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«Es herrscht zwar Ordnung, aber die Existenz ist weg»

Nachgefragt
Martin Pfister, Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums im Schluechthof (LBBZ). (Bild: Stefan Kaiser)

Martin Pfister, Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums im Schluechthof (LBBZ). (Bild: Stefan Kaiser)

Martin Pfister, Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Schluechthof in Cham (LBBZ), kennt das Problem einer Betriebsaufgabe und betont dabei vor allem die emotionale Komponente.

Martin Pfister, kommt es öfter vor, dass Landwirte aufgrund einer Betriebsaufgabe ihr Vieh und die Fahrhabe versteigern müssen?

Das ist dem allgemeinen Strukturwandel geschuldet. Meiner Einschätzung nach sind es aufgrund dieses Wandels ungefähr 2 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe, die pro Jahr aufhören. Im Kanton Zug sprechen wir von 550 Betrieben, rund zehn Bauernhöfe geben demnach pro Jahr ihren Betrieb auf. Meist passiert das, sobald der Generationenwechsel ansteht. Eine klassische Versteigerung wie die in Allenwinden ist eher selten und kommt im Kanton Zug im Durchschnitt einmal im Jahr vor. Oft wird das Land an die Nachbarschaft verpachtet oder verkauft. Maschinen werden heute immer öfter über das Internet versteigert.

Haben sich die Zahlen in den letzten Jahren verändert?

Nein, die sind seit zehn Jahren ziemlich konstant.

Was bedeutet die Aufgabe des Betriebs für die betroffenen Bauern?

Bei einem Bauern sind Familie und Arbeit nicht klassisch voneinander getrennt, sondern stehen sich sehr nahe. Deshalb ist das Ganze emotional eine sehr schwierige Angelegenheit.

Welche Gründe sprechen für eine Versteigerung?

Man könnte es als Ende mit Schrecken bezeichnen. Die andere Möglichkeit ist, dass man über ein Jahr hinweg immer wieder Maschinen und Vieh verkauft. Es ist aber so, dass man bei einer Versteigerung zuschaut, wie der ganze Besitz, für den eine Generation lang gearbeitet wurde, von einem Tag auf den anderen weg sein wird. Es wird sozusagen reiner Tisch gemacht. Deshalb ist der Abend nach der Versteigerung auch der schwierigste. Es herrscht zwar Ordnung, aber die Existenz ist weg.

Wie läuft eine Versteigerung in diesem Ausmass ab?

Sie hat Volksfest-Charakter. Es kommen Bauern von Betrieben aus der direkten Nachbarschaft, aus der Region, aber auch welche aus der ganzen Schweiz. So könnte im Fall von Allenwinden mit gut 1000 Personen gerechnet werden, die am Samstag auftauchen. Eine Versteigerung ist in diesem Sinne auch eine Art Treffpunkt.

Bietet das Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum auch im Fall von Versteigerungen Unterstützung an?

Nein, aber wir beraten im Falle von Betriebsaufgaben. Dabei geht es etwa um steuerliche Fragen oder um den Landbesitz, der weiter verpachtet oder verkauft werden soll. Es geht auch um die Frage «Wie weiter?». (mua)

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