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EVZ-JUBILÄUM: Der Baumeister des Erfolgs

Heute vor 19 Jahren ist der EVZ zum ersten und bislang einzigen Mal Schweizer Meister geworden. Der damalige Präsident Fredy Egli blickt anlässlich des Jubiläumsjahrs zurück auf mitreissende und manchmal abenteuerliche Zeiten unter seiner Ägide.
Raphael Biermayr
Mittlerweile kann Fredy Egli über viele Geschichten von früher schmunzeln. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 25. November 2016))

Mittlerweile kann Fredy Egli über viele Geschichten von früher schmunzeln. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 25. November 2016))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Wenn Fredy Egli erzählt, wie der EVZ zu Beginn seiner Präsidentschaftszeit aufgestellt war, hat man Mühe. Mühe, das mit dem Verein zu verbinden, den man heute kennt: dieses durchorganisierte Millionenunternehmen mit Gastronomiezweigen, in dessen warmem Stadion sich die Sponsoren gern präsentieren. «Der Verein hatte damals keine grosse Lobby im Kanton», erinnert sich Egli an die ersten Jahre nach dem NLA-Aufstieg 1987. Der Präsident mit der längsten Amtszeit in der EVZ-Geschichte sitzt in der 67 Sportsbar in der Bossard-Arena, als er auf seine zehn Jahre als Vereinsoberster zurückblickt. Der Kontrast zu einst ist gross: In der Bar wirkt alles etwas steril – welch Gegensatz zum muffigen Restaurant Pögg.

Die Zeit hat auch Spuren hinterlassen bei Fredy Egli. Der charakteristische Bart ist schon längst ab. Aber die Energie ist noch da, die ihn schon damals auszeichnete. Sie erlaubte ihm, parallel zu den Aufgaben als Familienvater und Gründer einer eigenen Rohstoffhandelsfirma das Präsidentenamt im EVZ anzunehmen. Egli war der Öffentlichkeit ­damals unbekannt, im Verein aber als Mitglied der Marketingabteilung, Mitbegründer der Gönnervereinigung Kristall-Club und als Vertreter der Firma Marc Rich ein Begriff. Jene war damals ein bedeutende Sponsorin, was vielen bis heute nicht wirklich bewusst ist. «Marc wollte sein finanzielles Engagement nicht an die grosse Glocke hängen», erklärt Egli.

Beim heute wichtigsten Sponsor, der Zuger Kantonalbank, sei der EVZ damals nicht mit offenen Armen empfangen worden. Dies, weil wenige Jahre zuvor auch die ZKB auf Geld verzichtet hatte, nachdem der hoch verschuldete Klub durch ein Nachlassverfahren gegangen war. Doch der hartnäckige Netzwerker Egli schaffte es, den EVZ zu einer vertrauenswürdigen Marke zu machen. In jener Zeit wurde das Fundament gelegt, auf dem das Unternehmen von heute fusst.

Egli spricht gern und offen über sich und kann seine Verdienste um den Verein sehr gut einschätzen. Er war lange Jahre das Gesicht des EVZ, manche sagen gar, er war der EVZ. Griff man den Verein an, griff man Egli an. Sein autoritär wahrgenommener Führungsstil wurde als «Egliokratie» beschrieben. Egli sagt lachend, aber durchaus geschmeichelt: «Es brauchte jemanden, der die Entscheidungen nach aussen hin vertritt. Gefällt haben wir diese aber gemeinsam – fast immer jedenfalls.»

