Bewilligung ist da: Der EV Zug kann in der Bossard-Arena loslegen – die Polizei schaut dem Klub auf die Finger

Am Samstag in einer Woche spielt der EVZ zum ersten Mal seit 225 Tagen wieder in der Bossard-Arena. Dennoch ist nichts mehr wie vorher.

Marco Morosoli
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Zuschauer verfolgen in der Bossard-Arena das Spiel zwischen dem EVZ und der Academy.

Zuschauer verfolgen in der Bossard-Arena das Spiel zwischen dem EVZ und der Academy.

Bild: Marc Schumacher / Freshfocus (Zug, 16. August 2020)

Die Eishockey-Schweiz bewegt sich mit der Aufnahme des Spielbetriebs auf dünnem Eis. Seit Donnerstag sind in der Schweiz Veranstaltungen mit über 3000 Zuschauer wieder möglich. Damit hat die Schweiz den liberalsten Lösungsansatz für Spiele mit Publikum in der Coronaphase in Westeuropa.

In Schweden, das keinen Lockout kannte, sind pro Spiel nur 50 Zuschauer zugelassen. In Deutschland soll der Meisterschaftsbetrieb am 13. November beginnen. Die englische Eishockey-Meisterschaft 2020/2021 findet nicht statt und in Tschechien hat Kometa Brno, einst ein EVZ-Gegner, überhaupt noch nie gespielt, derweil andere Teams schon fünf Mal antraten. Ein Chaos mit Ansage.

Erschwerend kommt hinzu, dass es für die aktuellen Spielbewilligungen keine Präzedenzfälle gibt. Der Bund hat am 2. September 2020 die Grundzüge festgelegt. Die Feinjustierung obliegt nun den Kantonen, in welchen die Eishockeyteams ihre Heimstätte haben. Der Zuger Regierungsrat hat eine für den Kanton «passende Umsetzung beschlossen», wie sich ein Sprecher der am Bewilligungsverfahren beteiligten Gesundheits- und Sicherheitsdirektion ausdrückt. Dabei gelte die Richtschnur: «Die Meisterschaftsspiele der nationalen Eishockey- und Fussball-Profiligen werden schweizweit einheitlich beurteilt.» Aber letztlich sind Gesuche jeweils im Einzelfall zu prüfen. Dazu gehört es, die epidemiologische Lage in der Schweiz und in den umliegenden Kantonen und zu guter Letzt im Kanton Zug zu prüfen.

Im Kanton Zug ist der Kantonsarzt Rudolf Hauri für die Einordnung der aktuellen Lage zuständig (www.zg.ch/corona). Die Zuger Polizei gibt, wie der Verordnung des Zuger Regierungsrats zu entnehmen ist, den Takt vor, denn sie figuriert als «Bewilligungsinstanz für Grossveranstaltungen».

Zuschauer verfolgen das Spiel zwischen dem EV Zug und dem HC Davos.

Zuschauer verfolgen das Spiel zwischen dem EV Zug und dem HC Davos.

Bild: Patrick Straub / Freshfocus (Zug, 11. September 2020)

Wählen zwischen «Weiss» oder «Blau»

Der EVZ hat sein Dossier für die Austragung der Heimspiele in der Qualifikationsphase bereits am 4. September 2020 den zuständigen Stellen übermittelt, wie die EVZ-Medienverantwortliche Marisa Boog erklärt. Mittlerweile hat der EVZ einige kleinere Anpassungen an seinem Schutzkonzept gemacht. Mit Erfolg. Wie die Zuger Polizei gestern in einer Mitteilung schreibt, kann der EVZ basierend auf seinem Gesuch in die Saison 2020/2021 starten. Beim EVZ konnten sich die potenziellen Zuschauer intern für die Variante «Weiss» oder «Blau» entscheiden. Eine salomonische Lösung, da so jeder EVZ-Saisonkarteninhaber unter dem gegenwärtigen Regime 13 Spiele in der Qualifikationsphase 2020/2021 anschauen kann.

Der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger zeigt sich auch als EVZ-Fan. Er sagt: «Ich mag die gute Stimmung in der Bossard-Arena und gehe gerne ab und zu an die EVZ-Spiele. Jetzt endlich wieder mit mehr Zuschauern. Ich hoffe, der EVZ kann diese Saison wieder um den Meistertitel spielen.» Villiger steht voll und ganz hinter dem eingeschlagenen Weg der dosierten Lockerungen: «Im Kanton Zug sind Veranstaltungen unter Auflagen wieder möglich, und das sollen sie auch sein.» Dabei gelte es, so Villiger weiter, das wir «die Gesundheit unserer Bevölkerung im Blick haben und gewährleisten können». Eine gute Sache dürfte auch sein, dass zwischen der Zuger Polizei, die letztlich die Bewilligung erteilt, und dem EVZ gemäss dem Sicherheitsdirektor ein «sehr gutes Einvernehmen und partnerschaftliche Zusammenarbeit» herrsche.

