Leserbrief
Es wird nicht über das Modell, sondern über den Kredit abgestimmt

«Wie teuer sind die Kampfjets wirklich?», Ausgabe vom 4. August

Merken
Drucken
Teilen

Schon bei der Abstimmung vom 18. Mai 2014 über das «Gripen-Fonds-Gesetz» ging es nicht um den Flugzeugtyp selbst, sondern wie das Kampfflugzeug finanziert werden soll. Dass nun am 27. September 2020 zuerst über den Kreditrahmen abgestimmt wird, ist demnach nicht eine Lehre aus der Abstimmung aus dem Jahre 2014, wie das Lucien Fluri als Verfasser des Artikels wiedergibt. Damals ging es bereits um die Grundsatzfrage des Teilersatzes der Mittel der Luftwaffe, nämlich als Ablösung der Tiger-Flotte – und nicht um das Modell selbst!

Die im Bericht genannten Gegner (Gruppe Schweiz ohne Armee, SP und Grüne) wollen aber entgegen ihren Behauptungen auch keine leichten Jets für den Luftpolizeidienst, denn im Parteiprogramm der SP steht immer noch als eines ihrer Ziele die Armeeabschaffung und bei der Gruppe Schweiz ohne Armee kommt das wahre Ziel in ihrem Namen bestens zur Geltung! Zumindest die SP täte gut daran dem Souverän reinen Wein einzuschenken, anstatt mit einer Fantasiesumme von 18 bis 24 Milliarden Franken Hausieren zu gehen. Bei keiner Abstimmung, weder bei Bauprojekten noch sonstigen Beschaffungsvorhaben in unseren Parlamenten, werden die Ausgaben über die ganze Lebensdauer ausgewiesen. Das ist unseriös und reisserisch, aber tauglich in der Kommunikation der Gegner, so lange es an Argumenten fehlt!

Daniel Gruber, Zug


Am 27. September entscheidet das Stimmvolk, ob für 6 Milliarden Franken neue Kampfflugzeuge (NKF) evaluiert und beschafft werden können. Zur Modernisierung der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) und notwendiger Luftwaffen-Infrastrukturen hat der Bund weitere 2 Milliarden reserviert.

Mit der Bloodhound-Abfangrakete liess sich bis vor drei Jahrzehnten der obere Luftraum weitgehend verteidigen. Aktuell kann unsere Armee mit ihren 24 Flab-Batterien, einigen Rapier- und tragbaren Stingerraketen nur noch wenige Objekte schützen. Die Reichweite dieses Trios beträgt horizontal 5 bis 7 Kilometer, vertikal bescheidene 2000 Meter. Auch diese Systeme sind teilweise 40 Jahre alt und müssen ersetzt werden. Als Bodluv-System grosser Reichweite, die sich nicht für den Objektschutz eignen, wurden in diesem Jahr die Systeme Patriot und SAM evaluiert.

Wie effektiv ist denn ein modernes Bodluv-System im Vergleich zu neuen Kampfflugzeugen? Meines Erachtens ist der schweizerische Luftraum zu klein, um mit hoher Geschwindigkeit eindringende Angreifer mit Kampfflugzeugen abzufangen. Mit unseren stationären Radaranlagen können wir aufgrund topografischer Abschattungen, schlecht lokalisierbare Tarnkappenbomber und tief fliegende Drohnen einen Luftangriff nicht mit Alarmstarts abwehren. In diesem Punkt ist die im VBS-Strategiepapier Air 2030 definierte Anforderung – in kritischen Situationen müssen zwei Staffeln dauernd in der Luft sein – sicher richtig. Diese Forderung wird aufgrund beschränkter Verfügbarkeit moderner Flugzeuge nur während weniger Tage erfüllbar sein. Mit 40 Flugzeugen vielleicht zwei Wochen. Was kommt danach? Ich möchte, dass die Luftwaffe in erster Priorität unsere Bodluv auf Vordermann bringt und nur mit den verbleibenden Mitteln Kampfflugzeuge beschafft. Zudem: Bodluv-Waffen leben deutlich länger als Kampfflugzeuge und punkten bezüglich Kampfwertsteigerung.

Wer auf Kampfflugzeuge setzt, muss sicherstellen, dass Vorwarnzeiten von mindestens 15 Minuten erreicht werden. Mit dem verzugslosen Austausch ungefilterter Primär-Radar-Daten aufgrund bilateraler Verträge mit allen benachbarten Staaten wäre dies erreichbar.

Leider findet dieser Ansatz in einer VBS-Antwort an die Sicherheitskommission des Ständerates keinerlei Beachtung: «Neutralitätsrechtlich wäre eventuell ein einseitiger Austausch vertretbar. Die Schweiz würde Daten nur empfangen, ihre Signale aber nicht weitergeben». Eine unglaublich naive Antwort!

Für Luftpolizeidienst und das Training unserer Piloten auf modernen Kampfflugzeugen reichen 3 Milliarden Franken. Ein flächendeckendes Bodluv-System und moderne Infrastrukturen dürften aber mehr als 2 Milliarden kosten.

Weil man Kampfflugzeuge hören und gelegentlich auch bestaunen kann, werden viele Armeebefürworter der Beschaffung neuer Kampfflugzeuge zustimmen. Auch ich zähle mich zu den Armeebefürworter. Trotzdem muss ich diese Vorlage ablehnen.

Claudio Meisser, Cham