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Cham: Weshalb eine Sitzbank wie eine Tarnkappe funktioniert

Auf einer Bank zu sitzen, hat denselben Effekt wie eine Tarnkappe aufzuhaben: Die Umwelt nimmt einen nicht mehr wahr. Wer sich davon überzeugen will, kann das beispielsweise am Hafen in Cham tun.
Raphael Biermayr
Auf dieser Bank in Cham sitzt jemand – oder etwa nicht? (Bild: Maria Schmid (12. Juli 2018))

Auf dieser Bank in Cham sitzt jemand – oder etwa nicht? (Bild: Maria Schmid (12. Juli 2018))

Wer auf einer Bank Platz nimmt, der nimmt sich raus aus dem Geschehen. Wer auf einer Bank sitzt, der darf mit seinem Blick beispielsweise ungerügt, da unbemerkt vorbeispazierenden Personen folgen. Wer auf einer Bank sitzt, darf sitzen bleiben, wenn sich andere abmühen. Wer auf einer Bank sitzt, der strahlt eine unantastbare Lässigkeit aus. So wie lebensbeseelte Rentner, die ihre Tauben klischeegemäss immer auf Parkbänken sitzend füttern.

Hommage an eine vergessene Band

Doch es geht um weit mehr: Wer auf einer Bank sitzt, ist gewissermassen nicht da; er nimmt sich eine Auszeit und wird unsichtbar, mitunter sogar mitten im öffentlichen Raum. Frei nach der völlig zu Unrecht vergessenen Band Taxi und ihrem Hit «Campari Soda» lässt sich sagen: Es ist, als gäbe es denjenigen nicht mehr.

Sofort mit dem Auftreffen des Hinterteils auf der Sitzgelegenheit nimmt man also eine Beobachterrolle ein, die – wie einem ungeschriebenen Gesetz folgend – allseits gebilligt wird. Man würde einem Bankbesetzer niemals schlechte Absichten unterstellen. Nicht nur das unterscheidet ihn vom Bankvertreter.

Wenn wir gerade beim Stichwort Vertrauenswürdigkeit sind: Es kann kein Zufall sein, dass in Filmen konspirative Treffen häufig auf Parkbänken stattfinden. (Es soll an dieser Stelle einmal festgehalten werden, dass Löcher in der Zeitung, um andere vermeintlich unauffällig beobachten zu können, bei spionierenden Bankbesetzern nicht nur lächerlich aussehen, sondern ganz und gar unnötig sind!)

Grosse Fragen des Lebens

Wer den Bank-Tarnkappen-Test machen will, dem sei während der Sommerferien eine Sitzgelegenheit beim Hafen in Cham empfohlen. Hier spielt sich das pralle Leben einer Seegemeinde ab: Kreischende Kinder in der benachbarten Badi und hochrotköpfige Hobbykapitäne bilden üblicherweise die Kulisse. Es dürfte bei manchen Erinnerungen wecken, zu sehen, wie die Pubertierenden auf dem Sprungturm in der Ferne vor der lebenswichtigen Frage stehen, ob sie vom Fünfmeterbrett springen oder nicht. Hier gilt: Wer heruntersteigt, hat verloren. Als Beobachter auf der Bank sitzend, lassen einem diese Gedanken längst nicht mehr die Knie schlottern.

Für heimliche Schadenfreude in der Nähe sorgt, wenn jemand beim Ein- oder Auswassern seines Boots auf der Rampe einen Rutschtanz aufführt. Hier gilt: Wer das Smartphone noch beziehungsweise schon im Hosensack hat, hat verloren.

Während Passanten in dieser Situation um Hilfe gebeten oder für ihr zu spät verstecktes Schmunzeln wenigstens abschätzig beäugt oder offen beschimpft werden, ist der Bankbesetzer fein raus: Er beobachtet bloss und lächelt in sich hinein.

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