Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Essen mit Gesicht

Redaktorin Vanessa Varisco zu grinsenden Mahlzeit-Variationen.
Vanessa Varisco
Redaktorin Vanessa Varisco

Redaktorin Vanessa Varisco

Wienerli-Mumien, Eulenmuffins und grinsende Hamburger – wer sich einen Moment Zeit nimmt und durch Kochmagazine blättert, der wird eines feststellen: Es scheint schwer im Trend, seine Gerichte dahingehend anzurichten, dass einem vor dem Verzehr ein Gesicht entgegen grinst. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Als Augen können zwei Tomaten dienen, der Mund wird mit einer Bohne erschaffen. Oder: Zwei halbe Zwiebelringe werden auf einem Fischbrötchen platziert. Auf einer Pizza reichen ein Stück Peperoni und ein paar Pfefferkörner, um im geschmolzenen Käse ein Smiley mit schiefem Lächeln zu hinterlassen.

Ich gestehe, ich bin eine Liebhaberin solcher Arrangements. «Frühstück am Bett ist von gestern. Heute wollen Frauen Zopfgesichter und Nutellagrinsemännchen», würde ich antworten, sollte mich jemand um einen Beziehungsratschlag bitten. Zwar hiess es in meiner Kindheit immer: «Mit Esse spilt mer nöd», doch diese Form der Inszenierung von Lebensmitteln schien akzeptiert und beinahe als Kunstform glorifiziert. Nicht selten wurde deshalb mit ein paar Spritzern Senf ein Gesichtchen aufs Sandwich gezaubert.

Essen mit Gesicht galt übrigens zeitweise in der Schweiz tatsächlich als Kunstform. Bekannt ist wohl die fotografierte «Wurstserie» von Peter Fischli und David Weiss. Cervelats mit Augen, die Kleider aus Lyoner und Speck tragen, und auf deren Kopf ein Plastikdeckel platziert ist, stehen in Reih und Glied – wie auf einer richtigen Modeschau. Legendär. Einfach legendär. Und für mich ein Gänsehautmoment. In meiner Jugend flaute die Liebe zu Senfgesichtern zwar etwas ab – doch unlängst flammte sie umso heftiger wieder auf. Wo auch immer ein Gesicht im Teller zu entdecken ist oder mit wenigen Handgriffen arrangiert werden kann, mache ich einen Schnappschuss. Und irgendwann, in drei, vier Jahren, werde ich sie in einer Galerie ausstellen. Unter dem Titel: «Van’s Peperoniparade.» Oder: «Van’s ‹vantastische› Senfgesichter.» Oder: «Van und die sieben Zwiebelzwerge.» Wer weiss. Hauptsache Essen mit Gesicht und ich kann mir damit das innere Kind bewahren. Und in diesem Sinne: En Guete!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.