EXSILA: Zuger Start-Up bekommt deutsche Konkurrenz

750'00 Medienprodukte mit über 400'000 Usern tauschen: Damit lockt die deutsche legale Sammlerbörse Hitflip Schweizer. Beim hiesigen Platzhirsch Exsila nimmt man das gelassen auf.

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Exsila-Gründer Reto Bütler (links) und Rouven Küng. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Exsila-Gründer Reto Bütler (links) und Rouven Küng. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

« Hitflip.de , Europas grösste Medientauschbörse, öffnet seine Pforten für alle Schweizer und attackiert den bisherigen Schweizer Branchenführer Exsila», kündigt das deutsche Unternehmen in einer Medienmitteilung an. Getauscht wird mit der Symbolwährung «Flips», die auch gekauft werden kann. Beim Porto gilt beim grenzüberschreitenden Tausch: Wenn ein Deutscher eine Wunsch-DVD in die Schweiz schicken soll – oder andersherum –, so muss ihm der Empfänger die Portodifferenz erstatten.

«Rasch Marktführer werden»
«Der User aus der Schweiz kann frei entscheiden, ob er die leicht höheren Portokosten übernimmt oder auf den gleichen Artikel von einem inländischen Mitglied warten möchte», wird Gerald Schönbucher, Co-Geschäftsführer der Hitflip Media Trading GmbH zitiert. «Neben Deutschland und Österreich möchten wir nun auch in der Schweiz rasch Marktführer werden und viele User von der kostengünstigen und unkomplizierten Möglichkeit einer Tauschcommunity überzeugen.»

«Rechnet sich die Beschaffung kleinpreisiger Artikel über die Grenzen hinweg denn überhaupt?», kontert Exsila -Geschäftsführer Rouven Küng, mit dem Schweizer Markteintritt von Hitflip konfrontiert. «Pakete nach Deutschland zu schicken und umgekehrt, kann sich ja schliesslich recht läppern, was sich etwa bei einem Buch einfach nicht rentiert. Hinzu kommen allfällige Zollkosten.» Exsila, das seit der Gründung im Jahr 2006 kontinuierlich gewachsene Start-Up aus Menzingen, zählt inzwischen 61'000 Mitglieder und 360'000 einzelne Artikel; pro Tag finden laut dem Unternehmen 2000 Tauschaktionen statt.

Hitflip kostet, Exsila nicht
Küng ortet noch andere Problemfelder: «Im Gegensatz zu Exsila sind bei Hitflip nicht physisch real vorhandene Artikel aufgelistet, sondern lediglich Wunschlisten.» Daher sei völlig offen, ob respektive wann ein solcher Artikel wirklich verfügbar sei. Das vielleicht überzeugendste Argument ist aber nach wie vor die Kommission von 0,99 EUR pro Artikel, auf die Hitflip Anspruch erhebt. «Im Gegenzug soll Exsila nach wie vor komplett kostenlos bleiben», versichert Küng. Das vollkommen werbebanner-freie Projekt werde nach wie vor vollumfänglich durch den Verkauf der so genannten «Exsila-Punkte», der Exsila-Tauschwährung finanziert.

Exsila hat übrigens mit dem Launch von exsila.de seine Fühler auch schon nach dem grenznahen Ausland ausgestreckt. Auf dieser Site lassen sich jedoch nur Waren innerhalb Deutschlands tauschen. Küng malt sich Hitflip zum Trotz grosse Chancen für die Zukunft seines Unternehmens aus: «Gerade in Zeiten der Krise gewinnt Tauschen enorm an Attraktivität.» In nächster Zeit sollen vor allem die Kategorien erweitert werden: «Denn mit dem System unserer Plattform lässt sich eigentlich alles nur Erdenkliche tauschen: Seien das nun Babyartikel, Gesellschaftsspiele, Kinderspielwaren oder Briefmarken.»

Dave Schläpfer