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FALL ROMER: «Der Angeklagte zeigt weder Reue noch Einsicht»

Die Staatsanwaltschaft hält daran fest: Der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer soll mehr als sechs Jahre ins Gefängnis. Die Argumente der Verteidigung wurden gestern zerzaust.
Harry Ziegler
Ivo Romer im Jahr 2010 bei seiner Wiederwahl als Stadtrat. (Bild Stefan Kaiser)

Ivo Romer im Jahr 2010 bei seiner Wiederwahl als Stadtrat. (Bild Stefan Kaiser)

Harry Ziegler

Sie habe dem Plädoyer der Verteidigung vom Dienstag letzter Woche diverse Kernaussagen entnommen, so die Staatsanwältin Karin Eisenring gestern. Unter anderem jene, dass die Verteidigung des ehemaligen FDP-Stadtrats Ivo Romer behaupte, die Witwe sei bis etwa zwei Monate vor ihrem Tod im September 2011 geistig fit gewesen. Sie habe ihre finanzielle Situation jederzeit unter Kontrolle gehabt. Und Ivo Romer hätte lediglich auf Anweisung gehandelt.

Zustand der Dame in Zweifel

Das seien nichts weiter als reine Schutzbehauptungen, so die Staatsanwältin in der Replik. Die Berichte zweier Ärzte, die die reiche ältere Dame betreuten, zeigen ein anderes Bild. So hat einer der Ärzte in seinem Bericht den Verdacht auf eine mögliche Hirnleistungsstörung geäussert. Es gebe doch Anzeichen, dass die Greisin zunehmend mit verschiedenen Situationen überfordert gewesen sei. Er sei der Ansicht, eine vormundschaftliche Massnahme sei zu prüfen. Es sei sinnvoll, die Dame vor Handlungen zu schützen, deren Tragweite sie nicht abschätzen könne.

Der zweite Arzt umschreibt den Zustand der damals 93-jährigen Frau als «altersentsprechend», zitierte die Staatsanwältin. Die Dame sei zwar nicht dement, «sie erteilt aber auch nicht täglich Anweisungen im Sinne eines CEO», so die Anklägerin. «Sie war Ivo Romer hörig, und sie frass ihm aus der Hand.»

Romer kannte seine Pflichten

Die zweite Staatsanwältin, Regula Schlauri, widersprach der Darstellung der Verteidigung, Ivo Romer sei nur ein willenloser Vollstrecker des Willens der alten, resoluten Dame gewesen. «Der Angeklagte ist nicht bereit, die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.» Immer seien andere schuld, beispielsweise die Profis, die Romer für die Buchhaltung oder die Revision der Jahresrechnungen aufgesucht hatte. Aber: Ivo Romer habe seine Pflichten als Stiftungsrat der von der Witwe erstellten Stiftung genau gekannt. Er habe das sogar in den Befragungen durch die Staatsanwaltschaft geäussert. Damals habe er gesagt, die Wünsche der alten Dame hätten ihn mehrmals gezwungen, am Rande der Legalität zu operieren. Zudem würden in einer Buchhaltung Geschäftsfälle gezeigt. Und diese Fälle würden nicht vom Buchhalter kommen – sie kommen vom Auftraggeber, vorliegend also von Ivo Romer, so die Anklägerin.

Romer ist bekanntlich wegen Veruntreuung, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, des Betrugs, der Urkundenfälschung und der Geldwäscherei im Zusammenhang mit dem Privatvermögen der Greisin sowie der Veruntreuung und weiterer Delikte im Zusammenhang mit einer von der Dame errichteten gemeinnützigen Stiftung sowie einer weiteren Stiftung angeklagt.

Keine Strafmilderungsgründe

Die Staatsanwaltschaft hielt an ihrem Antrag fest, wonach Ivo Romer zu sechs Jahren und zehn Monaten unbedingter Freiheitsstrafe sowie einer Geldstrafe zu verurteilen sei. Strafmildernde Gründe gebe es kaum. Zugute halten müsse die Anklagebehörde Romer, dass er sich in der Untersuchung gut verhalten habe. Er habe an den angesetzten Terminen teilgenommen und sich nicht über Arztzeugnisse dispensieren lassen. Dass Romer von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht habe, sei bei der Strafzumessung zwar nicht zu berücksichtigen. Es zeuge aber davon, dass «der Angeklagte weder Reue noch Einsicht zeigt». Eine Strafmilderung sei deshalb nicht angezeigt, so die Vertreterinnen der Anklage.

Vehement bestritten wurde seitens der Staatsanwaltschaft die Aussage von Romers Verteidigung, der ehemalige Stadtzuger Finanzchef sei nur während seiner Zeit bei einer Schweizer Grossbank als professioneller Vermögensverwalter tätig gewesen. Er sei nicht nur «Privatsekretär», wie Romer seinen Status bei der Dame beschrieb, sondern während der ganzen Zeit ihr berufsmässiger Vermögensverwalter gewesen. Das Dokument, mit dem die Grossbank im September 2008 die vermögende Witwe auf mögliche Unregelmässigkeiten auf ihren Konten hinwies, und das von ihr unterschrieben retourniert worden war, «ist kein Persilschein». Von 151 Bargeldtransaktionen seien lediglich Belege für deren 14 vorhanden.

Die Anklägerinnen machten klar, dass es sich im vorliegenden Fall über weite Strecken um einen Indizienprozess handle. Einzelne Hinweise mögen zwar in Zweifel gezogen werden, sprechen aber sämtliche Indizien für die Möglichkeit einer Tatbegehung, sei diese anzunehmen. Denn es lägen hier keine vernünftigen Zweifel vor. Der Grundsatz «in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten» dürfe nur angewendet werden, wenn man das Ganze betrachte. Nur Zweifel an einzelnen Schlüssen, Indizien oder Beweisen genügen dafür nicht.

Strafe für Kinder: «Absurd»

Der Anwalt der Privatkläger – der Familie der 2011 verstorbenen Frau – führte gestern aus, dass die von Romer betreute Dame sehr eitel gewesen sei und deshalb keine Brille getragen habe. Sie sei kaum in der Lage gewesen, zu lesen, was ihr jeweils zur Unterschrift hingehalten worden sei. Auch sei das von der Verteidigung vorgebrachte Argument, sie habe ihre Konten leeren wollen, damit ihre raffgierigen Kinder leer ausgingen, absurd. Schliesslich habe sich die Dame bis zum Ende ihres Lebens als sehr vermögend betrachtet – und sie habe das auch entsprechend Dritten gegenüber kundgetan. Dass sie ihre Kinder in dieser Form bestrafen wolle, habe sie nur Ivo Romer gesagt. «Fragen können wir sie danach leider nicht mehr», so der Anwalt der Privatkläger. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

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