Farbenfrohe Fasnacht auf schwarz-weissen Bildern

Eine Ausstellung in Baar weckt Erinnerungen an die Anfänge der Räbefasnacht - und an unglückliche Momente.

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So war die Fasnacht in den 50er-Jahren: Anschauungsunterricht für die Guugge Minifodrios. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

So war die Fasnacht in den 50er-Jahren: Anschauungsunterricht für die Guugge Minifodrios. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

«Kennst du den noch?», fragt der eine. «Natürlich, das ist doch ...», entgegnet der andere. Altgediente Fasnächtler stossen derzeit in der Schrinerhalle an der Dorfstrasse auf einen riesigen Fundus an Fasnachtserinnerungen. Rund 350 Bilder haben Josef und Claire Zeberg, Paul Utiger, August Gysi und René Bigliotti aus den Archiven geholt und für die Fotoausstellung aufbereitet. Zur grossen Freude der weit über 100 Gäste an der gestrigen Vernissage. Sie geniessen es, in den Erinnerungen zu schwelgen. «An diesen Moment kann ich mich noch genau erinnern», erzählt beispielsweise Ruedi Hug und zeigt auf ein Bild, auf dem Kinder zu sehen sind. «Das sind mein Bruder Erich und ich», lacht er. «Ich war damals auf meine Eltern richtig hässig. Ich wollte als Indianer an die Fasnacht und musste dieses Chämifäger-Gwändli anziehen.»

Ein Stück Zeitgeschichte

Das ist die grosse Stärke der Fasnachtsfotoausstellung. Sie zeigt nicht nur die offiziellen Anlässe wie die Inthronisation und den Umzug. Sie zeigt auch persönliche Momente und gibt einen Einblick in die Zeitgeschichte. Wer genauer hinblickt, entdeckt auf den Fotos alte Restaurants, die schon lange nicht mehr stehen, das erste Baarer Kino am Bahnhof oder Tramschienen, die damals noch durch das Dorf führten. Eindrücklich auch das Schwarz-weiss-Foto, das einen Räbevater auf dem noch heute obligatorischen Spitalbesuch zeigt.

Das älteste Bild von 1927

Zu sehen sind nicht nur Erinnerungen an die Räbefasnacht. Auch von den anderen Baarer Fasnachtsgesellschaften, Fröschenzunft Ebel und Faschall Allenwinden, hängen Fotos an der Wand. Aus Allenwinden stammt auch das älteste Bild. 1927 präsentierte sich die Fasnachtsgesellschaft Grüt, Vorgängerin von Faschall, nach ihrer Gründung auf einem Gruppenfoto. Die Ebeler wurden 1945 gegründet, die Fasnachtsgesellschaft Baar zwei Jahre später.

«Aus diesen Anfängen hat sich die Fasnacht schnell entwickelt», blickt Andreas Hotz, Gemeindepräsident, designierter Räbevater und Ehrenpräsident der Fasnachtsgesellschaft, zurück. «Die Fasnacht prägt das Dorfleben. Dazu sollten wir Sorge tragen.»

Beobachtet man die Szenerie an der Vernissage, muss man sich nicht sorgen. Die Fasnacht in Baar lebt. Das freut insbesondere Ausstellungsinitiant und alt Räbevater Josef Zeberg: «Die Leute stecken die Köpfe zusammen, knüpfen Kontakte und freuen sich über die Bilder. Das entschädigt für den grossen Aufwand.»

Silvan Meier / Neue ZZ