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Sogar das Sägemehl wird am Schwingfest wieder verwendet

Das Organisationskomitee des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes (Esaf) setzt auf Nachhaltigkeit. Es soll das erste klimaneutrale Esaf werden – dafür wird auf einen umfassenden Festführer verzichtet und ein Depotkonzept umgesetzt.
Andrea Muff
Nachhaltigkeit auch beim Logo: Die Esaf-Skulptur hat Künstler Stephan Schmidlin aus dem Holz des Chamer Mammutbaums erschaffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. November 2016))

Nachhaltigkeit auch beim Logo: Die Esaf-Skulptur hat Künstler Stephan Schmidlin aus dem Holz des Chamer Mammutbaums erschaffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. November 2016))

Das Sägemehl steht zwar noch nicht bereit, aber die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In rund sieben Monaten schaut die Schweiz nach Zug: Vom 23. bis 25. August findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) statt. Es ist ein Anlass der Superlative: Erwartet werden rund 300000 Besucherinnen und Besucher, die temporäre Arena bietet Platz für 56500 Zuschauer, die damit grösste ihrer Art ist, und das Festgelände wird über 70 Hektaren gross. Am Montag kommunizierte das Organisationskomitee (OK) ein neues Ziel, nämlich das bisher nachhaltigste Eidgenössische Schwingfest durchzuführen. «Es soll das erste klimaneutrale Esaf werden», sagte OK-Präsident Heinz Tännler an der Pressekonferenz. Erstmals wird an einem Eidgenössischen der sogenannte ökologische Festfussabdruck berechnet und das ausgestossene CO2 kompensiert.

Es gehe um einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt, stellte Tännler klar. Denn das Schwingfest findet in einer urbanen Umgebung statt. Diese bietet Chancen aber auch Risiken. «Die bestehende Infrastruktur und die gute ÖV-Anbindung sind grosse Vorteile, die wir nützen», erklärte Tännler. Aber auch die Bedürfnisse der Anwohner und der Stadt müssen berücksichtigt werden. «Die Nachhaltigkeit wird sowohl in der Planung, wie auch in der Umsetzung einen hohen Stellenwert einnehmen. Das ist nicht nur ein Feigenblatt», betonte er.

Einsparung von 18 Tonnen Papier

Der OK-Präsident machte sogleich Beispiele. Zum einen werde auf einen umfassenden Festführer verzichtet – dafür wurden an früheren Festen insgesamt 19,2 Tonnen Papier verwendet. «Mit dem Druck eines Miniführers und Pocketplaners können wir rund 18 Tonnen Papier einsparen», sagte Tännler. Auch mit den Sponsoren habe man schon früh das Gespräch gesucht. Diese werden wenn möglich auf ein flächendeckendes Sampling verzichten und sich an den Entsorgungs- und Umweltkosten der Samples beteiligen.

Andreas Lustenberger, Leiter der Stabstelle Nachhaltigkeit, erklärte, dass die Ziele in die drei Dimensionen, Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie aufgeteilt seinen. Zur Ökonomie gehöre etwa ein ausgeglichenes Ergebnis und zur Gesellschaft die Zufriedenheit aller Anspruchsgruppen. Die meisten Ziele finden sich aber unter Ökologie. «Ein grosses Anliegen ist, dass die Materialien wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden», führte Lustenberger aus. So werde das Sägemehl etwa für ein Kunstprojekt oder Fernwärme verwendet. «Das Ziel ist, dieses zu 100 Prozent wiederzuverwerten.»

Die Werbeblachen, die am Fest verwendet werden, sollen später beispielsweise zu Taschen vernäht werden – «quasi als Souvenir», meinte Lustenberger. Zum ersten Mal werde an einem Esaf ein Depotkonzept umgesetzt: Auf eine Glasflasche kommt einen Franken Depot. Weiter betonte Lustenberger, dass das OK auf den öffentlichen Verkehr setze: «Der ÖV ist im Ticket inbegriffen. Innerhalb von zehn Minuten ist man bei der Festmeile oder Arena.»

Auch für den Verband ein wichtiges Thema

Andreas Lustenberger ging näher auf den ökologischen Fussabdruck ein: «Dabei geht es darum, zu messen, wie viel CO2 das Fest ausstösst.» Es werde auf jede einzelne Person, die am Fest teilgenommen hat, ausgerechnet. Die Daten werden danach dem Eidgenössischen Schwingerverband für die nächsten Schwingfeste zur Verfügung gestellt.

Zudem wird ein Nachhaltigkeitsfonds eingerichtet, welcher die finanziellen Mittel zur CO2-Kompensation sowie für regionale Nachhaltigkeitsaktionen bereitstellt. Gespiesen werde der Fonds durch die Besucher und Sponsoren auf der einen und durch das Organisationskomitee auf der anderen Seite – dies zu gleichen Teilen. Die Besucher können sich etwa mit einem «Klimafranken» beim «Schwingergericht» oder im Webshop beteiligen. Die OK-Mitglieder werden einen Teil ihrer Helferentschädigung zur Verfügung stellen.

Neben der CO2-Kompensation fliesse der grössere Teil des Fonds in die Region zurück – wie etwa in Renaturierungen oder das Instandsetzen von Wanderwegen. «In diesem Bereich sind wir noch ganz am Anfang. Uns ist es ein grosses Anliegen, etwas an die Region zurückzugeben», erklärte Lustenberger weiter. Laut Heinz Tännler wird mit einem sechstelligen Betrag im Nachhaltigkeitsfonds gerechnet – zwischen 300000 und 500000 Franken. «Der Betrag ist volatil», betonte er.

Ebenfalls ein Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie ist ein ausgeglichenes Budget. Wie Tännler im Herbst bekannt gab, sei der Voranschlag um brutto 1,7 Millionen Franken zu hoch. An der nächsten Präsidialsitzung im Februar werde über den neuen Voranschlag diskutiert. «Bis dann muss es ausgeglichen sein, was nicht einfach sein wird», erklärte Tännler.

Das Thema Nachhaltigkeit nehme auch der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) sehr ernst, versicherte Rolf Gasser, Geschäftsführer des ESV. Dieser begleitet das Zuger OK in dieser Frage sehr eng. Weiter ging das Esaf 2019 mit der Schweizer Stiftung «myclimate» eine Partnerschaft ein. Dies im Rahmen des Programms «Cause We Care».

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