EVZ: Sicherheit wird temporär Chefsache

Nach der überraschenden Abwahl des Sicherheitschefs François Stocker muss die Organisation eine andere Lösung suchen. Wie die aussieht, hat der CEO Patrick Lengwiler schon im Kopf.

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Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Marco Morosoli und Raphael Biermayr

redaktion@zugerzeitung.ch

Mit diesem Szenario hat in der EVZ-Organisation überhaupt niemand gerechnet. Bei der 50. Generalversammlung des Vereins am Montagabend wurde der Sicherheitschef des EVZ François Stocker abgewählt. Vor diesem Votum hatte niemand im Legends Club der Bossard-Arena eine Stimme gegen ihn erhoben. Zurück blieben konsternierte Verantwortliche.

«Wir respektieren den Entscheid», sagte der EVZ-CEO Patrick Lengwiler gestern. Dann fügt er an: «Schade, so ein Abschied hat kein Mensch verdient.» Stocker habe den Job des Sicherheitschefs 29 Jahre bekleidet. Dabei seien die Vorgaben für die Stadionorganisation seitens des Eishockeyverbandes seither laufend gestiegen. Lengwiler verschweigt aber auch nicht, dass diese Charge «Reibungsflächen» erzeuge. Wie aus Fankreisen zu vernehmen ist, sei Stocker «schon länger ein rotes Tuch», weil er in seiner Funktion nicht nur «unpopuläre Entscheide» des Vorstands vertritt, sondern auch «anregt». Weiter ist zu hören, dass er «selbstherrlich» agiere. Diese «One-Man-Show» sei im heutigen professionellen Umfeld nicht mehr zeitgemäss. Im Nachgang zur Versammlung ist von einem nicht namentlich genannt werden wollenden Fan geäussert worden, dass «das Verhältnis mit Stocker zerrüttet» sei.

Auf den Vorhalt dieser Vorwürfe sagt Patrick Lengwiler: «Die Fans wollen nicht alles einsehen, was sicherheitsrelevant ist.» Er nimmt Stocker deshalb in Schutz und sagt: «Ich ziehe den Hut, wie er es gemacht hat. Und das alles ehrenamtlich.»

François Stocker hat kurz nach der Versammlung gefasst gewirkt und gesagt: «Das ist etwas Persönliches. In diesem Job ergibt es sich, dass du viele Feinde hast.» Er fügte noch an, dass ihm dieser Entscheid «wehtut». Dann blickte er schon wieder in die Zukunft: «Die EVZ-Organisation muss überleben. Die Stadionsicherheit ist wichtig.» Er schrieb noch am Abend seiner Abwahl ein Mail an einen ausgewählten Personenkreis und erklärte darin, wie es zu dieser Abwahl gekommen sei.

Eine Abwahl zur Unzeit und eine klare Botschaft

Im Hinblick auf das erste Meisterschaftsheimspiel des EVZ der Spielzeit 2017/18 am Samstag sagt der CEO Patrick Lengwiler: «Für die Sicherheit im Stadion ist alles aufgegleist und im grünen Bereich. Klar ist, dass der Veranstalter sagt, was in der Arena gilt.» Die Abwahl sei aber in einem «ungünstigen Moment» erfolgt, will Lengwiler noch erwähnt haben.

Sofortmassnahmen hat der operative EVZ-Chef schon ergriffen. Die Fäden für die Sicherheitsorganisation laufen temporär bei ihm zusammen: «Es ist aber das erste und letzte Mal, dass ein Sicherheitschef abgewählt worden ist.» Es sei ihm schon immer klar gewesen, dass es bei einem Rücktritt Stockers einen bezahlten Leiter Spielbetrieb geben würde. Da aber Stocker seine Arbeit «sehr gut gemacht» habe, habe es keine Veranlassung gegeben, «etwas, das funktioniert, zu ändern». Dieser Zeitpunkt sei nun durch die Abwahl Stockers gekommen. Lengwiler fügt aber noch an: «Das neue Regime wäre aber nur bei einem Rücktritt Stockers aktiviert worden.»

Eine ausserordentliche Vereins-GV ist notwendig

Durch die Abwahl von François Stocker und den Rücktritt des Fan-Verantwortlichen Mario Vassanelli besteht der EVZ-Vorstand derzeit noch aus Hans-Peter Strebel (Präsident) und Andreas Tresch (Vizepräsident).

Laut den Vereinsstatuten müssten es vier sein. Die fehlenden Chargen müssen deshalb an einer ausserordentlichen Vereinsversammlung ergänzt werden. Ein Termin für diese ist aber noch nicht fixiert worden. Patrick Lengwiler sagt: «Das hat keine Priorität.»