Beliebt und gefürchtet gleichermassen

Er begann natürlich nicht als fertiger Vereinspräsident. Das heisst, auch Egli lernte dazu. Das betrifft den Umgang mit den Medien genauso wie die Rücksichtnahme auf die Besonderheiten des Sports. Bei Journalisten war Egli seiner klaren Worte wegen beliebt und seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns wegen gefürchtet. Die Schilderungen über weit vom Ohr weggehaltene Telefonhörer oder Aufgebote in das Büro des impulsiven Präsidenten an der Ägeristrasse sind sonder Zahl. Egli griff auch zum Hörer, wenn er einen unliebsamen Leserbrief in der Zeitung entdeckt hatte. Oder selbst wenn ein Fan per Transparent Kritik übte. Wie der unvergessliche Ruedi Schrag, der auf der längsseitigen Stehgerade im Hertista­dion stand und gegen die geplanten Sitzplätze dort – später «Muppet Show» genannt – protestierte. «Den habe ich in mein Büro eingeladen, ihm die Erfolgsrechnung gezeigt und erläutert, dass wir ohne die Sitzplätze nicht genügend Einnahmen haben. Anschliessend hat er unser Vorgehen verstanden», schildert Egli. Jemanden um Verzeihung gebeten habe er «sehr selten». Als Entscheider nahm er es in Kauf, Leute vor den Kopf zu stossen und dafür kritisiert zu werden.

Das war vor allem bei seiner berühmten Rückwärtsrolle im Jahr 1996 der Fall: Er verzichtete auf seinen angekündigten Rücktritt und düpierte damit seinen selbst aufgebauten Nachfolger Stefan Born. «Das war natürlich eine schwierige Situation für alle. Aber ich spürte damals einfach, dass ich die Verantwortung noch nicht abgeben sollte», blickt Egli zurück. Sein Verhältnis zu den Spielern war eng. Für manche sei er «fast wie ein Vater» gewesen, der je nach Situation auch die lange Leine in die harte Hand nehmen konnte. Zuckerbrot und Peitsche waren an das Leistungsprimat geknüpft. «Ich hatte ein gutes Sensorium dafür, ob die Mannschaft alles gibt oder nicht. Wenn nicht, wurde ich ‹sternhagelverruckt›», sagt Egli. Dann konnte es schon vorkommen, dass er am Sonntag von Allenwinden herunterfuhr, um an die zuvor ins Hertistadion beorderte Mannschaft deutliche Worte zu richten.

Das Netzwerk, das im Hintergrund agierte

Bemerkenswert: In Eglis lange Zeit an der Vereinsspitze fielen nur zwei Trainerentlassungen – beide in den ersten zwei Jahren. Per Bäckmann musste kurz vor Weihnachten 1989 gehen, Kent Ruhnke ein Jahr später. Die Gespräche mit diesen Trainern und Spielern, deren Verträge nicht verlängert wurden, bezeichnet der Patriarch Egli auf der menschlichen Ebene als «sehr schwierig. Das ist mir nie leichtgefallen.» Gleiches gilt für die Verarbeitung schwerer Niederlagen. Besonders die beiden verlorenen Finals schmerzten ihn. «Die Spieler, die Trainer, die Fans – so viele Menschen waren enttäuscht. Das hat mich sehr berührt», blickt Egli zurück.

Das Budget stieg während Eglis Amtszeit von knapp 3 Millionen Franken auf über 10 – offiziell. Denn es gab das Netzwerk des Präsidenten, die sogenannten «Fredy’s Friends», und ihn selbst, die im Bedarfsfall in die Tasche griffen. Er wisse genau, wie viel er in den EVZ investiert habe, «aber diese Zahl behalte ich für mich», sagt Egli. «Entscheidender ist, dass wir den Verein dank verschiedener Gönnervereine breit abgestützt hatten und er nicht von Einzelnen abhängig war.» Dennoch: Auch dank Eglis Einlagen ging es nach zwei harzigen ersten Jahren steil bergauf. Bis der zu Beginn so steinige Weg am 11. April 1998 in der Davoser Höhenluft im Schweizer-Meister-Titel gipfelte.

Besonders gern erinnert sich der damalige Präsident an den Empfang der Meistermannschaft am frühen Morgen im Hertistadion. «Tausende Fans warteten auf uns, ganz Zug war einfach glücklich – das war gewaltig.» Konnte der stets vorausdenkende Macher diese Momente auch geniessen? Egli legt die Hände ineinander und lächelt. «Das hat mir gutgetan», sagt er dann, «aber die Arbeit war deshalb natürlich nicht einfach fertig.» Wenig später wurde die Leistungssparte des EVZ in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert. Es ist ein weiterer Meilenstein, der die Grundlage für den aktuellen Erfolg bildet.

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