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«Es ist auch denkbar, dass grössere Produzenten aufhören»

Martin Pfister, der Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums (LBBZ) Schluechthof in Cham, kennt die Situation der Zuger Milchbauern und spricht im Kurzinterview über die aktuellen Herausforderungen.
Martin Pfister. (Bild: Stefan Kaiser)

Martin Pfister. (Bild: Stefan Kaiser)

Wie beurteilen Sie die Situation, in der sich die Milchbauern derzeit befinden?

Die Situation ist, wie schon in den letzten Jahren, nicht motivierend. Viele Milchbauern stehen ihr ohnmächtig gegenüber. Sie sehen, dass bei einem sinkenden Milchpreis in der EU unser Milchpreis auch sinkt; wenn er in der EU steigt, passiert hier aber nichts. Die Marktmacht liegt in der Schweiz klar auf der Seite des Detailhandels und der Verarbeiter. Die Situation ist aber nicht für alle Milchproduzenten gleich. Wer das Glück hat, in einen traditionellen Käsekanal wie etwa Gruyère liefern zu können, hat einen sehr hohen Milchpreis. Auch wenn die Milch zu einer innova­tiven Käserei geht, profitieren einige Milchproduzenten von einem höheren Milchpreis.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Zuger Bauern? Gibt es viele, die sich aktuell überlegen aus der Produktion auszusteigen?

Ja, es gibt einige. Es ist auch denkbar, dass grössere Produzenten aufhören. Wir wissen, dass es einige Produzenten gibt, die erhebliche finanzielle Probleme haben. Wenn man mit Stallbaufirmen spricht, hört man von diesen auch, dass momentan sehr wenig in die Milchproduktion investiert wird.

Wie viel müsste ein Bauer pro Liter Milch bekommen, um rentabel produzieren zu können?

Mit 70 bis 80 Rappen wäre es sicher deutlich einfacher, Milch zu produzieren. Da würden sicher auch einige, die jetzt aufhören, weiter produzieren. Doch es herrschen extreme Unterschiede. Es gibt auch heute noch Landwirte, bei denen die Milchproduktion so gut läuft, dass sie auch bei einem tieferen Milchpreis wirtschaftlich produzieren können. Auf der anderen Seite gibt es Landwirte, bei denen auch ein hoher Milchpreis nicht viel helfen würde. Generell lässt sich aber sagen, dass es für alle sehr schwierig ist, wenn der Milchpreis dauerhaft auf 50 Rappen bleiben wird. Sollte dieses Szenario eintreffen, gehe ich davon aus, dass noch mehr aussteigen werden. Im Gegensatz zur Vergangenheit würde dann die in der Schweiz produzierte Milchmenge deutlich zurückgehen, da ich bei einem solchen Milchpreis nicht davon ausgehe, dass die wachsenden Betriebe die wegfallende Menge der aufgebenden Betriebe produzieren werden.

Die Zahl der Milchproduzenten ist im Kanton Zug stetig gesunken. Ist diese Entwicklung für Sie besorgniserregend?

Grundsätzlich ist dies der normale Strukturwandel. Der läuft seit Jahrzehnten. Diesbezüglich ist es also nicht besorgniserregend. Es gibt aber erhebliche Bedenken, dass durch den nun im Gegensatz zur EU andauernd tiefen Milchpreis viele Bauern aus der Produktion aussteigen und die Milchproduktion dadurch deutlich zurückgehen könnte. Eigentlich hätte die Schweizer Landwirtschaft im Wettbewerb mit der EU im Bereich der Milchproduktion gute Voraussetzungen – deutlich bessere als in anderen Produktionszweigen. Daher wurde politisch der Milchmarkt im Bereich des Käses mit der EU auch geöffnet, die anderen Produktionszweige haben nach wie vor einen hohen Grenzschutz. Für mich ist besorgniserregend, dass der Markt nicht spielt und die Milchmenge zurückgeht, weil die positiven Entwicklungen im Export nicht bis zu den Bauern kommen. Hier sehe ich den Handel und die Verarbeiter in der Pflicht. (rh)

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