FALL ROMER: Zuger Kantonalbank kauft Konkursvilla

Das Haus von Alice de Beaufort in Basel wurde zwangsversteigert jener wohlhabenden Dame, deren Vermögen von Zugs Ex-Stadtrat veruntreut worden sein soll.

Wolfgang Holz und Charly Keiser
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Das Hauptgebäude der Zuger Kantonalbank beim Postplatz, das sich im Bau befindet. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Das Hauptgebäude der Zuger Kantonalbank beim Postplatz, das sich im Bau befindet. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Wolfgang Holz und Charly Keiser

1,44 Millionen Franken hat die Zuger Kantonalbank jüngst bei der Zwangsversteigerung der stattlichen Fin-de-siecle-Villa in Basel am St.-Johanns-Ring 20 geboten. Das bestätigt das Geldinstitut auf Anfrage. «Die Zuger Kantonalbank hat nicht 1,49 Millionen Franken bezahlt» wie in anderen Medien berichtet worden ist –, «sondern 1,44 Millionen Franken», erklärt Ursula Ineichen, Leiterin Branding und Medien der Zuger Kantonalbank. Doch wie ist es zu dieser Kaufsumme überhaupt gekommen? Die im öffentlich aufgelegten Lastenverzeichnis genannte Kapitalforderung habe auf 1,11 Millionen Franken gelautet, so Ineichen. «Eingerechnet die aufgelaufenen Zinsen, entsteht daraus eine Gesamtforderung von 1,443 Mil­lionen Franken.»

Strafverfahren läuft noch

Erinnern wir uns. Besagte Villa war Teil der Stiftung «de Beaufort-Wolfensberger», die Zugs ehemaliger Stadtrat Ivo Romer 2008 ins Leben gerufen hatte. Über die Stiftung ist im April letzten Jahres das Konkursverfahren eröffnet worden. Generell soll Romer, gegen den ein Strafverfahren wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung im Fall der 2011 97-jährig verstorbenen Witwe läuft, mehrere Millionen Franken für sich und Dritte abgezweigt haben. Der nach Bekanntwerden der Vorwürfe zurückgetretene FDP-Politiker hatte während längerer Zeit die alleinige Vollmacht zur Verwaltung des Vermögens der reichen Frau, das sich laut Recherchen der «Welt­woche» auf rund 7 Millionen Franken belaufen hatte. Vom Vermögen sollen am Ende nur noch 20 000 Franken übrig geblieben sein. Romer weist sämtliche Anschuldigungen von sich. Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Fragen, die sich stellen, betreffen nicht nur die Kaufsumme der Zuger Kantonalbank. Denn die luxuriöse Liegenschaft, in der einer der De-Beaufort-Erben ein lebenslanges Wohnrecht zum Nulltarif geniesst, hätte das Zuger Geldinstitut bei der Versteigerung schon für 820 000 Franken erwerben können. Doch die Bank überbot ihr eigenes Angebot. «Dadurch können bei einem späteren Wiederverkauf die Gewinnsteuern minimiert werden, wenn die Immobilie für mehr als 1,5 Millionen Franken verkauft wird», erklärt Ineichen. Kein Wunder: Versichert ist die herrschaftliche Villa für 3,2 Millionen Franken.

In den Augen von Cornelis C. J. de Beaufort ist die Kaufsumme dennoch unverständlich. «Die von der Bank schmeissen mit dem Geld um sich», so einer der Erben und fünf Geschwister. Er selbst hat auch mitgeboten bei der Zwangsversteigerung seinem Bruder Pieter zuliebe – «auch wenn dieser es nicht unbedingt verdient hat». Dessen Wohnrecht wurde am 20. März 2009 für ihn und seine Frau Erika de Beaufort auf dem Grundstück eingetragen: auf Veranlassung seiner zwei Jahre später verstorbenen Mutter. Pieter de Beaufort muss für den Kleinunterhalt – wie im Mietverhältnis festgelegt – der Villa aufkommen. Für den Grossunterhalt ist die Zuger Kantonalbank zuständig. Grundsätzlich zeigt sich Cornelis C. J. de Beaufort verärgert und frustriert über die Tatsache, dass die Familie nun ohne das elterliche Haus dasteht. «Wir sind in diese sehr peinliche und traurige Situa­tion gebracht worden.»

Romer nimmt Stellung

Der damit indirekt angesprochene Ivo Romer sieht den Hausverkauf in einem ganz anderen Licht. Es sei das legitime Recht der Zuger Kantonalbank, dass die Bank die Liegenschaft gekauft habe, um die bei ihr offenen Hypothekarschulden zu sichern, so der ehemalige Stadtrat. Damit komme das Objekt in die Bücher und könne danach abgeschrieben oder zu einem späteren Zeitpunkt gut verkauft werden. «Es stellt sich aber die Frage, warum dieser Zwangsverkauf überhaupt passiert ist», sagt Romer und gibt eine Antwort gleich selber: «Weil ich nämlich als Stiftungsrat abgesetzt worden bin und der von der Staatsanwaltschaft eingesetzte Sachwalter den Konkurs der Stiftung verursacht hat.» Im Übrigen seien zahlreiche Wertgegenstände im Wert von Hunderttausenden Franken unauffindbar, fügt Romer an und stellt klar: «Und was die Millionen betrifft, die ich gestohlen haben soll: Der Umbau des Kleintheaters in der Villa hat allein 2,3 Millionen Franken gekostet. Bezahlt hat dies die Stiftung von Alice Erika de Beaufort.» Wobei dann immer noch unklar ist, wo die übrigen Millionen der alten Dame geblieben sind. In einer Stel­lungnahme gegenüber «Tagesanzeiger.ch» meint Romer dazu: «Das ist Gegenstand des laufenden Verfahrens.»

Der von Romer kritisierte Sachwalter und Basler Anwalt Roman Baumann relativiert indes die Vorwürfe gegen seine Person: «Es ist richtig, dass Romer als einziger Stiftungsrat abgesetzt wurde was bei einem gegen ihn laufenden Strafverfahren nicht unüblich ist.» Ebenso sei es üblich, dass gegen eine überschuldete Stiftung ein Konkursverfahren eingeleitet werde – «was schliesslich vom Zuger Kantonsgericht vollzogen wurde».