden ökologischen Konsequenzen seiner Argumente aber mit keinem Wort erwähnt. So schön es wäre, aber ihr uns vorgegaukeltes problemloses Leben funktioniert leider so nicht!

In diesem Sinne ist die Zuger Bauindustrie fundamental auf den neuen Kiesabbau in Hatwil angewiesen. Es gibt keinen Plan B, der verantwortbar wäre.

Adrian Risi, SVP-Kantonsrat, Zug