Die Fronten sind dabei klar abgegrenzt. Der EVZ hat innerhalb der Bossard- oder der Academy-Arena das Sagen. Das Drumherum fällt in die Hoheit der Zuger Polizei. Klar ist auch schon, wie aus der Sicherheitsdirektion zu erfahren ist, nach welchem Schlüssel ein allfällig notwendiger Einsatz der Ordnungskräfte zu verteilen wäre. Der EVZ bezahlt 60 Prozent, den Rest übernimmt der Staat. Beat Villiger glaubt jedoch, dass diese Kosten gering sein dürften, «da die Spiele in der Bossard-Arena ohne Gästefans» stattfänden.

Die Zuger Polizei schaut dem EVZ auf die Finger

Zu den Aufgaben der Polizei gehört trotz des guten Einvernehmens mit dem EVZ, die von ihr abgenommenen Schutzkonzepte laufend auf ihre Einhaltung zu überprüfen. Dazu gehöre natürlich auch die Veröffentlichung der Lagebeurteilung des Kantonsarztes auf der Website des Kantons. Dies, so erklären Sicherheitsdirektor Beat Villiger wie auch Gesundheitsdirektor Martin Pfister, sei ein Beitrag zur Transparenz der Behörden für ihr Handeln.

Ab dem Eingangsbereich zur Arena beginnt dann die Hoheit des EVZ als Veranstalter der National-­League-Spiele. In der Arena herrscht Maskenpflicht. Getränke und Speisen können wie schon während der Vorbereitungsspiele nur im Sitzen getrunken respektive verzehrt werden. Wie aus einem Papier aus der Sicherheits- respektive der Gesundheitsdirektion hervorgeht, sei es aus den gegebenen Umständen sehr wichtig, «Rücksicht zu nehmen und die Hygieneregeln des Bundesamts für Gesundheit einzuhalten.»

Der Regierungsrat könnte die Bewilligung widerrufen

Die zuständigen Behörden haben auch eine Rechtsmittelbelehrung im Coronavirus-Dossier nicht vergessen. Bei Rechtsstreitigkeiten entscheidet das Verwaltungsgericht. Zudem hat der Regierungsrat das letzte Wort, indem er eine Bewilligung widerrufen kann, «falls sich die gesundheitliche Lage verschlechtert». Derzeit gilt die Stufe 1 (von 4). Etwas abgewandelt bedeutet dies: «unter Kontrolle». Wie immer, hängt sehr viel von der Achtsamkeit der Zuschauer ab. Einzig etwas gilt wie vor dem Coronavirus: An- und Abreise mit dem öffentlichen Verkehr. Ohne die Mund- und Nasenbedeckung geht nichts mehr. Wie aus einer gut unterrichteten Quelle zu hören ist, gibt es nach den EVZ-Spielen wieder den bewährten Bushof entlang der General-Guisan-Strasse. Jetzt kann es rund um die Bossard-Arena und darin nur heissen: immer weiter, aber vorwärts.

Wie ist es beim Fussball?

Fussball schauen und Daten Weniger Beachtung in der Öffentlichkeit finden die Veranstaltungsvorschriften in Coronazeiten in den Spielklassen des Fussballs im Kanton Zug. Die übergeordneten Regeln sagen, dass bei bewilligungsfreien Veranstaltungen unter 1000 Personen ein Schutzkonzept des Veranstalters vorhanden sein muss. Im Kanton Zug gilt das Erfordernis, dass Spiele mit mehr als 100 Zuschauern toleriert werden, wenn ein ausreichender Abstand von 1,5 Meter zwischen den anwesenden Zuschauern eingehalten werden kann. Ist dies nicht machbar, dann käme eine Pflicht zum Maskentragen hinzu. Sind 100 Personen an einem sportlichen Anlass zugegen, dann reicht es, die Abstandsregel einzuhalten oder aber eine Maske zu tragen. Sind beide Schutzmassnamen nicht möglich, besteht die Pflicht, die Kontaktdaten der Anwesenden zu sammeln. Ist generell eine Bewilligung für den Sportanlass notwendig, so muss der Veranstalter dafür nichts bezahlen. Die Entscheidungsabläufe in Sachen Corona laufen derzeit nach den gewöhnlichen Regeln. (mo)