FASNACHT: Bei den Legoren hat Betteln Tradition

Vor der Fasnacht putzen die Legoren in Oberägeri die Klinken. Das mit gutem Grund.

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Die Legoren sammeln erfolgreich: Daniel Kühne (links) gibt Josef Henggeler und Alois Rogenmoser (rechts) eine Spende. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Die Legoren sammeln erfolgreich: Daniel Kühne (links) gibt Josef Henggeler und Alois Rogenmoser (rechts) eine Spende. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Ein wenig harzig beginnt die Betteltour von Alois Rogenmoser (35) und Josef Henggeler (35) in Oberägeri. Bei einem Terrassenhaus unter dem Gulm klingeln die beiden langjährigen Bettler bei einem Mehrfamilienhaus. Niemand öffnet. «Das ist normal, dass man nicht immer beim ersten Haus Glück hat», sagt Josef Henggeler, der im Dorf besser als «Grindel-Sebi» bekannt ist. Seit fast 20 Jahren machen die beiden diese Tour vom Restaurant Hirschen bis zum Gulm, um Geld für die Kinderbescherung nach dem Fasnachtsumzug am «Güdelzischtig» zu sammeln.

Das Betteln für die Fasnacht hat hier im Dorf langjährige Tradition, die nicht nur von den Fasnächtlern unterstützt wird. «Die meisten kennen uns, und den Neuzuzügern erklären wir, wofür wir sammeln», so Alois «Zwüschebäch-Wisel» Rogenmoser.

Arbeit wird belohnt
Weiter geht es zum zweiten Haus. Wieder klingeln die zwei Fasnächtler. Zuerst bleibt alles ganz still, doch plötzlich öffnet sich die Tür. «Ich wohne noch nicht lange hier», entschuldigt sich der Mann an der Tür, der sich als René Abt vorstellt, und lässt sich das Brauchtum erklären. Er ist sofort bereit einen Zustupf in die Kasse zu geben. «Ich finde diese Tradition sympathisch und werde sicher auch an die Fasnacht gehen», so René Abt.

Die Tour geht weiter zu Priska Nussbaumer beim Bauernhof Gulmhof. Auch ihr sind die zwei Bettler bekannt. «Ich finde es wichtig, dass man die grosse Arbeit, die die Fasnächtler leisten, auch honoriert.» Josef Henggeler und Alois Rogenmoser bedanken sich wieder und steigen erneut ins Auto. Beim Euli endet die Tour für heute, aber dies nicht an der Haustür.

«Es gehört bei uns dazu, dass die Bettler hineinkommen und noch ein, zwei Bier trinken», so Dorothea Henggeler. Bei zwei Getränken bleibt es allerdings nicht. «Der Kontakt zu den Leuten ist uns wichtig», sagt Alois Rogenmoser, «man diskutiert über aktuelle Themen und erfährt, was im Dorf läuft.» Tatsächlich wird rege am Küchentisch erzählt und debattiert. Nach etwa zwei Stunden verabschieden sich die Bettler. «Man weiss mit der Zeit, wo man hineingebeten wird, und zu diesen Häuser gehen wir ganz bewusst zuletzt», sagt Josef Henggeler schmunzelnd.

Jubiläums-Plaketten
In den nächsten Tagen sind vierzehn Fasnächtler für die Legoren im Dorf am Geld sammeln. «Meist wird diese Tradition von den Vätern an die Söhne weitergegeben», so Bruno Besmer, Bettelchef des Legorenrats. Besucht werden nicht nur Haushalte, sondern auch Restaurants und Dorfläden. «Zahlen darf man, was man will. Von 5 bis 100 Franken gibt es alles», sagt Bruno Besmer.

Ab 20 Franken bekommen die Spender einen Legoren-Pin und ab 100 Franken eine Plakette, diese gewährleisten einen kostenlosen Eintritt am Fasnachtsumzug in Oberägeri. Jedes Jahr werden die Plaketten neu gestaltet, heuer sogar in der Jubiläumsfassung zum 175-jährigen Bestehen.

Carina Iten