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Es kommt ein wenig Wehmut auf

«Mein» Bänklein zu Hause in Sins, das mir während der letzten zwanzig Jahre so oft Platz geboten hat, ist fort. Die Stelle am Waldrand wirkt seltsam leer und es geht mir endlich ein Licht auf.
Cornelia Bisch
Sicht vom Rand des Bolwaldes Richtung Sins und in die Berge. (Bild: Cornelia Bisch (25. Juni 2018))

Sicht vom Rand des Bolwaldes Richtung Sins und in die Berge. (Bild: Cornelia Bisch (25. Juni 2018))

In Sins lebt man so richtig auf dem Land. Die Fahrt in die umliegenden Städte ist zwar kurz, aber hier herrscht doch ganz ländliche Idylle mit Kuhglockengebimmel, weiten Feldern, Wiesen und Wäldern. Ob man einen Kinderwagen vor sich herschiebt oder einen Vierbeiner Gassi führt, ob man sportlich unterwegs ist oder einfach nur bei einem Spaziergang die Gedanken ordnen will, man tritt quasi direkt von der Haustür weg in die schöne freie Natur hinaus.

Bei eben solchen Gelegenheiten, wobei ich im Falle des Hundes jeweils einen solchen bei Freunden ausleihe, schlage ich den immer gleichen Weg Richtung Osten ein. Die Strecke führt geradeaus bis zum Nachbardorf Mühlau, wobei man immer wieder links Richtung Chalchtarewald ausscheren kann, um den Abschluss einer Etappe als Rundwanderung einzuleiten.

Mein Bänklein steht fast ein wenig peinlich nahe an unserer Haustüre, am Rand des Bolwaldes, was nicht gerade auf viel Sportlichkeit meinerseits schliessen lässt. Das heisst, es stand. Denn als ich es für diesen Beitrag nach längerer Pause wieder einmal aufsuchen will, ist es zu meiner Bestürzung fort, weg, verschwunden, einfach nicht mehr da. Eine Ausbuchtung im Gebüsch lässt noch erahnen, dass da mal was stand. Nicht mehr lange und sie wird zugewachsen sein. Hundert Meter weiter steht eine schöne neue Bank aus hellem Holz. Ich lasse mich darauf nieder und fühle mich wie eine Verräterin. Ich denke nach.

Mein Bänklein war nie eine Schönheit, auch nicht besonders bequem. Jedenfalls nicht, solange ich es kannte. Mich störte das nicht, es war einfach gut gelegen. Die Bank war alt, das Holz von der Sonne ausgedörrt, vom Regen verwaschen und kaum mehr von dem seiner Umgebung zu unterscheiden. Der Lack war schon lange abgeblättert und zahlreiche Insekten, vor allem Ameisen, tummelten sich darauf herum. Hin und wieder versuchte der Wald halbherzig, sich das schmächtige Überbleibsel menschlicher Zivilisation einzuverleiben. Es war ja kaum der Mühe wert. Ein paar beherzte Schläge gegen das Unterholz seitens wackerer Gemeindearbeiter errettete die zierliche Greisin jeweils vor diesem Schicksal. Nun sind es wohl dieselben Hände, die ihr endgültig den Garaus gemacht haben.

Die Sicht aufs Dorf und in die Berge der Zentralschweiz ist von hier aus an klaren Tagen wundervoll. Früher suchte ich das Bänklein oft auf, um dem hektischen Alltag für einen Moment zu entkommen. Manchmal floh ich vor amoklaufenden Kindern – natürlich erst, nachdem Papa den Frontkampf übernommen hatte –, manchmal hoffte ich, in der Stille eine kussbereite Muse für die anstehenden Texte zu finden oder ich wollte einfach nur ein wenig draussen und für mich sein. Als die mittlerweile erwachsenen Kinder noch Knirpse waren, gab’s auf der Bank das nachmittägliche Z’Vieri. Wenn Hündchen Leo zu Besuch war und unbedingt abends nochmals raus musste, konnte man, gemütlich auf der Bank sitzend, den kleinen Vierbeiner in aller Ruhe stromern und in dem Meer betörender Düfte des Waldes und angrenzenden Feldes baden lassen.

Mitten im Ameisenquartier

Ich hatte geplant, in dieser Geschichte über den Wert des Alters zu sinnieren, sehe nun jedoch, dass man entschieden hat, diesem Alter keinen solchen mehr beizumessen. Also drängt es sich wohl auf, über die Vergänglichkeit nachzudenken. Wehmut überkommt mich. Ich spaziere zurück zur leeren Stelle und setze mich auf einen Baumstrunk in der Nähe. Emsige Ameisen überprüfen meine Schuhe auf brauchbare Vorräte. Ich beobachte, wie sie einen Krümmel mühsam und unermüdlich in Ihren Bau zurückschleppen.

Moment mal, der Ameisenhaufen liegt ja direkt hinter der Stelle, an der mein Bänklein gestanden hat! Jetzt wird mir einiges klar: Deshalb war die Bank immer von Dutzenden der biestigen kleinen Insekten übersät, die mich bei jedem Besuch früher oder später verscheuchten. Ich schüttle den Kopf über mich selbst. Wer sucht sich denn sein Lieblingsbänklein mitten im Ameisenquartier aus?! Das ist ja unmöglich, finde ich beschämt, gut, dass die Bank weg ist.

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

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